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Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

Ich weiß ja nicht, welche Drogen der Bild-Kommentator Ernst Elitz in seinem Spekulatius hatte, aber ich geh davon aus, dass der Entzug davon eines Tages eine sehr harte Sache wird. Vielleicht inhaliert er auch Tannennadel-Raumsprays, was weiß ich. Sein aktueller Kommentar ist jedenfalls so nüchtern und realistisch wie ein studentischer Weihnachtsmann nach der fünften Familie und dem zehnten Schnaps:

“Deutschland ist ein Land der Zuversicht. Kein Bibbern vor der Zukunft. Zuversicht strahlt überall! Die Wirtschaft brummt. Die Welt bestellt. Die Arbeitsplätze werden sicher. Das ist kein Weihnachtswunder. Das ist der Preis der harten Arbeit. Deutschland hat sich selbst beschenkt.”

Bild dir deine Dröhnung, oder was? Das sind ja paradiesische Szenarios, wie ich sie bisher nur aus dem “Wachturm” kannte. Der Mann muss sich an der Weihnachtsgans ins Cholesterin-Delirium gefressen haben. Das ist eine rosarote Brille, die ist so groß, dass man sich zum Durchscheißen draufsetzen möchte.

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Der Einzelhandel jubelt. Oder genauer: Die Sprecher des Einzelhandels jubeln jeden Advent ihr kreischendes Zweckhosianna durch die Medien, auf dass der Kaufrausch uns in ein boomendes 2011 katapultiere. Fast meint man, der Sinn des Weihnachtsfestes habe von jeher darin bestanden, Volkswirtschaften mit Exportüberschuss ein etwas solideres Fundament zu verschaffen.

Wahrscheinlich waren Maria und Josef zwei VWL-er, die beschlossen hatten, künftigen Wirtschaftskrisen etwas entgegenzusetzen, und sei es einen Marktwirtschaftsmessias. Dann wäre ihr Gott allerdings schon damals nur der noch heute schnöde Mammon gewesen. Und die unbefleckte Empfängnis mehr so in einem “Geld stinkt nicht”-Sinne unbefleckt. Und der Stern, dem sie gefolgt sind, gehörte einer großen Bethlehemer Rating-Agentur.

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Es scheint ansteckend zu sein, so wie sich das im Moment verbreitet. Nein, ich meine nicht die Schweinegrippe, sondern Versicherungsagenturen.

Da, wo bis vor kurzem noch eine Bäckerei war, ist seit Woche eine Filiale der DEVK und da, wo vorher eine Sprachschule war, ist seit heute HUK-Coburg. Die Versicherungen erobern die Innenstadt wie Außerirdische die Erde im Hollywoodfilm. Oder sind die mittlerweile das, was früher die Ein-Euro-Ramschläden und noch viel früher die Handyshops waren? Quasi die Algenpest des gewerblichen Immobilien. Du weißt, dein Laden ist pleite, wenn Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer schon wie ein Aasgeier um das Objekt kreist.

Vielleicht ist es aber auch nur so, dass die Versicherungsbranche downgesized wird und sie ihre Stahl-und-Glas-Paläste in den Metropolen verlassen müssen, um kostengünstig in der Provinz unterzukommen.

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Helmut Schmidt ist ein angesehener Mann, ein Intellektueller und Politprofi. Sein Wort sollte auch Christdemokraten nicht egal sein. Dem Handelsblatt hat er jetzt gesagt, dass die Kanzlerin in Sachen Wirtschaftskrise nicht sehr geschickt agiere, der deutschen Polit-Elite die Einsicht fehle, was permanente Leistungsbilanzüberschüsse für Deutschland bedeuten (“man verkauft Waren und erhält dafür nur Papiergeld, das später abgewertet wird”) – und dass es Europa an Führungspersönlichkeiten mangelt, die einen Überblick haben. Mit Ausnahme des Luxemburgers Jean-Claude Juncker.

