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Archive for the ‘Schwarzgelb’ Category

Es ist eine bittere Diagnose, wenn auch keine überraschende. Die diesjährigen Ergebnisse der Langzeitstudie “Deutsche Zustände” sind klar: “soziale Vereisung und rohe Bürgerlichkeit” greifen um sich. Vor allem letzteres ist ein interessanter Begriff. Die bürgerlichen Schichten der Gesellschaft streifen das Deckmäntelchen des Bildungsbürgertums ab und zeigen darunter den nackten Hass auf Fremde, Schwache und wirtschaftlich Nutzlose.

Da mutiert der Bürger zum Monster, geschaffen vom neoliberalen Dr. Frankenstein, zum Leben erweckt in dem Moment, als der Blitz der Finanzkrise eingeschlagen hat. Und die soziale Vereisung scheint ebenfalls so unaufhaltsam wie gewollt. Ein gangbarer Weg, wenn man nur genug Streusalz auf die Wunden gibt. Eine Regierung, die behinderten Hartz-IV-Empfängern, die bei ihren Eltern leben, die Bezüge um ganze 20% kürzt, ist genau das: roh und vereist. Blutiges Fleisch on the rocks. Das Menschenfresserbuffet ist eröffnet.

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Angie ist die Teflon-Merkel, Oettinger eine entsorgte lahme Ente, Niebel eine schräge Wahl, Seehofer unberechenbar und Westerwelle kein Genscher. Schön, zu lesen, dass die US-Botschafter ein doch ziemlich zutreffendes Weltbild haben. Ansonsten sind diese Erkenntnisse nicht sonderlich brisant, da hätte Washington auch einfach Urban Priol fragen können.

Spannend sind zwei Details, von denen eines zur Zeit in der Berichterstattung deutscher Medien gerne unter den Tisch fallen gelassen wird. Klar ist es interessant, dass irgendein FDP-Maulwurf hochengagiert der amerikanischen Botschaft aus den Koalitionsverhandlungen berichtet hat. Das ist ja fast eine klitzekleine Spionageaffäre.

Viel doller ist doch aber die Tatsache, dass der jetzt US-behördlich ausgewiesene Amerikafreund Guttenberg dem großen Bruder erzählt, die Kanzlerin könne sich wirtschaftspolitisch schlecht durchsetzen und der Vizekanzler habe eigentlich keine Truppen aufstocken wollen. Gutti ist neTransatlantikpetze und Strebersau. Wahrscheinlich wird unser künftiger Kanzler heute schon im Pentagon als IM “Pomade” geführt. Das ist der wirkliche Skandal, der an seinen Beliebtheitswerten so gefährlich knabbern könnte wie einst George Bush an seinen Salzbrezeln.

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Mutti macht Mut

“Alles unter 90% wäre ein Problem”, hieß es vorher zur Wiederwahl Angela Merkels als Parteivorsitzende. Dann hat sie heute für ihre Verhältnisse relativ energisch eine Rede gehalten, so ganz nach dem Motto “Wir Christen, die Einheit und die bösen Grünen” und prompt gab es 10 Minuten Applaus und ein triumphales Ergebnis: 90,4%. Wenn da nur einer Pinkeln gewesen wäre, hätte das ganz anders ausgesehen.

Auch rhetorisch hat sie wieder alles gegeben, was sie hat. Also nicht allzu viel. “Dagegen zu sein ist das Gegenteil von bürgerlicher Politik”, hat sie gesagt und sich damit in ihre übliche Nebelwolke des logischen Nirwanas zurückgezogen. Weil sie gegen das Dagegensein ist. Eigentlich hätte sie in dem Moment implodieren müssen. Und ihre Parteigenossen und Wähler hat sie damit gleich noch als Ja-Sager abstempelt. Wenn einem so viel Gutes widerfährt, das ist schon 0,5 Prozent wert…

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Ich hab den Schäuble ja nie gemocht. Mir war er immer zu kalt und gnadenlos gegen sich und andere. Ein Hardliner im zwischenmenschlichen Umgang. Immer ein bisschen unheimlich, immer zu wenig Interesse daran, Wähler zu begeistern. Too much robocop. Und nicht nur beim öffentlichen Abkanzeln von Untergebenen wenig stilsicher.

