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Archive for the ‘Umwelt’ Category

Dass unsere großen Energiekonzerne irgendwie verhaltensgestört sind, wussten wir schon länger. Wir kannten unsere Borderline-Versorger mit ihren chronischen Kernkraftschemastörungen. Jetzt kippt ihre Bösewicht-Rolle etwas ins Jokerhafte, sie scheinen gesteigert Freude am Chaos zu haben.

Wie sonst erklärt es sich, dass sie auf den Deal “Wir verlängern wie gewünscht die Laufzeiten, wenn ihr dafür bezahlt” antworten: “Nö, dann steigen wir sofort aus!”? Ein Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg. Nur so als pampiger Diskussionsbeitrag. Um den Röttgen ins Schwitzen zu bringen.

Greenpeace sagt: “Das ist keine Drohung, sondern eine gute Nachricht!” Ich finde es vor allem absurd. Erst ist der Ausstieg ein Ding der Unmöglichkeit, und dann plötzlich das Killerargument. Ein bisschen so, als würde der Gangster sagen: “Hände hoch, oder ich lass die Waffe sinken!”

Jedenfalls ist die “alternativlose Kerntechnologie” in ihrer Alternativlosigkeit jetzt etwas angekratzt. Eigentlich ein PR-Super-GAU für die Atomlobby. Die werden wohl nervös. Jetzt muss die Union ihr hinterherdackeln und sie hechelnd zum Wiedereinstieg ins Ende vom Aufhören überreden. Da haben sich die Richtigen gefunden.

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Als die BP-Ölplattform “Deepwater Horizon” ihren katastrophalen Unfall hatte, war der Alarm deaktiviert. Weil man verhindern wollte, dass die Crew “nachts um drei wegen eines Fehlalarms geweckt wird”. Ich sehr richtig vor mir, wie da abends der Reihe nach die Lichter aus gingen und sich alle zugerufen haben: “Gute Nacht, John-Boy, gute Nacht, Golf von Mexiko!”

Der Vorteil: Eine derartig ausgeschlafene Crew kann ein Bohrloch dann innerhalb von Monaten stopfen, wo man sonst Jahrzehnte bräuchte. Das sind schon echte Gutmenschen und Sensibelchen, diese BP-ler. Demnächst erzählen sie uns, der Alarm sei aus gewesen, weil man die Fische nicht erschrecken wollte. Und das Leck lässt man sprudeln, damit das Öl sich nicht zurückgewiesen und ungewollt fühlt.

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Wie Stammleser diese Blogs wissen, hat ja die Waschanlage mein Auto gefressen und muss es jetzt auf ihre Kosten ausbeulen lassen. Deshalb fahre ich seit heute einen Leihwagen. Das ist so ein modernes Auto, dass es keinen Schlüssel mehr hat. Für mich eine völlig neue Erfahrung. Etwas unheimlich. Wie eine Kaffeemaschine ohne Wasser oder ein Toaster ohne Öffnung.

Ich hab eine Key-Karte in der Hosentasche, nähere mich wie der Night Rider der Wunderkarre und schon entriegeln sich devot die Türen, fast meint man, sie “Öffne mich, oh Herr!” seufzen zu hören. Wenn ich vom Auto weggehe, macht es “bipp” und alles ist wieder zu. Was soll ich sagen, ich bin heute vor Begeisterung eine Stunde um den Wagen herumgestrolcht.

Was sich für dahingehend Ungeübte wie mich aber völlig gaga anfühlt, ist das Starten ohne Zündschloss. Man muss nur die Kupplung treten und auf eine Taste mit der Aufschrift “Start/Stopp” drücken. Man kommt sich vor, als würde man einen Fahrstuhl rufen oder am Automaten Kippen ziehen.

Schlösser hat der Wagen keine. Ich frage mich, was passiert, wenn die Batterie der Keycard alle ist. Wahrscheinlich muss ich dann eine Renault-Hotline anrufen und meinen Wagen per Internet hacken lassen. Ach ja: Die Scheinwerfer schalten sich auch automatisch ein, wenn das Auto findet, es sei zu dunkel, oder es käme nicht gut zur Geltung.

Kurz: Es gibt jede Menge elektronischen Schnick und Schnack, das reinste Bordcomputer-Bling-Bling. Ein Flipper auf Rädern. Dafür verbraucht dieser etwas größere Kleinwagen aber auch 8 Liter. Wer das prima findet, möge für immer vor verschlossenen Türen stehen.

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Ich denke ja, es ist keine direkte Folge der übermäßigen Hitze, dass die Bundesregierung im Moment darüber nachdenkt, längere Laufzeiten für Atomkraftwerke versteigern zu lassen. Das muss eher was mit Strahlung zu tun haben, vielleicht steht das Kanzleramt auf einer Uranader, oder so.