Und was sagt eben der dieser Tage? Dass Deutschland ein bisschen simpel denke und Merkel seine Ideen ablehne, ohne sich richtig damit beschäftigt zu haben: “Sie hat eine sehr uneuropäische Art, europäische Geschäfte zu erledigen.” Ist doch immer schön, wenn man eine Zweitmeinung einholen kann. Merkel setzen, Sechs. Nicht auszudenken, wenn es einen Pisa-Test für Regierungschefs gäbe.

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Von Spiegel bis Tagesschau hallt der Jubel wie einst bei den WM-Autokorsos: Deutschland konsumiert wieder! Der Einzelhandel erlebt quasi multiple Orgasmen, die Kassen klingeln wie quietschvergnügte Alarmanlagen und der Aufschwung schwingt sich im Slalom durch die Fußgängerzonen.

Weil der Einzelhandel Rekordumsätze macht. Im Oktober gut 2% mehr als im Vormonat. Und immerhin 0,4% mehr als im Oktober letzten Jahres. Wer beim Statistischen Bundesamt nachliest, sieht, dass diese 0,4% nur nominal sind, wenn man die Inflation rausrechnet, sind es real -0,7%. Also Minus im Sinne von Minus, in Buchstaben: Minus. Wenn das ein Wachstum sein soll, dann ist das da draußen kein Winter, sondern ein nominaler Spätsommer.

Was für eine peinliche Mischung aus Verblödung und Stimmungsmache. Statustikporno, der die glühweingeschwächten Konsumenten heiß machen soll. Volle Propaganda voraus, Deutschland ist der Wirtschaftsmotor Europas, Merkel ist das Johanniskraut der Nation und der Weihnachtsmann existiert tatsächlich.

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In Essen haben jetzt die ersten “Google-Fans” verpixelte Häuser mit rohen Eiern beworfen und Zettel mit der Aufschrift “Google ist cool” hinterlassen. Jetzt gibt es also schon Google-Fans. Wahrscheinlich hängen die sich zu Hause Suchergebnisse an die Wand und wollen den Such-Button heiraten, am besten mit den Worten “auf gut Glück!” Was hohle Kürbisköpfe für Halloween, sind Google-Fans für den gläsernen Bürger. Aber kein Wunder, selbst Massenmörder haben irgendwelche Fans.

Am tollsten find ich die Pixelästheten, die unkenntlich gemachte Fassaden jetzt lautstark als Beleidigung für ihr Auge empfinden. Wie der Kommentator, der sich neulich auf n-tv aufgeregt hat, dass Häuser doch an Wert verlieren, wenn man sie nicht online anschauen kann – als wären alle Immobilienanzeigen gleich mit verpixelt.

Ich will doch bloß nicht, dass eine hochkommerzielle Datenkrake wie Google ohne Erlaubnis mit meinen Gardinen Geld verdient. Wenn irgendwelche Deppen meinen, sie müssten sie trotzdem knipsen und ins Netz stellen, ändert das nichts. Hätte ich die Anschrift der Deppen, würde ich mich auch bei ihnen beschweren. Nicht wegen meiner Privatsphäre, sondern wegen ihrem Googlegroupietum.

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Für knapp drei Millionen hat meine Kanzlerin mir jetzt einen Brief geschrieben. Ich find das nobel, dass sie sich dabei nicht mit ner popeligen SMS begnügt, sondern den Brief landauf und landab in die Zeitungen hat drucken lassen. Gut, von mir aus hätte sie ihn auch einfach eintüten und auf die Post bringen können. Aber die sollen ja sehr ruppig sein, da in den Berliner Postfiliale. Die versauen einem glatt den Tag und dann regiert man bis zum Abend nur noch mürrisch vor sich hin.

Jedenfalls hat sie mir in meiner besonderen Eigenschaft als Bürger gedankt dafür, dass ich unser Land so prima aus der Krise rausgebracht habe. Ja, was willste machen. Dich auf die Regierung verlassen? Nö. Das wäre mir zu unsicher. Die weiß erstens nicht, wie man günstig Briefe schreibt und zweitens nicht, dass die Krise nur Pause macht. Trotzdem: Danke für die Blumen, Frau Merkel. Ist doch schön, wenn die Kanzlerin so Anteil nimmt am Bemühen ihrer Untertanen.

