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Archiv für die Kategorie ‘Wettbewerb’

Letztes Jahr im Sommer gab es einen großem Aufschrei: Die Milch wird teurer, weil die Chinesen sie uns wegtrinken, als wäre der Milchbart eine neue olympische Disziplin. Die Bauern sagten: „Sollse nur! Dann können wir endlich wieder von der Milchherstellung leben, und müssen nicht länger unsere unbedarfte Haut in Bauer-sucht-Frau-Shows zu Markte tragen!”. Kein Jahr später lese ich vom nächsten Aufschrei: Die Milch wird billiger, weil Aldi die Preise drückt und die EU zu viel davon herstellt, der Markt ist so locker-leicht, der schwimmt sogar in Milch. Die Bauern wimmern: „Scheiße, jetzt müssen wir wieder auf den Strich!”.

Ach ja, die EU wird ihre Milch auch deswegen nicht los, weil der Euro so stark ist, da lässt der Chinese lieber anderswo melken, vielleicht sogar in Gegenden, in denen die Menschen sich Milch gar nicht leisten können. Gut, weil der Euro stark ist, merken wir andererseits nicht so deutlich, wie teuer Benzin eigentlich weltweit geworden ist. Also, die Billigmilch zum Aldi zu fahren könnte auch viel teurer sein. Fragt mich nicht, was das für die Bauern bedeuten würde.

Jedenfalls: Das „Alles-wird-immer-teurer-Gejammere”, das als Stoßgebet verzweifelter Hausfrauen am Butterregal Hochkonjunktur hatte, ist damit widerlegt. Manchmal wird es auch wieder billiger. Und keiner weiß, ob das gut oder schlecht ist, wenn dir zwar mehr in der Haushaltskasse bleibt, aber die Landwirte Hartz-IV beantragen und im Fernsehen derart ungelenk balzen müssen, dass die Milch sauer wird, was egal ist, weil sie billig ist, zumindest bei uns, die wir den Euro haben, uns Nahrungsmittel leisten können und sogar hin und wieder eine Tankfüllung.

Puh, ist das kompliziert. Ich hätte nie gedacht, dass ich von Milch mal einen Brummschädel bekommen könnte.

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134 Millionen Euro Gewinn hat das Nokia-Werk in Bochum 2007 gemacht. Das sind 90.000 Euro pro Mitarbeiter. Klar ist es unsachlich, das so umzurechnen. Aber trotzdem erhellend, dieses „connecting people with the Betriebsergebnis”. Wenn der Oettinger heute der Kanzlerinnen-Union vorwirft, sie hätte die Wirtschaft vernachlässigt und das Soziale überbetont, kommt mir das vor wie der Funkspruch aus einem Parallel-Universum.

Bei Nokia zählt ein Mitarbeiter, der das Fünffache seines Gehalts erwirtschaftet, nicht als Mitarbeiter, sondern als Bremsklotz am Bein, als unrentabler Schmarotzer. Das sind die Deppen, die Telefone zusammenstecken, davon auch noch leben wollen und zu faul sind, nach Rumänien umzuziehen. Erklär mir noch mal einer, warum es jetzt naiv und sinnlos wäre, Nokia zu boykottieren! Wenigstens einen Imageverlust hätten sie doch verdient. Andere Ausbeuter bauen auch schöne Handys!

Gehen wir doch in den Handyladen und sagen „Guten Tag, ich hätte gerne ein Telefon von einer Firma, die mich eleganter verarscht als diese Finnen – die ursprünglich Gummistiefel hergestellt haben, in denen das Betriebsklima sicher genauso gestunken hat wie heute in Bochum!”. Ich bin für kreativen Widerstand, etwa in Form von Nokia-Witzen („Was ist der Unterschied zwischen Nokia und einem Heuschreckenschwarm? Der Schwarm hat keine Hotline!”), Autoaufklebern („Kein Nokia an Bord”) oder Protestsongs (etwa als Reggae: „No Nokia, no cry”).

Auf der Homepage der Firma heißt es zur Unternehmensphilosophie: „Der Mensch steht im Mittelpunkt”. Stimmt natürlich. Aber das tat er bei der Inquisition ja auch.

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Sind die Molkereien die neuen Ölscheichs? Bis in die Berliner Politik hinein ist man empört über die angekündigte Preiserhöhung für Milchprodukte. Dass die Milch teurer wird, ist prinzipiell begrüßenswert, endlich können Bauern mit Kühen wieder Geld verdienen und müssen nicht mehr davon leben, dass sie sich in billigen Fernsehshows verkuppeln lassen.

