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Aha, jetzt ist er also offiziell leer gefegt, der Gebrauchtwagenmarkt. Kleine Gebrauchte unter 5000 Euro sind derzeit schwieriger zu finden als ein Kondomautomat im Vatikan. Das heißt: Augen auf im Straßenverkehr, da sind jetzt verstärkt Fahranfänger PS-stark mit Pappas 7er BMW unterwegs! Um die Fahrschulen streichen dubiose Händler mit Schlapphut und Trenchcoat, die zischen: „Pssst! Brauchst du was? Nen Twingo? Genau!!!“. Aus Afrika re-importierte, theoretisch schon zum Würfel gepresste, heiße Ware für nur 4.999.- Euro.

Das scheint der gewollte zweite Effekt der Abwrackprämie zu sein: Führerschein-Neulinge und finanziell schwache Familien, denen der 20 Jahre alte Opel Kadett unterm Einkaufskorb zusammengebrochen ist, müssen jetzt Neuwagen kaufen und dafür Kredite aufnehmen. Die Bankenrettung findet auf der Straße statt, nix mit Schuldenbremse, jetzt kommt das Finanzierungsvollgas!

Pünktlich zu Weihnachten ist er erschienen, der Messias. Er hat ein riesiges Kinn und kann sehr schnell mit einem Auto im Kreis fahren. Künftig tut er das für Mercedes, das lässt der Konzern sich einige Millionen kosten. Und der Betriebsrat kotzt: „Die Belegschaft hätte es eher verstanden, wenn Mercedes aus dem teuren Formel-1-Geschäft ausgestiegen wäre“. Der Sportchef des Autoherstellers rechnet damit, dass jeder Schumacher-Sieg einen direkten Image-Gewinn für sein Unternehmen bedeutet und jede Menge Hutfahr-Rentner sich dann doch für die Marke mit der eingebauten Vorfahrt entscheiden.

Ich glaube, dieses ganze Comeback kam nur zustande, weil Schumacher falsch beraten worden war. Von seiner Frau. In Oktober hatte er noch erzählt: „Die Bücher, die ich in den vergangenen zehn Jahren gelesen habe, kann ich an einer Hand abzählen. Aber ich bin gerade total fasziniert von so einem Bücherband, ´Twillight´. Es geht um die Beziehung zwischen einem Mädchen und einem Vampir. Corinna hat das für uns besorgt, wir haben dann zusammen den Film gesehen, und das hat mich so gefesselt, dass ich mehr wissen wollte.“

Oh mein Gott. Schumi hat einen schwülstigen Mädchenroman gelesen und war gefesselt. Dieses Herumrasen im Kreis kann nicht gesund sein. Wer weiß, hätte ihm Corinna die „Feuchtgebiete“ in die Hand gedrückt, wär sein Hirn implodiert. Und dann hätte er mit einem Corsa die Formel-1 von hinten aufgerollt und auf die Weise Opel gerettet.

Fest der Liebe

Es begab sich aber zu der Zeit, dass dem Herrn Honigbrot die Überraschungseier ausgingen, da die vierundzwanzigste Türe seines Kalender geöffnet ward. Vorweihnachtlich gestimmt sandte er seinen Blick aus auf die Straße und wurde gewahr eines Anblicks großer Freude, die im Volk umhergefahren ward. Nämlich in Form eines Lieferwagens der Firma „Erdbeermund – Sexshop – mehr als 20 Mal“.

Dieser war bis zu diesem Tage hier ungesehen, kannte man doch höchstens den Wagen der eisigen drei Könige aus dem Lande BoFrost. Der Herr Honigbrot überlegte, was dieses „20 Mal“ wohl bedeuten möge. Und ob das denn noch feierlich sei. Und er fürchtete sich sehr.

Und also fragte er sich, nach wem diese Lieferung des sinnlichen Wohlgefallens wohl ausgesandt worden sein mochte. Galt die Empängnis des Pakets einem einsamen Jüngling, der eine aufblasbare Gefährtin zu erkennen trachtete? Oder einem Paar, das zur Feier des Tages den Herrn mit allem Drum und Dran einen besonders guten Mann sein lassen wollte? Katholiken womöglich, die jede Sünde beichten können?

Und der Honigbrot-Mann trat an sein Blog und verkündete die Geschichte, die da geschehen war, und die Klarheit des Herrn leuchtete um ihn.

Ich wünsche ein friedliches Weihnachten im Kreise fabelhafter Menschen, und sei es die eigene Familie. Habt Euch lieb, drückt Euch und vergesst nicht, viel zu trinken – auch außerhalb der Feiertage.