Dabei hatte sie wohl das Gefühl, dass sie im Zugzwang ist. So, wie wenn man irgendwo eingeladen ist und das Gastgeschenk vergessen hat. Die Merkel wollte jetzt auch nicht so ganz mit leeren Händen dastehen und hat darum vier Versprechen gemacht. 4 Versprechen für’s Volk, das klingt fast so romantisch wie drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Angie will das mit der Bildung, Energie, den Finanzen und der Gesundheit auf die Reihe bringen, versprochen. Ist ne nette Geste. Aber über einen Fleurop-Blumengruß hätte ich mehr gefreut, das wär wenigstens was Reelles gewesen.

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“Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern, und hüte mich, mit ihm zu brechen”, sagt Mephisto über den lieben Gott. Und ich aber manchmal über Gerhard Schröder.

Ist schon ein skurriles Schauspiel, zu sehen, wie er so aus seiner Gazprom-Versenkung rausgespringteufelt kommt, um in einer unerwarteten Verlängerung der legendären Elefantenrunde die Merkel anzupflaumen. Jetzt hat er ihren Aufschwung für sich reklamiert. Von wegen “meine Agenda” und so.

Fast hätte er sich bei ihr noch ´ne Flasche Bier bestellt. Gemein, das. Grad, wo sie umfragetechnisch am Asphalt kratzt, kommt der alte Zirkusgerd und macht noch mal auf dicke Sozeneier. Und plötzlich ist wieder ein Hauch Testosteron und Rock´n Roll in der Politik – nach dem ganzen Pragmatiker-Koma und Gel-Adel-Hype.

Vielleicht kann er sich noch hochpöbeln bis zu einer Art Keith Richards der Berliner Republik. Oder er legt ein bisschen Make-Up auf und torkelt ab und zu aus Richtung Russland so Jack-Sparrow-mäßig in die Debatte. Aye!

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Frage dich nicht, was der Staat für dich tun kann, sondern, was du für ihn rauchen kannst. Eigentlich sollte der Ökosteuer-Rabatt für stark energiefressende Unternehmen deutlich gekürzt werden. Das wird er jetzt nicht. Das fehlende Geld holt der Staat sich von den Rauchern, denen man dafür die Tabaksteuer erhöht.

Das heißt: Raucher rauchen für die Ökosteuer, die ihrerseits dazu dient, die Sozialversicherungs-Beiträge gering zu halten, wahrscheinlich damit die Raucher sich vom „mehr Netto vom Brutto“ auch genug Kippen leisten können. Raucher sind eigentlich die Schlüsselfiguren unserer Volkswirtschaft.

Erst hat man sie süchtig gemacht, dann auf die Straße verbannt und jetzt laufen sie im Hamsterrad aus Steuern und Nikotin, um hier das Perpetuum mobile in Gang zu halten. Die Hersteller von Nikotinpflastern sind der Staatsfeind Nummer eins. Und wir leben im Marlborough Country. Hier sollten überall Denkmäler stehen für „den unbekannten Raucher“, der sein Leben gegeben hat im Kampf für den Boom.

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Jetzt werden seine Hausschlappen versteigert. Bernard Madoff sitzt im Knast, weil er Anleger um Milliarden betrogen hatte. Um die zu entschädigen, versteigert man jetzt Gegenstände aus seinem Privatbesitz, unter anderem die schwarzen Filzpantoffeln mit güldenem Monogramm, Größe 42. Da reinzuschlüpfen, muss sich für ein Madoff-Opfer anfühlen, wie ihn erlegt zu haben.

Soll noch einer sagen, der Kapitalismus hätte keine spirituellen Züge, das ist doch wohl eindeutig eine Reliquie. Die könnte man auch in der Glasvitrine ausstellen und die Wallstreetler drum herum pilgern lassen. Gleich daneben stünde dann Alan Greenspans Butterstulle, Josef Ackermanns Tütchen Erdnüsse und Thilo Sarrazins aus dem Schnauzbart gefischte Überreste seines Hartz-IV-Menüs. Und was dann dabei an Eintrittsgeldern hängen bleibt, das dient zur Bankenrettung. Nur das. Damit ihr mal seht, was ihr uns so wert seid.

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