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Archive for the ‘RAF’ Category

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Wie sieht eigentlich ein Bekennerschreiben aus? 30-Jahre-RAF-Briefmarke und links oben als Absender „Ein Freund“? Haben die Buchstaben der Adresse einen auffälligen Linksdrall und müffelt der Brief nach dieser Mischung aus Kiffe und fair gehandeltem Kaffee? Der Hamburger Staatsschutz saß ja jetzt ein paar Tage im Briefzentrum Altona und hat 10.000 Briefe gesichtet, befummelt und dann nach eigenen Aussagen einen (in Zahlen: 1!) davon geöffnet. Das nenn ich effektiv! Und diese Selbstbeherrschung!!!

Die Aktion stand in „Zusammenhang mit Bekennerschreiben“, heißt es. Klar, die werden ja üblicherweise an Zeitungen geschickt und tauchen deshalb nie mehr in der Öffentlichkeit auf… Und wenn doch, müsste der Staatsschutz an den Kiosk gehen, das ist zu gefährlich, da stehen diese ganzen Penner und schimpfen auf den Staat. Angeblich waren sie sogar beim Leeren der Briefkästen mit dabei, wahrscheinlich um rauszufinden, wo der anonyme Absender seine Post einwirft. Kann sein, dass der Staatsschutz deswegen sogar in den Briefkästen saß, Passanten wollen im Dunkel hinter dem Einwurfschlitz neugierige Augenpaare gesehen haben. Die krampfhaft auf die Briefmarke geschielt haben. Laut Erkenntnissen des Staatsschutzes ist es ja so, das Autoanzünder ihre Bekennerschreiben vorzugsweise höchstpersönlich direkt in den Briefkasten bei sich ums Eck werfen. Das ist der berühmte Widerstand der kleinen Wege.

Verhaftungen gab es bisher keine. Der eine geöffnete Brief kann also nicht sehr brisant gewesen sein. Wahrscheinlich mal wieder eine Rechnung, so geht es mir meistens. Dementsprechend war die Aktion „notwendig“ aber überflüssig? Es sei denn, man hätte Bekennerschreiben gefunden, von denen man wollte, dass sie dringend verschwinden und eben nie veröffentlicht werden. Ich mach mir Sorgen um Heiner Geißler!

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Horst Köhler ist bisher weder als Rock´n Roller noch als linksradikaler Anarchist aufgefallen. Er ist der Bundespräsident mit der Aura eines Sparkassenfilialleiters, der seine Reden vom Teleprompter abliest, als sei er eine Kreuzung aus Vorleseroboter und Wackeldackel. Immer eher arbeitgebernah als volksnah, eher schwäbisch als charismatisch. Nachdem Angela Merkel ihn als Kandidaten durchgedrückt hatte, war er angetreten mit dem schönen Satz „Offen will ich sein und notfalls unbequem“. Und genau das ist er jetzt als Zuständiger für das Gnadengesuch von Christian Klar.

Den Stoibers, Söders und Westerwelles geht die Muffe. Sie haben verkündet, für Hort Köhler gäbe es keine Gnade, wenn er den Exterroristen begnadigt. Von wegen Wiederwahl und so. Die ersten drohen jetzt bereits mit Schäuble als seinem Nachfolger. Das ist fast schon eine Art von Gegenterror. Diese Angstbeißerei wirkt, als könnte Köhler in seiner versprochen Offenheit tatsächlich relevante Gründe für einen Gnadenakt finden.

Wer allein die mögliche Entscheidung des bundesdeutschen Staatsoberhaupts schon im Vorhinein anzweifelt, mit moralinem Schaum vom Mund – denkt der nicht wie ein halber Staatsfeind? Vor der Verfassung haben die Stoibers und Söders und Westerwelle anscheinend wenig Respekt. Wer weiß: Wenn Klar begnadigt würde, vielleicht gingen die drei dann direkt in den Untergrund. Ich würde ihnen dabei keine Waffe in die Hand drücken wollen.

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Hinweis: Der kleine Wettbewerb “Ein Buch für Angela” läuft noch 5 Tage

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Wunder geschehen!

