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Archiv für die Kategorie ‘Medien’

Ich weiß ja nicht, welche Drogen der Bild-Kommentator Ernst Elitz in seinem Spekulatius hatte, aber ich geh davon aus, dass der Entzug davon eines Tages eine sehr harte Sache wird. Vielleicht inhaliert er auch Tannennadel-Raumsprays, was weiß ich. Sein aktueller Kommentar ist jedenfalls so nüchtern und realistisch wie ein studentischer Weihnachtsmann nach der fünften Familie und dem zehnten Schnaps:

“Deutschland ist ein Land der Zuversicht. Kein Bibbern vor der Zukunft. Zuversicht strahlt überall! Die Wirtschaft brummt. Die Welt bestellt. Die Arbeitsplätze werden sicher. Das ist kein Weihnachtswunder. Das ist der Preis der harten Arbeit. Deutschland hat sich selbst beschenkt.”

Bild dir deine Dröhnung, oder was? Das sind ja paradiesische Szenarios, wie ich sie bisher nur aus dem “Wachturm” kannte. Der Mann muss sich an der Weihnachtsgans ins Cholesterin-Delirium gefressen haben. Das ist eine rosarote Brille, die ist so groß, dass man sich zum Durchscheißen draufsetzen möchte.

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Ich zitiere wörtlich: “Bild am Sonntag begleitete die Kanzlerin in den Krieg. Angela Merkel: Frontfrau in Afghanistan… Merkel trägt Anorak über ihrem schwarzen Blazer, zieht sich gegen den eisigen Wind eine Decke über die Knie, studiert Unterlagen für den bevorstehenden Besuch. Und man fragt sich, was sich eine Kanzlerin so alles antun muss, um die eigenen Soldaten fern der Heimat zu besuchen und zu ermutigen?”

Na, das schreit ja direkt nach einer Verfilmung mit Bruno Ganz. Bild wäre jedenfalls bereit für echte, markige Kriegsberichtserstattung, Feldherrenpathos und Landserdramatik. Soviel jahrelang ungeschriebenes darf endlich wieder aus der Feder fließen! Ach, hätte Ernst Jünger noch berichten können über diesen Friedenseinatz! Den die Mehrheit der Deutschen nicht will, aber für den die Kanzlerin anscheinend Mitleid und Anteilnahme verdient hat.

Endlich werden wieder Kampfhubschrauber ins Bild gerückt, endlich umweht wieder Wüstensand die deutsche Politik. Endlich heißt PR wieder Propaganda.

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Kundus en Vogue

In Kundus wird die Lage immer schlimmer. Der jüngste Anschlag auf unsere Soldaten dort war eindeutig ein PR-Anschlag. Ken und Barbie von und zu oder aber auch Guttenberg haben gezeigt, wie man ein vermeintlich aufrichtiges Anliegen durch das etwas zu gekonnte Auftragen von guter Garderobe und ein sich verselbstständigt habendes Lächeln völlig untergräbt.

Das Thema Krieg sah auf einmal aus wie eine Mischung aus Foto-Love-Story und Otto-Katalog. Und als wär es nicht schon schlimm genug, hatten sie auch noch Johann Bappsack Kerner im Gepäck, die Kuscheldrohne der deutschen Talklandschaft. Das verteidigungspolitische Statement von Hanni und Nanni Guttenberg war eindeutig:

Es geht in dieser Situation vor allem um die konsequente Umsetzung des Partnerlooks aus grauem Rollkragenpullover, sandfarbener Hose und nachtblauem Parka. Sie zeigt eine rot karierte Bluse im aktuellen Boyfriend-Look, deren Muster er gekonnt im Schal aufnimmt. Sportlich aber doch leger kombiniert sie die Schutzweste ganz ladylike zu den Boots aus australischem Schaffell, die reizvoll den dezenten Pelzbesatz des Parkas konterkarieren.

Er trägt mit weltläufiger Nonchalance einen Kampfhelm in der Hand, während sie mit einem geräumigen Leder-Shopper zivil dagegen hält. Bei alledem umweht sie eine Aura zeitgemäßer Bodenständigkeit, nach dem Motto: Haargel von Schwarzkopf, Brille von Fielmann. Ein perfektes Outfit, auf Englisch würde man sagen: dressed to kill!

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Computerspiele können Kunst sein. Und Kunst kann den Betrachter gezielt vor moralische Herausforderungen stellen, ihn auch in ethische Fallen tappen lassen. Wenn Kunst nur der Unterhaltung und Entspannung diente, hieße sie nicht Kunst, sondern Feierabendbier.