Aber wie jetzt die Union mit ihm umgeht, das ist schon höchst merkwürdig. Von einem “Minister auf Abruf” ist raunend die Rede, ein ungenannt bleibender Minister soll gar gesagt haben: “Keiner gibt ihm länger als bis Weihnachten”. Die FDP hatte sich von ihm eine gelbere Steuerpolitik erhofft. Und jetzt rächt sie sich wohl mit Munkeleien.

Ursula von der Leyen setzt an zur Ehrenrettung und greift dabei so tief in die Pathoskiste, dass es fast schon wie ein Nachruf klingt: “Er ist ein unersetzlicher Anker für Verlässlichkeit und gutes Regierungshandeln. Er versteht sein Handwerk weiß Gott. Er ist ein begnadeter Europäer und ein wichtiger Mentor, der jungen Kabinettskollegen mit klugem Rat weiterhilft”. Wenn die Ursel dich so lobt, dann weißt du: Spätestens an Neujahr bist du raus.

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Heute werden sie es beschließen, das neue, unsolidarische Gesundheitssystem. Welches darin gipfelt, dass sich auch die gesetzlich versicherten Patienten künftig „freiwillig“ auf eigene Rechnung behandeln lassen, also in Vorkasse gehen können.

Hatten die „Gesetzlichen“ bisher schon das Dreifache an Wartezeiten im Vergleich zu den Privatpatienten (in der Kneipe hieße das: Das Pils dauert 21 Minuten!), dürfen die „Gesetzlichen“ ohne Geld demnächst warten, bis sie schwarzgelb werden.

Das ist das Ende der Zweiklassenmedizin. Und die Einführung des Kastensystems: die Privaten, die Gesetzlichen und die Unberührbaren. Vielleicht können diese bald ihren Status durch Frondienste verbessern, indem sie Medizinstudenten in der Sänfte zur Uni tragen, oder sich als Leibeigene der Forschung zur Verfügung stellen.

Diese Politik strahlt genau so giftig in die Gesellschaft wie ein Castor-Transport. Passt alles zusammen. Aber wer wählt so was?

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Die neuste Castingshow heißt DSDZ – Deutschland sucht das Zwischenlager. Das ist ein Ort, an den man Atommüll stellt, für den es kein Endlager gibt. Also quasi der Teppich, unter den man den Müll kehrt, den man nicht rausbringen will.

Und dieser Teppich liegt vielleicht bald vor meiner Haustür und hört auf den Namen Biblis. Die hessische Umweltministerin sagt, hier sei keine Lagerung möglich. Der hessische Möchtegernplayboy Ministerpräsident hingegen findet, Hessen könne nicht „bei uns nicht!“ sagen. Das passt ungefähr so harmonisch zusammen wie Cindy und Bert auf Ecstasy.

Ich bin dafür. Aber nur, wenn Bouffier dann bitte auch nach Biblis zieht und dort seinen per elektronischer Fußfessel nachweisbaren Lebensmittelpunkt hat. Immer her mit den Fässern und Castoren, dann schreib ich in meine Biografie, ich sei Deutschlands verstrahltester Kabarettist und hab endlich ein todsicheres Alleinstellungsmerkmal.

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Lieber Christian!

Du kannst das, Du schaffst das, Du bist guuuut! Go, go, go! Du bist der Wulff im Schafspelz, Du bist der Rocknroller im Bellevue! Wer, wenn nicht Du? Gut, da gäb es viele. Aber jetzt bist Du halt dran.

Was haben wir über Dich gelacht, den rundgelutschten Schwiegermüttertraum, der Kinderlachen mit in seinen Amtssitz bringen wollte. Und dann hast Du einfach gesagt, dass der Islam zu Deutschland dazugehört. Strike! Yesss! Das war echt schon mal ein ganz kleiner Anfang von Profil und Kante. Zumindest eine größere Microkante. Jedenfalls eine gute Handvoll Nanokanten.