Der Freitod von Robert Enke hat den deutschen Fußball verändert. Nachdenklichkeit, Sensibilität und Anteilnahme sind eingekehrt. Im ganzen Fußball? Nein! Ein kleiner Verein hat nichts dazu gelernt. Hannover 96. In seinem grade erschienenen Jahrbuch gibt es ein großes Foto vom tragischen Torwart und direkt daneben eine genauso große Anzeige der Firma Continental mit dem Text: „Kurze Bremswege, wenn es drauf ankommt“.

Wenn schon schwarzer Humor, dann aber für alle. Gibt es nicht noch einen Jahresrückblick-Bildband mit freien Anzeigenplätzen? Neben Michael Jackson wäre sicher Platz für Werbung des Schweinegrippen-Impfstoff-Herstellers Baxter: „Eine einzige Spritze langt“. Neben dem Foto von Patrick Swayze annonciert die Nordsee-Kette „Krebs frisch eingetroffen“. Und neben dem Bild von David Carradine bewirbt der Praktiker-Baumarkt allerlei Zubehör für „Selbermacher“.

Alles natürlich bei Weitem nicht so elegant wie der hirnlose Dummbeutelausversehenzynismus von Hannover 96. Wir wünschen gute Besserung.

Die fanatischen Vier

Der eine ist „narzisstisch, großspurig“ und „immer modisch gekleidet“. Der andere ist „pubertär-trotzig“ und „von Größenphantasien beseelt“. Wieder einer ist „eher brav“ mit hoher „Leistungsmotivation“ und Scheidungskind. Insgesamt sind die vier Jungs „völlig unterschiedliche Charaktere“.

Ist hier die Rede von „Take That“, „Tokio Hotel“ oder gar der Führungsebene der Bayerischen Landesbank? Nein, es geht um die radikaltheologische Boygroup, die unter dem Namen „Sauerlandbomber“ bekannt geworden ist. Psychiater bescheinigen ihren Mitgliedern jetzt die Abwesenheit krankhafter Persönlichkeitsstörungen. Sie sind schuldfähig, der ganz normale Wahnsinn eben.

Warum solche jungen Menschen mit großspurigen Phantasien und selbstverliebtem Leistungswillen ihr Heil nicht bei Dieter Bohlen suchen, sondern bei Al Kaida, das bleibt die Frage. Hat „Deutschland sucht den Superstar“ versagt, wenn der Islamist die bessere Jugendarbeit macht?

Nicht mehr feierlich

Unser Arbeitsministerium soll christlicher werden. Findet Hans-Joachim Fuchtel, Bundestagsmitglied der CDU und Parlamentarischer Staatssekretär in eben diesem Ministerium. Den üblichen Neujahrsempfang fand er zu kalt und weltlich, dafür wollte er lieber eine Weihnachtsfeier. Nach elf Jahren Sozis fand er, es sei wieder Zeit für „eine schöne Weihnachtsgeschichte“, „bezüglich deren Ablaufs“ er sich dann auch „etwas einzubringen“ gedenke.

Vielleicht war das der Grund, warum keiner seiner Kollegen sich dafür interessiert hat und es doch beim Neujahrsempfang bleibt: Fuchtel mit Blockflöte und Ochs und Esel zu Linken und zur Rechten – eine Vorstellung, die Angst macht. Wie christlich kann ein Arbeitsministerium sein? Soll es verstärkt Zimmermänner vermitteln oder Erzieherinnen für Krippen?

Dieser Staatssekretär fuchtelt übrigens schon länger sehr kreuzlastig in der Öffentlichkeit herum. Dieses Jahr hat er sich auch „gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenbewegung“ engagiert. Ich wünsche ihm frohe Weihnachten. Und dass ihm dann eine durchgeknallte Loveparade durch seinen Neujahrsempfang trampelt.

20% auf alles, auch auf die Weihnachtsvorfreude. Gestern im Baumarkt. Zwischen Meisenknödeln, Streusalz, Bohrmaschinen und dem Laminatparadies. Baumärkte versuchen ja mittlerweile verstärkt, weibliches Publikum zu ziehen. Dazu stellen sie sich Tchibo-Shops in den Laden und bieten einmal die komplette Dekohölle.

Auch Bilder. Diese Bilder von Obst und Kaffeetassen, die man sich in die Küche hängen muss, damit man sich morgens schon fühlt, als wär man bei Starbucks oder von Vitaminen umgeben. Und jetzt eben Weihachtsdeko. Folgender Schnappschuss zeigt geballte Jahresendstimmung im Gegenwert von gut 250 Euro. Das ist ne Menge Stimmung, das gibts sonst nur im Puff, da ist dann aber noch der Whirlpool mit dabei.

