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Archiv für die Kategorie ‘Sport’

Beim “2. Michendorfer Nikolauslauf” sind heute knapp 600 Nikolause Strecken zwischen 2,5 und 10 Kilometer gelaufen. Der veranstaltende Laufclub Michendorf spricht stolz von der “größten, laufenden Weihnachtsmann-Parade”. So, liebe Kulturkreisanalphabeten, Brauchtumsschänder und Kinder, da muss ich jetzt doch mal wieder die Spaßbremse machen. Bevor mir der Stollen hochkommt.

Erstens: Nikolaustag ist morgen. Zweitens: Der Weihnachtsmann ist nicht der Nikolaus. Und drittens: 600 rennende Nikolause sind ja wohl die unbesinnlichste Vorweihnachtsperversion überhaupt. Ja, da bin ich pingelig. Aber ihr besteht ja auch immer drauf, dass Harry Potter kein drogendealender Hütchenspieler und Darth Vader nicht die Supernanny ist. Nur mal so als Beispiel.

Man muss die Mythen schon sauber halten, da gilt das Mythenreinheitsgebot, sonst landen wir direkt in der Hölle. Oder noch schlimmer: in Disneyland. Wenn nächstes Jahr irgendwo der 1. Messiasmarathon statt findet, bei dem am 23. Dezember 1200 Jesusse 42 Kilometer zurücklegen, feiert der Veranstalter das wahrscheinlich als die neue Love-Parade…

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Und immer in die Kamera winken!

Heppenheim heißt jetzt Vettelheim. Bis vor kurzem sah man von der Autobahn aus als Erstes das Mc-Donalds-M, als ginge es um Meppenheim. Jetzt können sie bald ein V aufstellen! (Ein V? Psssssst! Genaaaaauuu!).

Heute noch stehen vereinzelt Übertragungswagen von Privatsendern im Städtchen. Damit man jederzeit spontan Passanten nach dem Weltmeister befragen kann. Oder jemanden, der wen kennt, der immer schon den Cousin 7. Grades vom Vettel kannte.

Erst sah ich die Autos von RTL und nt-v und dachte: “Verdammt, hat es in der Odenwaldschule einen Amoklauf gegeben?” Dann wusste ich: So sieht es aus, wenn aus einer einzigen Sport-Nachricht noch tagelang Bilder gesaugt werden müssen.

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Wir sind im Ziel!

Ich hab heute am frühen Abend auf einer Bühne gestanden und mich beklatschen lassen, weil ich Heppenheimer bin und Sebastian Vettel Formel1-Weltmeister geworden ist. Hat funktioniert. Beides.

Dabei sind mir Autorennen eigentlich egal. Aber gegen billigen Lokalpatriotismus und einen jungen Helden hab ich nix. Wenn er mich quasi zum Mitweltmeister macht. Brumm! Sogar meine Oma ist Vettel-Fan. Die sitzt im Altersheim, mit Fensterplatz. Und da ist er vor ein paar Wochen mit seinem Boliden vorbeigedüst, hat Autogramme geschrieben und fette Bremsspuren auf der Bundesstraße hinterlassen. Seit dem guckt sie Formel1.

Da fahren zwar immer noch bloß Männer stundenlang im Kreis herum, aber irgendwie gehören wir jetzt dazu. Wir sind Passivrennfahrer, meine Oma und ich. Das ist gesünder als Passivraucher – wenn man nicht grad im falschen Moment über die Rennstrecke muss und da keine Fußgängerampel ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Glückwunsch!

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Gemeinsam sind wir schwach

Jaaa! Heute war wieder das aktuelle “Rundenheft” des örtlichen Sportvereins im Briefkasten. Wieder mit dem Besten aus sportlicher und sprachlicher Verzweiflung. Das ist der Don Quichotte unter den Vereinen, und der Rest der Liga besteht nur aus Windmühlen.

“Alle anderen Partien wurden mit Unentschieden beendet. Zum Teil mehr als unglücklich. Auch die Tischtennissparte ist weiterhin auf Erfolgsspur.” Das ist wohl die Erfolgsspur in Richtung Tabellenende.

