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Archive for the ‘Wahlkampf’ Category

Für knapp drei Millionen hat meine Kanzlerin mir jetzt einen Brief geschrieben. Ich find das nobel, dass sie sich dabei nicht mit ner popeligen SMS begnügt, sondern den Brief landauf und landab in die Zeitungen hat drucken lassen. Gut, von mir aus hätte sie ihn auch einfach eintüten und auf die Post bringen können. Aber die sollen ja sehr ruppig sein, da in den Berliner Postfiliale. Die versauen einem glatt den Tag und dann regiert man bis zum Abend nur noch mürrisch vor sich hin.

Jedenfalls hat sie mir in meiner besonderen Eigenschaft als Bürger gedankt dafür, dass ich unser Land so prima aus der Krise rausgebracht habe. Ja, was willste machen. Dich auf die Regierung verlassen? Nö. Das wäre mir zu unsicher. Die weiß erstens nicht, wie man günstig Briefe schreibt und zweitens nicht, dass die Krise nur Pause macht. Trotzdem: Danke für die Blumen, Frau Merkel. Ist doch schön, wenn die Kanzlerin so Anteil nimmt am Bemühen ihrer Untertanen.

Dabei hatte sie wohl das Gefühl, dass sie im Zugzwang ist. So, wie wenn man irgendwo eingeladen ist und das Gastgeschenk vergessen hat. Die Merkel wollte jetzt auch nicht so ganz mit leeren Händen dastehen und hat darum vier Versprechen gemacht. 4 Versprechen für’s Volk, das klingt fast so romantisch wie drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Angie will das mit der Bildung, Energie, den Finanzen und der Gesundheit auf die Reihe bringen, versprochen. Ist ne nette Geste. Aber über einen Fleurop-Blumengruß hätte ich mehr gefreut, das wär wenigstens was Reelles gewesen.

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Übermüdet und hungrig schleppen sie Demonstranten von den Gleisen, weil die Regierung Fakten schafft, die keiner will. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei nennt den Castor-Einsatz “ein Fanal politischer Irrfahrten” und das Aufkündigen des Atomkompromisses einen großen Fehler. Wenn das so weiter geht, klappen bald die Ersten das Visier hoch und tauchen in der Anti-AKW-Suppenküche auf.

Soll die Merkel doch selbst ihre Bürger von den Gleisen knibbeln. Das wär mal wahre Volksnähe: Die Kanzlerin schleppt ihre Bevölkerung stückweise vom Schotter. Und am nächsten Morgen hat sie Muskelkater und denkt noch mal neu.

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In Washington haben Komiker wie Jon Stewart bei einer Großveranstaltung vorm Weißen Haus an die politische Vernunft appelliert. Grade auch angesichts der Tea-Party-Bewegung und unsäglich bekloppter Hitler-Obama-Vergleiche der Konservativen.

Einer der Redner brachte es so auf den Punkt:  “Ich will, dass wir wieder über unsere unterschiedlichen Ansichten diskutieren können, ohne dabei den Verstand zu verlieren. Was heute in der Politik passiert, ist einfach sehr bizarr” . Was für ein Land, in dem die Komiker für Verständnis, Kommunikation und Intelligenz werben müssen! Und was für Komiker, die das auch tun!

Vielleicht übernehmen sie bald sogar politische Ämter. Schlechter würde die Politik nicht werden, aber wenigstens unterhaltsamer. Und die ehemaligen Abgeordneten müssten mit ihren erbärmlichen Witzchen durch die kleinen Comedyclubs tingeln und sich mit Obst bewerfen lassen.

Wie säh das bei uns aus? Hirschhausen macht den Gesundheitsminister, Mario Barth Familie und Frauengedöns, Vince Ebert Wissenschaft, Ausbilder Schmitt Verteidigung und Harald Schmidt den Präsidenten. Ruckzuck wär sie da, die Komikerverdrossenheit…

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Weil auch ich irgendwann mal Feierabend habe, poste ich hier mal das, was ich veröffentlichen würde, wenn Christian Wulff wie erwartet spätestens im dritten Wahlgang gewählt würde. Die stille Hoffnung, es könnte anders kommen, gönne ich mir quasi als politisches Feierabendbier am Ende eines heißen Tages…

Jetzt ist er also nicht mal mehr zweite Wahl. Der, den keiner wollte, der aber so sehr im Angebot war, dass er dann doch noch dringend gewählt werden musste. Im Präsidentenausverkauf. Der Wulff im Schafspelz. Der “Kinderlachen ins Schloss Bellevue bringt”, wie die Kanzlerin gestern sagte, die wohl zu viel “Kleiner Prinz” gelesen hat.

Das ist Demokratie: Wir machen das, was keiner wollte, aber alle dachten, tun zu müssen. Gewählter Drittewahlpräsident – das ist ein bisschen wie Brötchen vom Vortag. Durchaus noch genießbar. Günstig. Aber schon auch etwas zäh und pappig. Gegen den Teflonwulff wäre Gauck ja ein Gebirgsmassiv an Streitbarkeit gewesen. Frag mal die Linke. Die mit ihrer Zausel-Luc kaum mehr als engagierte Seltsamkeit demonstriert hat.

Und jetzt: Das Märchen vom Wulff und seiner jungen Frau, ein feuchter Traum für den Boulevard. Da hängt ein Hauch von Windsor über Bellevue. Fast als hätte die Kanzlerin nach Jahren stiller Demut endlich ihren Fitnesstrainer geheiratet. Glückwunsch. Gauck wird als gesalbter Festredner eine leuchtende Zukunft vor sich haben. Und Luc Joachimsen kommt vielleicht als Kommissarin in irgendeinem Tatort unter. Hauptsache, die Kinder lachen.

