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Archiv für die Kategorie ‘Politiker’

Verkehrsminister Ramsauer kämpft in seinem Amt gegen Anglizismen. Wahrscheinlich, weil er mal irgendwo gehört hat, dass Deutsch eine Verkehrssprache sei. Jedenfalls hat er in seinem Amt jetzt eine Vorfahrtregelung für, nennen wir es mal, Deutschismen installiert. Und mögen die noch so krampfig sein.

Klar: “Kick-off-Meeting” statt “Auftaktveranstaltung” ist pseudopolyglottes Blödgeschwurbel. Aber “Klaprechner” statt “Laptop”? das grenzt an Deutschtümelei. Es klingt doch nicht alles automatisch besser, nur weil es sich nahtlos in eine historische Reichsparteitagsrede einfügen würde.

Die Neonazis sind doch immer chronisch im “Weltnetz” unterwegs, von denen sollte man sich als Bildungsbürger schon noch absetzen wollen. Und wenn es englisch ist. Im Verkehrsministerium heißt es jetzt statt “Flipchart” tatsächlich “Tafelschreibblock”. Das ist in erster Linie länger, hässlicher und haarsträubender. Und macht mir noch mehr Angst als eine Flipchart an sich.

Man möchte dem Ramsauer zurufen: “Sire, geben sie Fremdsprachenfreiheit!” Nicht dass am Ende noch sowas dabei rauskommt wie “Mobilfunksprechgerät” statt “handy” oder “Erschütterungszustand” statt “Schock”. Eines beruhigt mich: Auf der Internetseite des Ministers gibt es immer noch “Interviews”, keine “Fragenbeantwortungsgespräche”.

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Papaparlamentarismus

Freunde, Gurus, Religionsgründer! An dieser Stelle seid noch einmal an den einfachen und wichtigen Kniff erinnert, mit Eurem Glauben auch gleich einen eigenen Staat ins Leben zu rufen. Und sei er noch so klein und undemokratisch. Auf diese Weise könnt Ihr nämlich im Bundestag sprechen.

So wie der Kollege Benedikt, der Ende nächsten Jahres mit dem Papamobil direkt am Parlament anflanscht, um höchst feierlich und leitkultürlich der Union Segen zu spenden. Und den Grünen Pickel zu bescheren. Schöner lässt sich die heilige Durchdringung von Staat und Religion nicht feiern, als mit diesem kleinen technischen Vorsprung gegenüber dem Islam, den Buddhisten und Atheisten. Die leider wegen des historischen Formfehlers der Nichtstaatlichkeit draußen bleiben müssen. In den Fußgängerzonen und Industriegebieten.

Nein, das ist keine Wettbewerbsverzerrung, das ist Tradition und spirituelle Folklore. Immerhin spricht auf die Weise mal jemand im Bundestag, der uns nicht auf Wahlplakaten belästigt und uns mit sogenannten Reformen verschont.

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Es geht voran beim Rückzug

Neun Jahre Afghanistaneinsatz und nichts ist gut. Sondern höchstens Gutti. „Es gibt Licht, aber auch immer noch viel zu viel Schatten“, hat Westerwelle im Bundestag gesagt. Klingt wie ein Glühwürmchen im Tunnel. Und der Bericht der Bundesregierung, in dem steht, dass es da kaum vorangeht, der heißt natürlich „Fortschrittsbericht“. Das ist die Sorte Fortschritt, bei der man überlegt, wie man heil wieder rauskommt. Aber Fortschrittsbericht klingt ja schon fast nach „Aufschwung Afghanistan“.

Westerwelle findet übrigens die „Schmähkritik an Frau Guttenberg unanständig“. Halten wir kurz fest: Erst hat sie auf RTLII peinlich-pathetisch-reißerisch Kinderschänder gesucht, dann geriet ihre Stiftung in die Kritik wegen intransparenter Geschäftsführung und dann saß sie bei „Wer wird Millionär“ und hätte fast jede Menge Charity-Geld verzockt, wenn Jauch ihr nicht vor laufender Kamera fast schon aggressiv erklärt hätte, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt in Kundus den Rauschgoldengel zu spielen, war weniger eine PR-Maßnahme für die Soldaten, als vielmehr in eigener Sache.

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Eine andere Liga

Das Schönste an Italien ist Berlusconi. Diese Mischung aus Mafiapate, Mediendiktator und geliftetem Drecksack zeigt uns Deutschen immer wieder, wie weit unser politisches Personal doch von der internationalen Spitzenklasse der Regierungsschmierlappen entfernt ist.