“Fazit: Weg vom Leistungsgedanken, zurück zum Freizeit-Volleyball, ab und zu ein Turnier gewinnen und hoffen, dass die Duschen bald wieder funktionieren.” Also auch hin zum Freizeitduschen.

Besonders beeindruckend, und für mich als Fastnichtsportler auch mysteriös, ist aber folgender Satz: “Wir wollen vom Moralfußball hin zum gepflegten Spiel mit wenig Ballkontakten”. Kann mir das mal einer erklären? Ist das so wie in Stuttgart: Wir wollen von der Moralpolitik hin zum gepflegten Regieren mit wenig Bürgerkontakten? Ist da die Devise: Wir sind die Drecksäue, die mit dem Ball nichts zu tun haben wollen? Aber wie gewinnt man dann? Durch Nicht-Duschen?

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Tour de Facon

Heute hab ich auf Eurosport etwas Tour de France gesehen. Und da kam doch glatt in der Werbepause ein Spot für Alpecin-Haarshampoo mit dem Slogan „Doping für die Haare“.

Klingt, als müssten sie beim Friseur demnächst auch Blutproben nehmen. Wie ist das wohl so, das Leben mit gedopten Haaren? Darf man da alle paar Meter auf ein Podest steigen, bekommt Blumen und wird von zwei Hostessen links und rechts geküsst?

Sehen gedopte Haare dann aus wie die von Joy Fleming, Tina Turner, Rod Stewart oder Gesine Schwan? Oder so wie die vom Meister Propper, weil sie schneller über alle Berge sind, als man schauen kann? Eventuell kommt es auf dem Kopf gar zu überraschenden Absetzbewegungen einer Ausreißergruppe!

Wenn nicht, heißt es im nächsten Spot dann sicher: „Paris, 20. Etappe, die Frisur sitzt fest im Sattel!“ Auf der Straße habe ich heute jedenfalls lauter Haartrachten gesehen, von denen ich dachte: Die gehören doch aus dem Verkehr gezogen!

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Elf Jünger müsst ihr sein!

In Holland ist ein katholischer Priester suspendiert worden, weil er vorm Finale eine WM-Messe abgehalten hat. Da wurde Fankluft getragen, im Mittelgang mit einem Ball angestoßen, Oléolé gesungen und für den Sieg der Oranje gebetet.

Ist doch kein schlechter Ansatz. Wenn im Kirchenalltag die Predigt mit der Trillerpfeife an- und abgepfiffen würde, wären die Zuhörer sicher wacher. Außerdem könnte der Pfarrer im Beichtstuhl gelbe und rote Karten verteilen. Und wer den ersten Stein wirft, obwohl er eigentlich hinter den Sündern steht, der ist im Abseits.

Der selbe Priester hatte übrigens bereits am Tierschutztag Vögel durch die Kirche fliegen lassen. Aber ist das nicht fast schon Tierquälerei? Am 21. September steht er sicher ohne Text auf der Kanzel, denn das ist der Welt-Alzheimertag. Und am Weltspartag ist dann noch mal eine extra Kollekte.

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Auf die Breite kommt es an

Gunther Sachs war früher Playboy. Weil das aber als Berufsausbildung heute nicht mehr langt, hat er noch erfolgreich einen “Fotografen” und “Astrologieexperten” draufgesattelt. Neuerdings ist er Präsident des eingetragenen Vereins “Für das Grössere Fussballtor”.

Als solcher findet er, dass in der WM-Vorrunde zu wenig Tore gefallen sind und Fußball nur wieder spannend werden kann, wenn die Tore größer werden. 7 Zentimeter nach links und rechts, außerdem 9 in der Höhe. Zu behaupten, auf die Größe käme es an, ist natürlich echt Playboy.

