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Archiv für die Kategorie ‘Musik’

Wie ein Opellit

Wir sind Lena. Lena ist Opel. Wir sind Opel. So einfach ist die Rechnung der PR-Abteilung von Opel, die jetzt Lena Meyer-Landrut, das Fräuleinwunder von Oslo, als neues Werbegesicht für ihre Wackeldackelschleudern gewonnen hat.

Lena ist alles, was Opel gerne wäre: Jung, unkonventionell, sexy und leicht. Opel ist alles, was Lena nicht ist, also kurz zusammengefasst: Ralph Siegel. Gut, sie hat einen Mentor, der immer grinst wie ein Kühlergrill. Aber das war´s auch schon an Gemeinsamkeiten.

Lena ist seit einem knappen Jahr im Geschäft, Opel seit 150 Jahren. Lena trifft wenig Töne, Opel selten den Kundengeschmack. Lena bewegt sich lustig, bei Opel knirscht es im Getriebe. Also: Solange Lena nicht serienmäßig auf dem Beifahrersitz installiert ist, färbt ihre Frische vermutlich nur sehr homöopathisch auf die Marke ab. Aber ein netter Versuch ist es. Als würden wir Kunden auch Panzer kaufen, wenn man dazu tanzen kann.

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Crashkurs abwärts

Die Halbwertszeit wird immer kürzer. Der letzte Sieger von “Deutschland sucht den Superstar” hieß Merhzad Marashi und muss nach grade mal 4 Monaten brüchigen Instant-Ruhms seine geplante erste Tournee mangels Zuschauerinteresse absagen. Als Tiger losgesprungen, als Eintagsfliege gelandet.

RTL betreibt eigentlich naturwissenschaftlich-philosophische Grundlagenforschung. Denn es geht hier anscheinend um die Frage, wie viel Geld es kostet oder bringt, einen jungen Menschen mit Lichtgeschwindigkeit ins Vergessen zu katapultieren, von Hundert auf Null in 4 Monaten.

Irgendwann wird der erste Superstar in einer Art künstlerischen Kernschmelze implodieren, weil er im selben Moment geboren und Ex-Promi wird. Möglicherweise setzt dieses Verheizen ungeahnte Mengen von Energie frei und taugt zur Nachfolgetechnologie für die Atomkraft. Dann hätte alles doch noch sein Gutes gehabt.

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Böse Menschen blasen keine Lieder

Heute Abend wird in Berlin wieder groß der Zapfen gestrichen. Und weil das Protokoll dabei als drittes Stück einen Musikwunsch des zu Verabschiedenden erlaubt, hat sich Horst Köhler doch glatt den St. Louis Blues gewünscht. Er hat also den Blues. Und wenn man sich den Songtext anschaut, dann hat er den deshalb, weil ihn eine Frau verlassen hat. Wohl eine, die einst hinter ihm stand und jetzt weit, weit, weit weg ist. Eigentlich hätt er sich als Mucke “Angie” wünschen müssen.

Aber “got the blues as blue as can be”, das hat so einen latent depressiven Köhler-Touch, das trifft es auch. Bei Schröder gab es damals “My Way”, da hat er sich musikalisch noch mal voll die Flasche Bier bringen lassen, der Frankie aus Hannover. Was wird wohl erklingen, wenn Merkel mal ihr Amt verlässt? “Es geht eine Träne auf Reisen” vielleicht. Und wenn Guido Westerwelle dereinst feierlich ausgevizekanzlert haben wird, vielleicht spielt die Kapelle dann ja “I will survive” von Gloria Gaynor.

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Lenaland

Was für ein erfrischend neues Deutschlandbild: Fräuleinwunder 2.0 ! Stell dir vor, die ganze BRD wäre leicht verrückt, gut gelaunt, aufgedreht und im entscheidenden Moment arschcool. Also ungefähr das Gegenteil von Angela Merkel.

Lena ist eine große Hoffnung – für alle Eltern, die sich sagen: “Vielleicht kann aus unserem hyperaktiven Kind auch noch was werden, wenn man das Ritalin weglässt”. Möglicherweise ist sie auch ein Rollenmodel fürs ganze Land. Mit Rettungsschirm, Charme und Melodie (naja, etwas, nicht viel) durch die Krise, Hauptsache Abi und Fußwippen.