Gegen den Paten Silvio ist Angela eine einfache Hütchenspielern. Und da ist auch nicht mehr viel Raum nach oben: Puffparties und größere Bestechungsorgien kriegt sie nicht hin, da steckt einfach zuviel protestantische Physikerin in ihr. Und auch Guido kommt bei der Vetterleswirtschaft kaum über Hoteliers und Lebensgefährten hinaus, vom kriminellen Potential her bleibt er eine Klemmschwester.

Guttenberg? Ist ja quasi naturgeliftet und schauspielerisch hinreichend begabt. Hat aber zuwenig Mördergrube im Herzen und zuviel blaues Blut im Bewusstsein. Nein, unser Schurkenstaat bleibt eine kleine Nummer. Was für ein vorweihnachtlich-hoffnungsvoller Gedanke.

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Kundus en Vogue

In Kundus wird die Lage immer schlimmer. Der jüngste Anschlag auf unsere Soldaten dort war eindeutig ein PR-Anschlag. Ken und Barbie von und zu oder aber auch Guttenberg haben gezeigt, wie man ein vermeintlich aufrichtiges Anliegen durch das etwas zu gekonnte Auftragen von guter Garderobe und ein sich verselbstständigt habendes Lächeln völlig untergräbt.

Das Thema Krieg sah auf einmal aus wie eine Mischung aus Foto-Love-Story und Otto-Katalog. Und als wär es nicht schon schlimm genug, hatten sie auch noch Johann Bappsack Kerner im Gepäck, die Kuscheldrohne der deutschen Talklandschaft. Das verteidigungspolitische Statement von Hanni und Nanni Guttenberg war eindeutig:

Es geht in dieser Situation vor allem um die konsequente Umsetzung des Partnerlooks aus grauem Rollkragenpullover, sandfarbener Hose und nachtblauem Parka. Sie zeigt eine rot karierte Bluse im aktuellen Boyfriend-Look, deren Muster er gekonnt im Schal aufnimmt. Sportlich aber doch leger kombiniert sie die Schutzweste ganz ladylike zu den Boots aus australischem Schaffell, die reizvoll den dezenten Pelzbesatz des Parkas konterkarieren.

Er trägt mit weltläufiger Nonchalance einen Kampfhelm in der Hand, während sie mit einem geräumigen Leder-Shopper zivil dagegen hält. Bei alledem umweht sie eine Aura zeitgemäßer Bodenständigkeit, nach dem Motto: Haargel von Schwarzkopf, Brille von Fielmann. Ein perfektes Outfit, auf Englisch würde man sagen: dressed to kill!

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Die Qual der Zahl

Sofort ausweisen, den Horst Seehofer! Schickt ihn da hin, wo es egal ist, ob Politiker auch nur im Entferntesten Ahnung haben. Der Mann kann keine Zahlen. Hantiert hauptberuflich mit Milliarden und Millionen von Steuergeldern, aber hat keinen blassen Schimmer davon.

Bei einer TV-Spendengala hat er sich mit der Moderatorin gemeinsam so unterirdisch entblödet, dass es der reinste Bildungs-Limbo war, nur ohne Musik. Die Spendensumme „3.014.237“ konnte er nur vorlesen als „Drei-Punkt-Nulleinsvier-Punkt-Zweidreisieben“. Dann hat er noch etwas rumgestammelt und am Schluss irgendwas von „Dreimillionen Hundertvierzigtausend“ gemurmelt. Da redet echt der Blinde von der Farbe.

Nein, das ist nicht menschlich. Das ist bezeichnend. Der Mann rechnet so, wie Oettinger Englisch spricht. Jetzt ist auch wieder klar, warum Politiker kein Ausbildungsberuf ist, die Betriebe würden einfach keine geeigneten Lehrlinge finden. Viel Spaß beim Fremdschämen:

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Computerspiele können Kunst sein. Und Kunst kann den Betrachter gezielt vor moralische Herausforderungen stellen, ihn auch in ethische Fallen tappen lassen. Wenn Kunst nur der Unterhaltung und Entspannung diente, hieße sie nicht Kunst, sondern Feierabendbier.

Wenn jetzt ein Student der Karlsruher Hochschule für Gestaltung ein Spiel veröffentlicht, das im Todesstreifen der innerdeutschen Grenze des Jahres 1976 spielt, über Monate hinweg von seinem Professor begleitet wurde und keinen kommerziellen Zweck verfolgt – dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Auch wenn es weh tut. Daraus kann man lernen, das ist die alte Sache mit der Herdplatte.