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Laut dem aktuellen “Deutschlandtrend” der ARD sind 47% der Bundesbürger für Neuwahlen. Bild macht daraus: “Deutsche fordern jetzt Neuwahlen”, was mal wieder viel über das Demokratieverständnis des Blattes ausmacht. Mehrheit ist anders.

Ich will keine Neuwahlen. Bitte keinen Bundestagswahlkampf, keine Plakate, kein Rededuell mit der Merkelin. Schwarz-Gelb soll ruhig weiter Verantwortung übernehmen und Schuld auf sich laden. Die Suppe auslöffeln, die Sache ausbaden. Ich will sehen, wie sie Federn lassen, ich will die Merkelmauser.

Und ich will keinen Kanzler Sigmar Gabriel, den alten Knutknutscher und Popbeauftragten. Das wäre eine Verbesserung wie von der Traufe zurück in den Regen. Nein, Westermerkel sollen Blut und Wasser schwitzen und noch 3 Jahre Standards setzen, wie man es NICHT macht.

Wenn ich noch in diesem Jahr wieder einen Bundestagswahlabend und eine Elefantenrunde erleben müsste, ich würde auf dem Stimmzettel Amok laufen und mein Kreuz bei den tantrischen Seniorentierschützern machen.

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In diversen Medien von Bild bis Spiegel heißt es heute, dass sich die Hinweise verdichten, dass Ursula von der Leyen Merkels Wunschkandidatin für Köhlers Nachfolge sein könnte. Was sich da verdichtet, ist ein ziemlich ekliger Brei, der das Amt des Bundespräsidenten tatsächlich noch weiter beschmutzen könnte.

Von der Leyen sei eine von breiter Zustimmung getragene Person, liest man. Und langt sich an den Kopf. Handelt es sich bei ihr doch um die erst 2001 durch alte Unions-Verbindungen ihres Vaters in die Politik gepeitschte höhere Tochter, die mangelnde Erfahrung und Kompetenz durch dominantes Lächeln, penetranten Sprachduktus und demonstrative Patentheit auszugleichen versuchte.

Ihre größten Projekte waren das ungerechte Elterngeld (eigentlich eine Besserverdienerzuchtprämie), die Idee, im Internet Stoppschilder aufzustellen sowie der Vorschlag, Hartz-IV umzubenennen und die betroffenen Empfänger zum Straßenkehren zu verwenden.

Allein mit ihren pathetischen Wahlkampfauftritten, in denen sie im empörten Tonfall einer demagogischen Einpeitscherin das Thema Kinderpornografie verwendete, um grauhaarigen Zuhörern die Union ans Herz zu legen, haben ihr den Namen “Zensursula” beschert und sie in Netz-affinen Kreisen zur Unperson gemacht.

Kurz: Sie ist ungefähr so unumstritten und beliebt wie Florian Silbereisen, Vladimir Putin oder Marilyn Manson. Und damit fürs Präsidentenamt so geeignet wie Löschpapier zur Brandbekämpfung.

Überdies: Eine amtierende Ministerin ins Amt der Bundespräsidentin zu heben, wäre ein so durchschaubares Stück Merkel’scher Machtpolitik, dass es geradezu nach Panik riecht. Dann wären Angie & Ursel wie Hanni & Nanni. Die Grüßtante und die Blazermutti. Volle Merkel voraus, ein konservatives Girlscamp, wie Sex and the City, nur ohne Sex.

Da wäre mir ja selbst ein Schäuble lieber, der ist immerhin kein garantierter Merkelfreund. Und wenigstens intellektuell so brillant, dass man sich inhaltlich an ihm abarbeiten könnte. Aber nein. Es muss eine Respektsperson her, die auf keinen Fall derartig regierungsnah ist. Sonst hat die Kanzlerin aus dem Bundespräsidenten endgültig eine Farce gemacht.

Das wäre dann ein eindeutiges Zeichen von mangelndem Respekt vor der Würde dieses Amtes. Und Horst Köhler hätte recht gehabt, uns dies zu zeigen. Und wir müssten ihm zurufen: Danke, Horst, wir haben verstanden!

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Mit Wählern kommunizieren Politiker ja oft wie mit Kleinkindern. Die Erfahrung gibt ihnen Recht. Steuererhöhungen werden putzig versteckt und hervorgezaubert wie im frühkindlichen “Guckuck – daaaa!”-Spiel. Schreit der Bürger unzufrieden, wird er mit dem Fernseher beruhigt. Ansonsten verspricht man ihm ein schönes Autospielzeug, wenn er den Brei schluckt, den man ihm vorsetzt.

Manchmal haben Kleinkinder und Wähler Angst vor Monstern. Das können Heuschrecken sein oder Grippeerreger oder Banken. Kinderpsychologen sagen, dass es dann wichtig ist, den Monstern ihre Unheimlichkeit zu nehmen, indem man sie sympathischer schildert, oder drauf hinweist, dass auch die Ungeheuer ihrerseits Angst haben. So wie: “Schau, die Hypo Real Estate braucht einen Rettungsschirm, weil die böse Finanzkrise ihr alles weggefressen hat” oder “Die Schweinegrippe ist bestimmt ganz einsam, weil keiner sie mehr kennen will. Lass uns Impfstoff kaufen, damit wir mit ihr spielen können!”.

Und erst das Griechenmonster und das Lohnnebenkostenmonster und das Benzinpreismonster! Dabei zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden, könnte auch wichtig und beruhigend sein. Das funktioniert aber erst bei Kindern ab etwa sieben Jahren, für Wähler ist das nix.

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