Hör mir auf mit mediterraner Leichtigkeit, ab heute kommt die Leichtigkeit aus Hannover, jawoll! Und sie hat einen herzerfrischenden “Ich bin zwar erst 19, aber hab 40 Jahre in einer Suppenküche in Soho gearbeitet”-Akzent.

1982 sah das noch ganz anders aus, da klampfte eine “Ich hab keinem was zuleide getan”-Tröte in einem Kleid aus reinster modischer Kapitulation was von “ein bisschen Frieden”. Was schon damals so zupackend sinnvoll war wie “ein bisschen Schwangerschaft”. Auch Nicole war damals eigentlich eines von Kohls “Mädchen”. Drei Engel für Helmut: Nicole, Angela und Uschi Glas.

Heute heißt der Papa Stefan Raab und ist ein bildungsferner Spaßzyniker, der langsam erwachsen wird. Auch das ist Hoffnung. Der Aufschwung kommt an beim Zuschauer.

Wie ein Satellit hat uns die gute Laune umkreist, immer fast nervig, aber eben auch immer im kleinen Schwarzen. Die ideale Mischung aus Lebensfreude und Reduktion, Sparzwang und Ohrwurm. Hätten Audrey Hepburn und Helge Schneider ein gemeinsames Kind, es wäre Lena. Und es täte uns gut. Oder, um es mit Lenas Worten zu sagen: “Ich freu mich so, so hart”. Ein Satz, den man bisher nur aus der Pornobrache kannte.

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Tom Kaulitz, Bruder des bei Toko Hotel vorne rumhüpfenden Kajalfrettchens Bill Kaulitz, hatte einen schweren Viagraunfall. Nein, er ist nicht gegen einen Laster mit dem Zeug gefahren.

Er hat es sich beim Feiern eingeworfen, vermutlich, damit er trotz weiterer Drogen den Groupies zeigen kann, wo der Hammer steht. Der stand dann tagelang, bis der Arzt kam. Fast hätte es eine Abstoßungsreaktion gegeben und das Organ hätte sich vom Popstar mit den Worten “Du bist zu weich für mich!” getrennt. Vermute ich jetzt mal wild.

Manuel Andrack, früherer Neben-Schreibtischtäter bei Harald Schmidt, mittlerweile bekannt als Neospießer mit Herz und Wanderschuh, hatte einen schweren Moralanfall. Beim Kirchentag hat er sich dafür entschuldigt, 20 Jahre keine Kirchensteuer gezahlt zu haben. Jetzt will er wieder in die katholische Kirche eintreten, weil die mit diesem Geld so viele sinnvolle Sachen anstellt. Pfarrerskinder alimentieren und Missbrauchshotlines einrichten?

Im Prinzip begrüße ich ja antizyklisches Verhalten. Trotzdem würde ich jetzt nicht extra bei BP tanken, nur weil die zurzeit so viel gegen die Ölpest tun.

Google, die sympathische Datenkrake und Suchmaschine mit fast alttestamentarischem “Ich seh alles”-Anspruch, hat zugegeben, beim Straßenfotografieren aus Versehen auch Daten. und Email-Fragmente aus privaten WLAN-Netzen eingesammelt zu haben. Ich bin schon gespannt auf die ersten Google-Earth-Satelliten-Bilder mit den eingezeichneten Hochburgen von Legasthenie. Oder Gegenden mit hoher Antwort-Quote auf Potenzmittel-SPAM. Womit sich irgendwie der Kreis schließt.

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Die FDP schnurpselt weg wie ein Luftballon, der einem beim Zusammenknoten entglitten ist. Alles, womit diese Partei im Wahlkampf unterwegs war, ist jetzt von der Realität aufgefressen worden.

Ein patziger Westerwelle stolpert durch die rauchenden Pappkulissen, dahinter ist nichts mehr, nur noch ein Fitzelchen Bürgerrechte, wie ein Stück Zitrone im abgestandenen Mineralwasser. Aber eine Leutheusser-Schnarrenberger macht noch keinen Sommer. Die Partei muss aufpassen, dass es ihr bald nicht geht wie Whitney Houston gestern in Berlin:

“Bizarres Comeback. Gegröle, Gekreisch, Gelächter und viel Schweiß sorgten für ungläubiges Staunen bei vielen der Fans. Schon zu Beginn der Darbietung versagte ihre die Stimme. Ihr Versuch, dies durch ausgiebige Kommunikation mit dem Publikum zu überspielen wurde durch einen lauten Rülpser beendet.