Die Spieler des Games können auf Flüchtlinge schießen, aber damit nicht gewinnen. Sie können sich auch mit den Flüchtlingen verbünden, sie können vom Grenzer zum Flüchtling werden. Oder als Angeklagter beim Mauerschützenprozess enden. Ein Spaß ist das nicht, die Ballerspielcharts wird es so nicht anführen können. Das Spiel ist im aufklärerischsten Sinne pervers und so schizophren wie die deutsche Geschichte.

Der empörte Aufschrei von Politikern und Boulevardpresse ist so nachvollziehbar wie dumm. Jedes Kreuzigungsgemälde der letzten 2000 Jahre war genau so provokativ, unnötig und aber doch erkenntnisfördnernd. Das Spiel heißt übrigens “1378 km”. Ich würde es gerne kaufen. Und ungern spielen.

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Miese Expertise

Helmut Schmidt ist ein angesehener Mann, ein Intellektueller und Politprofi. Sein Wort sollte auch Christdemokraten nicht egal sein. Dem Handelsblatt hat er jetzt gesagt, dass die Kanzlerin in Sachen Wirtschaftskrise nicht sehr geschickt agiere, der deutschen Polit-Elite die Einsicht fehle, was permanente Leistungsbilanzüberschüsse für Deutschland bedeuten (“man verkauft Waren und erhält dafür nur Papiergeld, das später abgewertet wird”) – und dass es Europa an Führungspersönlichkeiten mangelt, die einen Überblick haben. Mit Ausnahme des Luxemburgers Jean-Claude Juncker.

Und was sagt eben der dieser Tage? Dass Deutschland ein bisschen simpel denke und Merkel seine Ideen ablehne, ohne sich richtig damit beschäftigt zu haben: “Sie hat eine sehr uneuropäische Art, europäische Geschäfte zu erledigen.” Ist doch immer schön, wenn man eine Zweitmeinung einholen kann. Merkel setzen, Sechs. Nicht auszudenken, wenn es einen Pisa-Test für Regierungschefs gäbe.

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Rainer Brüderle erweckt ja nicht nur in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsminister konsequent den Eindruck launiger Minderkompetenz. Jetzt hat er seine unverminderten Sicherheitsabstand zu jedweder Form von Altersweisheit auch beim Thema WikiLeaks dokumentiert. Die dort zu Tage tretende Sammelwut habe ihn an die Stasi erinnert, sagt er. Irgendjemand hätte ihn mal drauf hinweisen sollen, dass diese Informationen von den amerikanischen Botschaftern gesammelt worden sind.

Außerdem findet Brüderle, WikiLeaks habe gezeigt, dass es im Internet riesige Sicherheitslücken gebe. Rainer! Die Dokumente sind doch Washington nicht rausgerutscht, weil sie kein Virenschutzprogramm hatten oder aus Versehen auf gefährliche Schmuddelseiten geklickt haben. Nochmal einfach für dich: Da hat einer der Ami-Stasi die Unterlagen gemopst und sie im worldwide Käsblatt veröffentlicht. Deswegen musst du jetzt aber nicht das Internet schließen lassen.

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Dieses Jahr gibt es keinen Adventskalender, dieses Jahr gibt es WikiLeaks. Jeden Tag eine neue Überraschung. Jetzt gibt es Dokumente, die zeigen, dass Steinmeier vor der letzten Bundestagswahl rumgejammert hat, dass er gegen Teflon-Merkel keine Chance hatte. Er hätte es machen sollen wie Gottschalk: konsequent abbrechen, wenn es nicht mehr lustig ist.

Der FDP-Maulwurf ist inzwischen enttarnt und leider redet keiner mehr darüber, dass Guttenberg eigentlich die größte Tratschtante war. Jetzt gibt es eine Liste mit Orten, die die USA als ihre verwundbarsten Stellen empfindet, zum Beispiel die BASF in Ludwigshafen und die Insel Sylt. Bald kommt raus, dass Daniela Katzenberger eine von Al Qaida gezielt dort platzierte Sexbombe ist.

Diverse Zeitungen hatten schon berichtet, dass es bei WikiLeaks auch massenweise Berichte über UFOs gäbe, dabei hat Julian Assange nur erzählt, wie viele Deppen ihn mit selbst gebastelten UFO-Unterlagen zuschütten. Ich würd mich aber auch nicht wundern, wenn demnächst Gesprächsprotokolle vorliegen, in denen die Außerirdischen George Bush erklärt haben, dass sie die Erde nicht angreifen wollen, weil der Planet einfach unter ihrem Niveau ist.

Wenn die WikiLeaks-Leute ein Problem haben, dann ist es die Flut an Informationen, auf der sie sitzen. Sobald die Menschen sich nach einem einfachen Adventskalender zurücksehnen, ist der Wahrheit damit kein bisschen gedient.

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