Es ist ja schlimm genug, dass die Verlängerung bereits jetzt als haarscharf an allen Mehrheiten vorbei beschlossene Sache gilt. Nun soll es also auch noch so werden, dass nicht die sichersten Reaktoren sich darüber freuen können, sondern die, die am meisten Geld auf den Tisch legen. Das ist Kapitalismus in seiner strahlendsten Variante. Der Markt regelt alles, demnächst vielleicht auch die Blutkrebs-Häufigkeit.

Man kann ja froh sein, dass sie mit den Laufzeiten keine Tombola bestücken. Oder wie wäre es denn mit Laufzeiten-Russisch-Roulette? Die Verlängerung wird nach dem Zufallsprinzip verteilt, und wer als Erster einen schweren Störfall hat, der hat verloren.

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Gestern hab ich ja endlich mal “Avatar” nachgearbeitet, beziehungsweise geguckt. In 2D, aber auf einem großen Fernseher. Das ist natürlich ungefähr so, wie wenn man Wagners Ring auf einem Radiowecker hört, aber dennoch aufschlussreich.

Schon grotesk, dass der dreidimensionalste Film des Jahres gleichzeitig auch einer der plattesten ist. Das Überraschendste, was passiert, ist, dass der Film einfach nicht aufhören will. Ich meine: Blaue Figuren dabei beobachten, wie sie vor bunten Hintergründen eins mit der Natur werden, das konnte man immer schon, indem man sich bekifft die Schlümpfe anschaut.

Offenbar hat der 3D-Effekt eine betäubende Wirkung auf das Gehirn. Mit so einer Brille auf dem Kopf würde wahrscheinlch auch ein Tuschkasten tiefsinnig und hochemotional wirken. Erst in 2D schaut man wirklich hinter diesen Film, der nichts weiter ist als ein kitischiger Öko-Eso-Hightech-Porno.

Ja, Porno: Schwache Handlung, schlechte Dialoge, komische Farben. Hauptsache es geht zur Sache und die Bilder sind geil. Eine Mischung aus “Blaue Lagune”, Streichelzoo und Zimtlatschen. Nur mit mehr Explosionen. Und wenn ich mal sehen will, wie mir eindrucksvoll was entgegen geflogen kommt, dann geh ich zum Griechen und sag beim Bezahlen: “Die Rechnung geht auf den IWF!”

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Es ist eine Katastrophe in der Katastrophe. Während BP seit 5 Wochen am Meeresboden in der Ölquelle rumstochert, legt der Konzern über Wasser ein Krisenmanagement an den Tag, gegen das ist Angela Merkel Superwoman und der Euro gerettet.

2,2 Millionen Liter der Chemikalie “Corexit” hat man versprüht, um die Ölpest in den Griff zu kriegen. Ein Mittel, das laut BP-Manager Bob Dudley “im Prinzip so harmlos wie Spülmittel ist”. Bloß, dass jetzt die ersten Helfer krank werden, sich wie auf Droge fühlen und aus dem Nichts eine spontane Raucherlunge entwickeln. Versuch das mal mit Spülmittel.

Das Mittel war auch nach der Exxon-Valdez-Katastrophe eingesetzt worden, damals fanden dann Biologen Seelöwen und Otter, denen davon praktisch das Gehirn weggebrannt worden war. Was die Vermutung nahe legt, Bob Dudley habe das Zeug bei sich zu Hause gelagert.

Corexit wird übrigens von der Firma Nalco hergestellt. In deren Aufsichtsrat sitzt BP. Das sind gute Freunde. Und die Aktie von Nalco ist um 10% gestiegen. BP ist die Un-Firma des Jahres. Man sollte anderswo tanken, solange bis der nächste Mineralölkonzern den noch größeren Bockmist verzapft. Ach ja: Raider heißt jetzt Twix und BP ist Aral!

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Die CDU entwickelt sich immer mehr zur multiplen Persönlichkeit und muss feststellen: Auch die Union besteht aus spaltbarem Material. Im Moment geben Stefan Mappus und Norbert Röttgen die christdemokratische Variante von Jekyll & Hyde. Röttgen sieht das Ende der Kernenergie, Mappus das Ende von Röttgen.

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg fordert sogar den Rücktritt seines parteieigenen Bundesumweltministers: “Politik ist ein Mannschaftsspiel, und wer Individualsport bevorzugt, muss sich ein anderes Tätigkeitsfeld suchen.” Merkel solle Röttgen zurückpfeifen. Dieser antwortet mit dem Vorschlag, Mappus solle erst mal den Koalitionsvertrag lesen.

Wenn die Union sich weiter derartig selbst zerlegt, dann fliegt sie der Kanzlerin bald um die Ohren. Fragt sich, ob sie Physikerin genug ist, daraus dann auch noch Energie zu gewinnen.

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