Der Verein meint es ernst und schaltet Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen. Ich schlage vor: Macht die Torwarte kleiner! Torwarte sollten die Jockeys des Ballsports werden. Ich will sehen, wie sie sich in ihren Toren verlaufen! Ich will lachen, wenn sie mit ihren kleinen Fistelstimmen vor sich hin fluchen und nach einem Sieg von der Mannschaft durch die Luft gewirbelt werden. Erst wenn die Torwarte so klein sind, dass man sie auf dem Spielplatz vergisst und ohne sie im Mannschaftsbus abreist, erst wenn sie den Weg vom einen zum anderen Pfosten in Zeiten zurücklegen, die ein Stürmer auf hundert Meter läuft – erst dann wird Fußball wieder spannend sein.

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Ball 2.0

Wegen der akuten Schiri-Geisterfahrten dieser WM denkt die Fifa jetzt über die Einführung technischer Hilfsmittel nach, was die Torlinie und deren Überschreiten angeht. Zum Beispiel den Chip im Ball. Toll. Dann ist bald das erste Tor ungültig, weil der Ball einen Virus hatte.

Oder das Spiel muss abgebrochen werden, weil der Ball abgestürzt ist. Ganz schlimm auch die Vorstellung, Hacker könnten sich Zugang zum Chip verschaffen. Dann sagt der Schiedsrichter: „Vom Sehen her hätt ich auch gedacht, der wär auf der Tribühne gelandet, aber er war wohl eindeutig drin.“

Und dann kommen die Datenschützer und warnen, dass der Ball speichern könnte, von wem er wann und wie getreten worden ist. Wie wäre es denn einfach mit zwei Torlinienrichtern? Die kosten nicht viel, brauchen keinen Strom und produzieren keine Fehlermeldungen wie „Ihr Ball konnte nicht gelesen werden, bitte kicken sie ihn noch mal ins Tor!“

Warum einfach, wenn es kompliziert geht? Man kann auch Omas einfach über die Straße helfen, oder ihnen Chips einbauen, die dann per Verkehrsleitsystem die Autos um sie herum routen…

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Nach dem Spiel

Dass die deutsche Nationalelf sich durch “undeutsche Tugenden wie Spielwitz und Kreativität” auszeichnet, hab ich heute irgendwo gelesen. Das klang gut und ungefähr so erfrischend wie alkoholfreies Bier. Nach dem Spiel muss ich sagen: stimmt! Zischt, perlt und man kann danach sogar noch Auto fahren.

So wie es die diversen ländlichen Klein-Korsos tun, die jetzt wie fröhlich beschwipste Bienenschwärme luftig am Horizont umherhupen. Selbst Günther Netzer hat Spaß an der Backe. Und den Delling, aber das macht heute nix. Für einen sommerlichen Moment fühlt sich Schwarz-rot-gelb gut an, wie die Mischung aus dem schwarzen Boateng, dem türkischroten Özil und dem goldigen Rest.

Wir sind eine junge Mannschaft. Das wär auch mal ein tolles Konzept fürs ganze Land. Her mit dem Spielwitz und der Kreativität! Dafür würde ich auch in Kauf nehmen, dass Delling und Netzer live aus dem Bundestag kommentieren.

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Das Schönste an der WM ist ja, dass man zurzeit mit dem ganzen Schwarzrotgelb prima Nazis ärgern kann. Weil die deutsche Elf eine Elf mit Migrationshintergrund ist, von Podolski über Cacau bis Özil. Da reagiert der Nazi empfindlich, wenn die Falschen zur Hymne stramm stehen, von Deutschland angefeuert werden und dann auch noch Tore schießen, nichtarische.

Der Pressesprecher der NPD sagt: “Uns stößt übel auf, dass damit der Ursprungsgedanke des Wettkampfs zwischen Völkern vernichtet wird!” Ich glaub, da verwechselt er Weltmeisterschaft mit Weltkrieg. Aber schön für ihn, dass er auch noch den Begriff “Vernichtung” in seinem Satz untergebracht hat.

Das wär ein Fest, wenn die Nationalmannschaft nur Müller, Meier, Schmitz hieße, Trikots von Thor Steinar und Springerstiefel mit Stollen tragen würde. Dann wären die Engländer aber mal richtig motiviert und wir hätten gar keine Chance mehr am kommenden Sonntag.

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