Und jetzt bleib da dran! Sei wild! Komm auf die gute Seite der Macht und mach uns den Skywalker-Präsi! Jetzt das Gesetz zu Laufzeitverlängerung einfach so abzuzeichnen, wär ein zu großer Rückschritt für Dein Image. Mach das nicht kaputt! Lass die Schwarte krachen! Zeig der Merkel, wo der Hammer hängt! Wo eh alle denkenden Juristen überzeugt sind, dass diese Entscheidung am Bundesrat vorbei nicht geht.

Hol deine Lederjacke raus, fahr mit dem Moped rüber ins Kanzleramt und wirf ihr die Gesetzesbrocken vor die Füße. Ganz präsidial natürlich. Also nimm die gute Lederjacke oder lass Dich beim Styling von Joschka Fischer beraten. Wir glauben an dich! Du kannst das, Du schaffst das, Du bist guuu… naja jedenfalls: Du weißt, was zu tun ist!

Hau rein!

Dein Herr Honigbrot

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“Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern, und hüte mich, mit ihm zu brechen”, sagt Mephisto über den lieben Gott. Und ich aber manchmal über Gerhard Schröder.

Ist schon ein skurriles Schauspiel, zu sehen, wie er so aus seiner Gazprom-Versenkung rausgespringteufelt kommt, um in einer unerwarteten Verlängerung der legendären Elefantenrunde die Merkel anzupflaumen. Jetzt hat er ihren Aufschwung für sich reklamiert. Von wegen “meine Agenda” und so.

Fast hätte er sich bei ihr noch ´ne Flasche Bier bestellt. Gemein, das. Grad, wo sie umfragetechnisch am Asphalt kratzt, kommt der alte Zirkusgerd und macht noch mal auf dicke Sozeneier. Und plötzlich ist wieder ein Hauch Testosteron und Rock´n Roll in der Politik – nach dem ganzen Pragmatiker-Koma und Gel-Adel-Hype.

Vielleicht kann er sich noch hochpöbeln bis zu einer Art Keith Richards der Berliner Republik. Oder er legt ein bisschen Make-Up auf und torkelt ab und zu aus Richtung Russland so Jack-Sparrow-mäßig in die Debatte. Aye!

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Frage dich nicht, was der Staat für dich tun kann, sondern, was du für ihn rauchen kannst. Eigentlich sollte der Ökosteuer-Rabatt für stark energiefressende Unternehmen deutlich gekürzt werden. Das wird er jetzt nicht. Das fehlende Geld holt der Staat sich von den Rauchern, denen man dafür die Tabaksteuer erhöht.

Das heißt: Raucher rauchen für die Ökosteuer, die ihrerseits dazu dient, die Sozialversicherungs-Beiträge gering zu halten, wahrscheinlich damit die Raucher sich vom „mehr Netto vom Brutto“ auch genug Kippen leisten können. Raucher sind eigentlich die Schlüsselfiguren unserer Volkswirtschaft.

Erst hat man sie süchtig gemacht, dann auf die Straße verbannt und jetzt laufen sie im Hamsterrad aus Steuern und Nikotin, um hier das Perpetuum mobile in Gang zu halten. Die Hersteller von Nikotinpflastern sind der Staatsfeind Nummer eins. Und wir leben im Marlborough Country. Hier sollten überall Denkmäler stehen für „den unbekannten Raucher“, der sein Leben gegeben hat im Kampf für den Boom.

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Roland Koch hat ein Buch geschrieben, es trägt den Titel “Konservativ”. Was ungefähr so überraschend ist, wie wenn Lady Gaga eines geschrieben hätte, das “Plemplem” hieße.

Dennoch enthält es Sätze, die man nicht automatisch von ihm erwarten würde, etwa diesen: “Die Konservativen leben noch. Sie wissen nur nicht mehr so genau, warum.” Klingt ein bisschen wie Zombies mit umgekehrtem Vorzeichen. Der Konservatismus neigt also aktuell zu latenter Sinnlosigkeit und erschöpft sich im unmotivierten Bewahren von irgendwas. Klingt wie Briefmarkensammeln ohne eine Frau zu kennen, der man die Sammlung zeigen wollte. Das ist ernst.

Die Konservativen müssen “eindeutiger und verständlicher, aber auch einfühlsamer und zukunftsgewandter” werden, so Koch. Wir alle würden ihm gerne dabei zuschauen.

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