Wenn jetzt ein Student der Karlsruher Hochschule für Gestaltung ein Spiel veröffentlicht, das im Todesstreifen der innerdeutschen Grenze des Jahres 1976 spielt, über Monate hinweg von seinem Professor begleitet wurde und keinen kommerziellen Zweck verfolgt – dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Auch wenn es weh tut. Daraus kann man lernen, das ist die alte Sache mit der Herdplatte.

Die Spieler des Games können auf Flüchtlinge schießen, aber damit nicht gewinnen. Sie können sich auch mit den Flüchtlingen verbünden, sie können vom Grenzer zum Flüchtling werden. Oder als Angeklagter beim Mauerschützenprozess enden. Ein Spaß ist das nicht, die Ballerspielcharts wird es so nicht anführen können. Das Spiel ist im aufklärerischsten Sinne pervers und so schizophren wie die deutsche Geschichte.

Der empörte Aufschrei von Politikern und Boulevardpresse ist so nachvollziehbar wie dumm. Jedes Kreuzigungsgemälde der letzten 2000 Jahre war genau so provokativ, unnötig und aber doch erkenntnisfördnernd. Das Spiel heißt übrigens “1378 km”. Ich würde es gerne kaufen. Und ungern spielen.

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Du kommst hier nicht rein!

Meine Haltung zur Bildzeitung ist seit Jahren: Ich lese die Schlagzeilen auf dem Bäckertresen und surfe im Internet gerne mal drüber über das meingsmachende Drecksblatt ohne Gewissen. Aber ich würde nie dafür Geld ausgeben und Springer in den Rachen werfen. Wenn irgendein Promi oder Politiker mal was besonders blödes in der Bild von sich gibt, liest man es als Zitat sowieso überall.

Aber was sich der Verlag jetzt in Sachen “neue Medien” erlaubt, ist ja wohl besonders dreist. Seit gestern kann man die Seite bild.de vom iPad aus nicht mehr direkt ansurfen. Dafür soll man sich ein App kaufen und dann für jede Ausgabe bezahlen. Auf jedem PC sind die Seiten weiterhin abrufbar. Das heißt: iPad-User werden gezielt bestraft, bevormundet und abgezockt. Weil die das von Apple ja eh gewohnt sind.

Ihr glaubt doch nicht, dass mir die Bildzeitung auch nur einen Cent wert ist. Wenn iPad-Leute was für Geld lesen wollen, dann eine richtige Zeitung. Ich hoffe, der Schuss geht ordentlich nach hinten los. Im Internet gibt es jetzt eine kurze Spezialfolge von “Dittsche”, in der Kai Diekmann sein iPad im Imbiss vergessen hat und Ingo begeistert von dem Gerät und der digitalen Bildzeitung schwärmt. Alice Schwarzer, Atze Schröder, Olli Dittrich – die Liste der Komiker, die mit Springerwerbung auf der dunklen Seite der Macht gelandet sind, wird immer länger…

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Dieses Jahr gibt es keinen Adventskalender, dieses Jahr gibt es WikiLeaks. Jeden Tag eine neue Überraschung. Jetzt gibt es Dokumente, die zeigen, dass Steinmeier vor der letzten Bundestagswahl rumgejammert hat, dass er gegen Teflon-Merkel keine Chance hatte. Er hätte es machen sollen wie Gottschalk: konsequent abbrechen, wenn es nicht mehr lustig ist.

Der FDP-Maulwurf ist inzwischen enttarnt und leider redet keiner mehr darüber, dass Guttenberg eigentlich die größte Tratschtante war. Jetzt gibt es eine Liste mit Orten, die die USA als ihre verwundbarsten Stellen empfindet, zum Beispiel die BASF in Ludwigshafen und die Insel Sylt. Bald kommt raus, dass Daniela Katzenberger eine von Al Qaida gezielt dort platzierte Sexbombe ist.

Diverse Zeitungen hatten schon berichtet, dass es bei WikiLeaks auch massenweise Berichte über UFOs gäbe, dabei hat Julian Assange nur erzählt, wie viele Deppen ihn mit selbst gebastelten UFO-Unterlagen zuschütten. Ich würd mich aber auch nicht wundern, wenn demnächst Gesprächsprotokolle vorliegen, in denen die Außerirdischen George Bush erklärt haben, dass sie die Erde nicht angreifen wollen, weil der Planet einfach unter ihrem Niveau ist.

Wenn die WikiLeaks-Leute ein Problem haben, dann ist es die Flut an Informationen, auf der sie sitzen. Sobald die Menschen sich nach einem einfachen Adventskalender zurücksehnen, ist der Wahrheit damit kein bisschen gedient.