Als das Licht wieder anging, schauten sich viele Besucher einfach nur ungläubig staunend an. Wohl wissend, gerade Zeugen eines gleichermaßen traurigen wie bizarren Auftritts geworden zu sein.”

Bin gespannt, wann auch Guido sich noch mal an “I will always love you” versucht.

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Bild hat die Kanzlerin zur Trauerfeier geprügelt. War gestern noch ihre Teilnahme an der Zeremonie für die in Kundus am Karfreitag gefallenen Soldaten nicht vorgesehen, ist es ihr heute “ein persönliches Anliegen”. In der Politik nennt man das “Gespür für Stimmungen”, im Hundesport “Bei Fuß” oder vielleicht auch neudeutsch “Agility”.

Gut, dass eine Kanzlerin den Hinterbliebenen bei dieser Gelegenheit auch mal in die Augen schauen muss. Hoffentlich hat sie gebührend Albträume. Unschön, dass sie von diesem Schmodderblatt dorthin getrieben werden musste, in dem Ernst Elitz sich im Pathos-Stakkato an die Soldaten wendet: “Ich kenne eure Verzweiflung. Ich bewundere euren Mut. Ihr kämpft gegen den Terror. Vor euch verneigt sich das Land.”

Ach komm! Die kämpfen, weil man es ihnen befiehlt. Einen Krieg, der keinen Sinn macht, der nichts erreicht hat und der unter gefälschten Vorzeichen begonnen wurde. Und den dann unser Verteidigungsminister wie zum Hohn einen umgangssprachlichen Krieg nennt. Da ist es fast egal, wie gut ausgerüstet die sind, die man dort verheizt. Das war es, was Margot Käßmann meinte mit “In Afghanistan ist nichts gut”, bevor sie dann unter “An Alkohol am Steuer ist nichts gut” abgelegt wurde.

Ruhm, Ehre, Kampf, Vaterland. Die Militarisierung der Politik geht voran. Umgangssprachlich nennt man das Scheiße. Bald wird man Mütter auffordern, dem Kampf gegen den Terror Soldaten zu gebären und neue Kriegerdenkmäler in die Ortskerne stellen. Und wir werden stolz sein, weil wir endlich Schulter an Schulter mit den USA, Frankreich, Italien und vielen anderen für die gute Sache sterben und töten dürfen. Der Tod ist ein Exportweltmeister aus Deutschland.

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Ich bin im Internet über geheime Hartz-V-Pläne gestolpert. Das Ganze läuft wohl unter dem Motto “fordern und foltern”. Schon im Februar gab es eine erste Testphase am besonders hartnäckigen Klienten Arno Dübel (54), den die Bildzeitung “Deutschlands faulsten Arbeitslosen” genannt hat. Diesem mental mit seinem Sofa eins gewordenen, tragischdoof schwervermittelbaren Sündenbock hat man doch tatsächlich die Jacob Sisters auf den Hals gehetzt.

“Wenn er singt, werden die Menschen ihn lieben, wir zeigen ihm, wie er den Ton hält!”, so das Statement des pudelschwingenden Frohsinnskampfgeschwaders. Im Schlepptau hatte es einen Musikproduzenten, der ernsthaft zu bedenken gab: “Herr Dübel sollte einfach erkennen, dass er hier die große Möglichkeit hat, der Allgemeinheit nicht mehr weiter zur Last zu fallen”. Finanziell vielleicht nicht, aber doch akustisch! Da zahl ich lieber für ihn, als meine Ohren hinzuhalten.

Unwillkürlich fragt man sich: Wie arbeitslos wären eigentlich die Jacob Sisters, wenn man sie nicht mühevoll auf Platte pressen würde? Und wieso soll Arno Dübel singen, werden solche Leute nicht vom Jobcenter aus direkt in den Big Brother Container reingecastet? Vermutlich sind diese Hartz-V-Pläne der verzweifelte Versuch der Musikindustrie, auf dem Rücken noch Schwächerer zu überleben.