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Es braucht so wenig, um den Vorsitzenden der Bremer CDU Bürgerschaftsfraktion in tiefer christlicher Anteilnahme Migrantenkinder hochintegrativ als die „seinen“ empfinden zu lassen! Man braucht nur eine gut abgehangene RAF, einen Schuss Bildzeitung sowie einen handelsüblichen Wahlkampf. Und das geht so: Man lässt eine Terroristin mit neuer Identität in der DDR untertauchen, kauft die DDR auf und verurteilt die Terroristin 20 Jahre nach der Tat wegen Beihilfe zum Mord. Lässt sie 4 Jahre ruhen und dann auf Bewährung frei, denn sie hat bereut und abgeschworen und neu angefangen und alles… Kurz: Sie ist resozialisiert. Dann lässt man sie, die gelernte Pädagogin, in einer Grundschule Migrantenkindern Deutsch beibringen, 10 Jahre lang völlig unauffällig und ungestört. Keine Explosionen, kein Terror, keine systemkritisch aufgehetzten Steppkes. Dann setzt man Landtags- und Kommunalwahlen an. Und ruft die Bildzeitung an.

Und schon mit diesem verhältnismäßig geringen Aufwand hört man plötzlich aus dem Munde des Politikers Hartmut Perschau den Satz: „Es ist völlig untragbar, dass unsere Kinder von einer verurteilten RAF-Terroristin unterrichtet werden“. Er hat tatsächlich „unsere“ gesagt! Integration gelungen! Es kann so einfach sein! Außerdem ist er dagegen, dass die Frau „ausgerechnet durch die Arbeit mit Kindern resozialisiert werden soll.“ Soll sie ja nicht. Ist sie ja schon gewesen. Egal. Wahlkampf, Hysterie, Deutschland.

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Hinweis: Der kleine Wettbewerb “Ein Buch für Angela” läuft noch 9 Tage!

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Erhöhte RTL-Gefahr

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In den USA gab es nach 9/11 im laufenden Fernsehprogramm immer Einblendungen wie „Terrorgefahr: hoch“. Der Erkenntnisgewinn war gering, der politische Gewinn für Bush groß. Bei uns ist es mittlerweile fast genau so. Es gibt einen Fernsehsender, der permanent den Schriftzug „RTL“ einblendet. Das könnte die Abkürzung sein für „Reißerische Terror-Lust“. Hatte der Sender doch die Tage berichtet, er wisse aus zuverlässigen Quellen, Attentäter seien grade auf dem Weg nach Deutschland – Leute, holt die Kinder rein, der Terror kommt in die Stadt!

Da hatte man bei RTL wohl das Interview mit einem Innenministeriums-Sprecher etwas in den falschen Hals (oder besser Sensations-Gierschlund) bekommen. Der hatte nur gesagt, dass man seit dem 20. April verstärkt mit Anschlägen auf US-Einrichtungen in Deutschland rechne und dabei auch von dem möglichen Szenario ausgehe, dass die Täter zu diesem Zweck einreisen. Verstärkt rechnen, mögliches Szenario – das langt RTL für ne ordentliche Terrorsause!

Terroristen sind Leute, die Angst und Schrecken verbreiten, also: Vielleicht hatte Stefan Raab ja doch tiefergehend recht, als er für seine „Rettet Max Buskohl“-Kampagne das RAF-Logo geringfügig modifizieren ließ. Der Mann kann ja auch mal Recht haben, ohne es zu merken. Ist auch besser so.

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Bleischwere Synthesizer-Klänge, düstere Bilder einer Straße, eines Autos, eines Motorrads – war das John Carpenters „Nebel des Grauens“, gestern um 21:45 in der ARD? Nein, es war Vergangenheitsbewältigung nach den Gesetzen des Fernsehens. Mit dem ausgesprochen subtil dahingetupften Titel: „Das Opfer und der Terrorist“. Buback vs. Boock, man möchte sich gar nicht ausmalen, wie RTL so was angekündigt hätte („und jeeetzt, in der linken Ecke…“).