Was das Foto nicht dokumentieren kann, ist das Blinken von gefühlten 4000 LEDs und das gleichzeitige Erklingen von 7 möglichst inkompatiblen Weihnachtsmelodien. So stimmungsvoll, dass dein Hirn sich unweigerlich in konvulsivischen Zuckungen einmal umstülpt und dann rauchend, verloren und erschöpft in einer unwirtlichen Ecke des viel zu großen Schädels liegen bleibt.

Hatte ich schon erwähnt, dass in der Mitte eine Mini-Eisenbahn im Kreis fährt? Also nicht im Hirn, sondern im Baumarktregal. Man steht mit offenem Mund davor und wartet paralysiert auf eine Durchsage wie „Der kleine Frederic möchte von den Sanitätern aus der Weihnachtsabteilung abgeholt werden“. Und dann kommt aber bloß Frau Honigbrot und sagt: „Schau mal, da drüben gibt es leuchtende Eisbären!“. Ich hatte es immer schon geahnt: Die Klimakatastrophe hat auch verheerende ästhetische Auswirkungen.

In neue Dimensionen des angewandten Surrealismus vorgedrungen ist die Bildzeitung ja in ihrer aktuellen Rubrik „Gewinner und Verlierer der Woche„. Diesmal ist sie so nah am Puls der Zeit wie ein Sonnencreme-Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Gewinner ist Herbert Grönemeyer, weil er 2002 (!) die erfolgreichste CD des Jahrzehnts herausgebracht hat. Verliererin ist Verena Becker, die im kommenden März (!) wegen ihrer Beteiligung am Buback-Mord angeklagt werden soll.

Wenn das so weiter geht, ist der Verlierer der nächsten Woche der Ötzi, weil er vor gut 5000 Jahren (!) vom Wintereinbruch überrascht worden ist. Gewinner wird Karl-Heinz Kurras, weil er vor 42 Jahren (!) Benno Ohnesorg erschossen hat und dafür vermutlich im Jahr 2010 (!) den „Bild-Osgar“ gewinnt.

Grönemeyer und Becker. Da muss man erst mal drauf kommen. Das ist ein Duo so absurd wie Cindy&Bert. Also Cindy aus Marzahn und Bert Brecht.

Gipfel im Nebel

Angela Merkel will die Teilnehmer des Klimagipfels zu einem „Minimalkonsens“ drängen. Das kann sie, das ist ihr Spezialgebiet – der Minimalkonsens. Man wird sich wohl drauf einigen, den Weltuntergang nicht vor dem Jahr 2020 herbeizuführen. Außerdem soll die Erderwärmung 2 Grad nicht übersteigen, wenn sie es doch tut, muss die Erderwärmung sich zum Schämen in die Ecke stellen.

Die CO2-Emissionen sollen dramatisch reduziert werden, vielleicht auch nur dramaturgisch, wahrscheinlich aber im nicht messbaren Bereich. Ansonsten sind die Schwellenländer an allem schuld, weil sie keine armen Umweltschweine bleiben, sondern liebe reiche Umweltschweine werden wollen. Das heißt: Dieser Klimagipfel ist die reinste zu Diplomatie geronnene Hilflosigkeit. Ein Pantomimewettbewerb unter Blinden.

Deshalb darf da auch keiner zu genau hinschauen. ARD und ZDF haben jetzt in einem offenen Brief protestiert, weil man ihnen die Berichterstattung erschwert. Für das ZDF hat Nikolaus Brender unterschrieben, jener unbequeme Chefredakteur, den Roland Koch seiner Kanzlerin so eilfertig fürs kommende Jahr aus dem Weg geräumt hat. Nicht, dass der noch ausruft: „Die Klimakanzlerin ist ja nackt!“.

Drei Fragen beschäftigen mich, bei denen ich das deutliche Gefühl habe, so schnell keine Lösung zu finden. Erstens: Wenn Berlusconi mit einer Miniatur des Mailänder Doms krankenhausreif geworfen worden ist, muss dann zuerst der Premier neu geliftet, oder der Dom neu geweiht werden?

Zweitens: Wenn Schäuble die diesjährige Neuverschuldung von knapp 40 Milliarden nächstes Jahr gut verdoppelt, heißt das dann, dass wir für die kommenden 12 Monate das Zweifache bezahlen, oder dass wir ein Jahr verloren haben? Drittens: Wenn Ex-General Schneiderhahn sagt, dass Guttenberg lügt und Guttenberg sagt, dass Schneiderhahn lügt, könnten die sich dann nicht einfach öffentlich ehrenvoll duellieren?

Vielleicht mit einer Miniatur des Brandenburger Tors als Waffe. Und dann verlangen wir dafür Eintritt und sanieren damit den Haushalt.

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