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Er ist der James Bond unter den Nerds, der Robin Hood der Neuzeit, der von den Informationsreichen nimmt, um es den Informationsarmen zu geben: Julian Assange. Er ist kein Hacker und kein Dieb, er stellt eine Plattform zur Verfügung, auf der das in die Öffentlichkeit gelangen kann, was zum Himmel schreit. Da sind Diplomatenprotokolle noch das Geringste.

Während die Regierungen der Welt den gläsernen Bürger zum Staatsziel erklärt haben, tun sie sich mit dem gläsernen Politiker doch ziemlich schwer. Als wäre die Existenz zweier Parallelwahrheiten, die der Mächtigen und die der Ohnmächtigen, die Grundlage jedes demokratischen Gemeinwesens.

Klar ist Assange irgendwie dubios und WikiLeaks irgendwie gefährlich. Aber wer hat denn mit der ganzen Verarsche angefangen? Die, die Aufrichtigkeit als Betriebsunfall empfinden. Natürlich gibt es Lügen – aber das können ja nicht alles nur unter Artenschutz stehende Notlügen sein da draußen. Die Welt hat ein Schwarzes Brett geschenkt bekommen und erschrickt, was da jetzt so alles dran hängt. Und es hängt ne Menge dran.

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Von Spiegel bis Tagesschau hallt der Jubel wie einst bei den WM-Autokorsos: Deutschland konsumiert wieder! Der Einzelhandel erlebt quasi multiple Orgasmen, die Kassen klingeln wie quietschvergnügte Alarmanlagen und der Aufschwung schwingt sich im Slalom durch die Fußgängerzonen.

Weil der Einzelhandel Rekordumsätze macht. Im Oktober gut 2% mehr als im Vormonat. Und immerhin 0,4% mehr als im Oktober letzten Jahres. Wer beim Statistischen Bundesamt nachliest, sieht, dass diese 0,4% nur nominal sind, wenn man die Inflation rausrechnet, sind es real -0,7%. Also Minus im Sinne von Minus, in Buchstaben: Minus. Wenn das ein Wachstum sein soll, dann ist das da draußen kein Winter, sondern ein nominaler Spätsommer.

Was für eine peinliche Mischung aus Verblödung und Stimmungsmache. Statustikporno, der die glühweingeschwächten Konsumenten heiß machen soll. Volle Propaganda voraus, Deutschland ist der Wirtschaftsmotor Europas, Merkel ist das Johanniskraut der Nation und der Weihnachtsmann existiert tatsächlich.

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Angie ist die Teflon-Merkel, Oettinger eine entsorgte lahme Ente, Niebel eine schräge Wahl, Seehofer unberechenbar und Westerwelle kein Genscher. Schön, zu lesen, dass die US-Botschafter ein doch ziemlich zutreffendes Weltbild haben. Ansonsten sind diese Erkenntnisse nicht sonderlich brisant, da hätte Washington auch einfach Urban Priol fragen können.

Spannend sind zwei Details, von denen eines zur Zeit in der Berichterstattung deutscher Medien gerne unter den Tisch fallen gelassen wird. Klar ist es interessant, dass irgendein FDP-Maulwurf hochengagiert der amerikanischen Botschaft aus den Koalitionsverhandlungen berichtet hat. Das ist ja fast eine klitzekleine Spionageaffäre.

Viel doller ist doch aber die Tatsache, dass der jetzt US-behördlich ausgewiesene Amerikafreund Guttenberg dem großen Bruder erzählt, die Kanzlerin könne sich wirtschaftspolitisch schlecht durchsetzen und der Vizekanzler habe eigentlich keine Truppen aufstocken wollen. Gutti ist neTransatlantikpetze und Strebersau. Wahrscheinlich wird unser künftiger Kanzler heute schon im Pentagon als IM “Pomade” geführt. Das ist der wirkliche Skandal, der an seinen Beliebtheitswerten so gefährlich knabbern könnte wie einst George Bush an seinen Salzbrezeln.

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Mut zur Lücke

Wikileaks veröffentlicht geheime US-Unterlagen über deutsche Politiker. Praktisch. Da muss ich mir gar kein neues Programm schreiben, sondern kann es einfach runterladen. Wenn der diplomatische Schleier fällt, kann das so erfrischend sein, wie eine kleine politische Eiszeit im Hochsommer. Und so peinlich wie Suff-Fotos bei Facebook.

Westerwelle soll besonders schlecht wegkommen, vermutlich als vom Amt überforderter Lobbyknecht. Und die Merkel ist eine Tröte. Besonders bitter wäre es, wenn die SPD gar nicht in den Unterlagen auftaucht, weil die Diplomaten regelmäßig alles Überflüssige von der Festplatte löschen. Nur der Guttenberg kommt angeblich gut weg beim Ami. Kein Wunder, den haben sie sich ja jahrelang zurechtgezogen, der ist quasi ein IM des Pentagons.

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