Dass der Sohn eines RAF-Opfers mit einem Ex-Terroristen das Gespräch sucht, weil ihn die Unkenntnis der genauen Tatumstände noch heute nicht zur Ruhe kommen lässt, ist natürlich spektakulär, wichtig, interessant und von historischer Bedeutung. Aber es ist nix für eine halbe Stunde TV. Der erste Knackpunkt war doch der: Das Gespräch hatte schon längst in Form mehrerer Telefonate stattgefunden. Warum sie jetzt noch mal vor Kameras setzen? Nur um zu zeigen: Diese beiden älteren Herren mit den feuchten Augen sind a) Menschen und haben b) miteinander geredet? Moderator Volker Herres war auf der Suche nach den großen Gefühlen. Man hätte sich nicht gewundert, wenn er zwischendurch aufgestanden wäre und persönlich in die Synthesizer-Tasten gegriffen hätte, wie einst Vincent Price auf der Horror-Kirchenorgel.

Als Boock auf Befragen die damaligen Abläufe schildert und dabei die Begriffe verwendet, die nun mal das Denken und Handeln der RAF mitbestimmt haben („Kommando“, „Plan“, „Aktion gelaufen“), fragt Herres, wie es Buback angesichts dieser technischen Sprache gehe. Als wäre ihm mit Kuscheltalk geholfen, als hätte man lieber von dieser „Du-weißt-schon-was-Sache“ sprechen sollen. So haben die damals eben geredet und gedacht. Das erklärt vieles, das darf nicht ausgeblendet werden, das weiß ein Buback seit 30 Jahren. Volker Herres ist es gelungen, das Gespräch übers Gespräch auf das Niveau eines Sportlerinterviews am Spielfeldrand zu ziehen, indem er den Ex-Terroristen doch tatsächlich gefragt hat, wie er sich denn jetzt emotional fühle. Also doch: Nebel des Grauens.

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Der Deutschland-Krimi geht in eine neue Phase. Eine illustre Runde aus RAF-Märchenonkeln, Informanten, Opfer-Kindern und Verfassungsschützen diskutiert darüber, wer denn nun am Gründonnerstag 1977 Schützenkönig war. Und man langt sich an den Kopf, warum da soviel unaufgeklärt ist. Weil das ein Markenzeichen deutscher Geschichte ist, das Irrationale, die Hysterie? Weil sich da ein Staat und ein Widerstand gefunden hatten, um blutige Hass-Festspiele zu veranstalten, die bis heute keiner entwirren kann?

Kaum ist die Filbinger-Diskussion durch, gleitet die deutsche Nabelschau nahtlos ins nächste unbewältigte und unverstandene Kapitel. Deutschland wird einfach nicht mit sich fertig. Und während wir noch mit rückwärtsgewandter Wundversorgung beschäftigt sind, erreichen uns Zahlen, die eigentlich viel mehr weh tun müssten. Weil sie zeigen, wer die Unschuldigen sind, die es heute erwischt: 1,9 Millionen Kinder leben jetzt von Hartz-IV. Und grade in den wirtschaftlich stärksten Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg hat die Kinderarmut den größten Zuwachs. So macht ein Staat sich neue Feinde.

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Verbotene Liebe

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So hätte er das machen müssen, der Ex-RAF-Terrorist Christian Klar: Zum Kerner gehen, weinen. Erzählen, dass ihn die Gesichter der Opfer bis in den Schlaf verfolgen. Und dann später: Ein freiwilliges soziales Jahr an der Frankfurter Börse machen. Kapitalismusfreundliche Kinderbücher schreiben („Pipi Hedgefonds“ oder „Ronja Räubertochter Arbeitgeberkind“). Zum Beckmann gehen und nochmal weinen. Oscar Lafontaine zurück in die SPD quatschen. Einen Werbespot für die neue Coke-Zero drehen. Paybackpunkte sammeln. Einen Anlageberater adoptieren, einmal in der Woche eine BWL-er-WG putzen und auf bundesdeutschen Bahnhöfen Kofferbomben entschärfen. Weinen und einfach wie eine geistesgestörte rückgratlose Polit-Amöbe seine Restexistenz der Unterhaltungsindustrie zur Verfügung stellen. Und nie mehr irgendwas wollen, nicht mal bei Tisch die Butter.

Aber dass er jetzt Sprüche von sich gibt wie ein radikal Linker, den man 25 Jahre eingesperrt hat, damit war ja echt nicht zu rechnen. Er hofft, dass die Zeit gekommen ist „die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden“. Super Überraschung. Dabei dürfte er von mir aus sogar für die Überwindung der Schwerkraft kämpfen, solange es dabei keine Toten gibt. Einer muss es ja machen.

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