Arno Dübel hat übrigens nicht gesungen. Ihm war das alles zu anstrengend. Dafür danke ich ihm. Den Jacob Sisters zu entkommen ist eine Leistung. Darauf kann man aufbauen.

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Ja, ich bin Karnevalsflüchter. Erst am Aschermittwoch fängt für mich der Spaß wieder an. Gestern Abend hab ich einmal aus Versehen 3 Minuten durchs TV-Programm gezappt, schon war mein Verstand von gefühlten roten Pusteln übersät, akute Pappnasenallergie.

Erst reißt ein alter Mann einen alten Witz über seine Alte, dann kommt ein Tusch, ich zappe. Dann steht da Guido Cantz, ein vermeintlich nicht ganz so alter Mann, und reißt einen noch älteren Witz über seine Alte, Tusch, der Saal bricht unkontrolliert in einen kölschen Karnevalsschlager aus, Humorinkontinenz nach Noten. Ich zappe.

Margit Sponheimer, die unkaputtbare Zsa Zsa Gabor der Määänzer Fassenacht, moderiert irgendwas, was darauf hindeutet, dass gleich ein uralter Mann einen Fossilwitz über seine mumifizierte Gattin reißen könnte. Ich zappe. Da! Eine historische Aufnahme. Heinz Schenk, immerhin in Schwarz-Weiß. Alte Witze in Schwarz-Weiß sind charmant. Mensch, der hat ja schon in den Sechzigern gesprochen, als trüge er ein tschechisches Billiggebiss. Immerhin gereimt. Der Mann hat alles gereimt, was geht. Was nie von Heinz Schenk auf den Lippen getragen wurde, kann kein echter Reim sein.

Die Bütt ist eine Zeitmaschine. Wer immer sie betritt, kippt rückwärts aus der Gegenwart und landet in der Ursuppe des ältesten gemeinsamen Witznenners. Wer hat eigentlich diese Tuschs erfunden? Diese akustische Blindenschrift für alle, die den Witz nicht kommen sehen, diese Spaßbefehlsfanfare, mit der in Guantanamo wahrscheinlich gefoltert wurde? Ach, ich sollte mich nicht aufregen, ich habe goldene Zeiten vor mir: Ab übermorgen gibt es Berliner!!!

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Die Resozialisierung geht gut voran, nach Sido ist jetzt auch Bushido in der Grauzone der Schwiegersohntauglichkeit angekommen. Groß geworden als frauen- und schwulenfeindlicher Ghettogangsterrapper, sagt er heute: “Ich will ein Imperium werden, IKEA ist mein Vorbild”. Früher Aggro Berlin, heute Softie Leksvik. In der Politik nennt man das einen Wendehals, in der Musikbranche eine Karriere.

Jetzt ist seine Story sogar schon ein Stück deutsches Kino, auch wenn er sich im Film noch selbst spielen muss und nicht von Bruno Ganz verkörpert wird. Heute besitzt er einen weißen Luxus-Mercedes, spielt mit Hannelore Elsner und darf mit Bernd Eichinger und Familie in den Urlaub fahren. Läuterung als Farce. Demnächst moderiert er wahrscheinlich auch noch den Musikantenstadl. Da kann er dann auch wieder frauen- und schwulenfeindlich sein.

Jürgen Rüttgers wartet ebenfalls schon sehnsüchtig auf die Verfilmung seiner Wandlung vom Aggro Nordrhein-Westfalen zum Barbapappa Berlin. Früher war er gefürchtet als Inder-Disser und Hardcore-Katholik, heute trainiert er für Germanys next Superkanzler und Grünenkuschler.

Ein Stoff wie gemacht für Bernd Eichinger, da steigt dann vielleicht sogar der Ganz wieder mit ein. Ein Maulheld, der sein soziales Gewissen entdeckt und sich dann als gesamtgesellschaftliches Billy-Regal unentbehrlich macht. “Wer will, dass in Berlin vernünftig regiert wird, der muss Rüttgers wählen”, sagt er zurzeit regelmäßig. Merkelfeindlich ist er also auch noch. Krass.

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