Jetzt gibt es keine absurd hochsubventionierten Milchseen und Butterberge mehr, das Angebot hat sich der Nachfrage genähert, auch global. Zwei seltsame Begründungen hab ich heute gelesen: die Asiaten kaufen uns unsere Milch weg! Nach dem Benzin und dem Metall jetzt auch noch unsere schöne Milch. Wahrscheinlich planen die Chinesen olympisches Milch-Doping im kommenden Jahr. Zweite Begründung: Die Biotreibstoffe! Weil Bauern jetzt immer mehr für den Tank produzieren statt für die Kanne. Wir müssen uns also entscheiden, ob wir Kernkraft oder billige Milch wollen. Der Chinese würde wahrscheinlich sagen: Beides!

Man munkelt, dass die Molkereien von den Ölscheichs gelernt haben und kleine Preiserhöhungen beim Rohstoff zu nutzen, um beim Endverbraucher dreifach zuzuschlagen. Wenn das so ist, wird die Milch wahrscheinlich künftig auch immer kurz vor den Schulferien teurer, bevor die Kids die Eisdielen stürmen? Wir werden uns an den Gedanken gewöhnen müssen, Milch zu sparen. Die Milchschnitte teilen. Bewusst zum 3-Liter-Eis greifen. Scheibletten auch mal mehrfach verwenden. Auf Hybrid-Verzehr ausweichen, halb Quark halb Schlämmkreide. Oder einfach innerstädtisch öfter mal den Käse stehen lassen. Das Milkyway ersatzweise in Saft schwimmen lassen. Am Strand auf Sonnenmilch verzichten. Es gibt so viel, was man tun kann!

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Vielen Dank für die herrlichen Buchvorschläge. Wenn Angela hier jemals vorbeisurft, wird sie sich reich beschenkt fühlen! Vielleicht räumt sie sich im Bücherregal einen Meter frei für die Honigbrot-Bibliothek. Vielleicht auch nicht. Mir hat der Wettbewerb riesig Spaß gemacht, toll wieviel Gedanken Ihr Euch gemacht habt, alles für die Kanzlerin und unser Land. Irgendwann werd ich mal wieder eine ähnliche Aktion starten, versprochen!

Ich persönlich hab natürlich unter Euren Vorschlägen keinen Favoriten, deshalb hat das Los völlig eigenmächtig entschieden, wer den ausgeschriebenen Preis erhalten soll. Es ist, tataaaa: Myriel! Glückwunsch!

Gewonnen hast Du eine nagelneue Ausgabe des Buchs “Eigenes Konto” vom leider völlig zu Unrecht verstorbenen Matthias Beltz. Begründung: Er fehlt! Und wenn Du beim Kommentieren Deine Mailadresse korrekt angegeben hast, mail ich Dich umgehend an, um zu erfahren, wo Dein analoger Briefkasten steht.

The Winner is

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Frage dich nicht, was die Politiker für die Bildung tun, sondern frage dich, was du für die Bildung der Politiker tun kannst. Das hat sich wohl der kanadische Schriftsteller Yann Mertel gesagt, als er mal wieder seinen Premierminister bei einer Kulturveranstaltung beobachtete. Der muss sehr gelangweilt ausgesehen haben, der Premier. So eine Mischung aus Kulturferne und Gesichtslähmung, vielleicht ist ihm sogar ein Speichelfaden aus dem Mundwinkel gelaufen. Jedenfalls hat sich der Herr Mertel erbarmt, vielleicht sind bei dem grade die Kinder ausgezogen und er hat wieder pädagogische Kapazitäten frei. Er schickt dem Politiker jetzt alle 2 Wochen ein Buch der Weltliteratur sowie eine kleine Leseanleitung, damit es nicht so wehtut. Los ging es mit Orwells „Animal Farm“ und Tolstois „Tod des Iwan Iljitsch“. Der Premier hat bisher nicht reagiert, vielleicht hat er keinen, der ihm was vorliest. Mertel bleibt eisern und will seine Kulturlieferung a la „Lesen auf Rädern“ unbedingt fortsetzen, bis zum Ende der Premier-Amtszeit.

Ich finde die Idee so großartig, dass ich gerne einen Wettbewerb draus machen würde. Es geht um die originellste Antwort auf die Frage:

Welches Buch würdest du gerne mit welcher Begründung (und/oder Lesehilfe) der Bundeskanzlerin schenken?

Der Wettbewerb läuft 10 Tage, so lange sammel ich die Vorschläge im Kommentar. Dann wird ein Sieger ausgelost und der erhält dann ein Buch, das ich ihm auswähle und begründe. Also los! Alles ist möglich, vom „Moppel-Ich“ bis hin zu „Maria Stuart“!

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