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Archiv für die Kategorie ‘Krieg’

Ich zitiere wörtlich: “Bild am Sonntag begleitete die Kanzlerin in den Krieg. Angela Merkel: Frontfrau in Afghanistan… Merkel trägt Anorak über ihrem schwarzen Blazer, zieht sich gegen den eisigen Wind eine Decke über die Knie, studiert Unterlagen für den bevorstehenden Besuch. Und man fragt sich, was sich eine Kanzlerin so alles antun muss, um die eigenen Soldaten fern der Heimat zu besuchen und zu ermutigen?”

Na, das schreit ja direkt nach einer Verfilmung mit Bruno Ganz. Bild wäre jedenfalls bereit für echte, markige Kriegsberichtserstattung, Feldherrenpathos und Landserdramatik. Soviel jahrelang ungeschriebenes darf endlich wieder aus der Feder fließen! Ach, hätte Ernst Jünger noch berichten können über diesen Friedenseinatz! Den die Mehrheit der Deutschen nicht will, aber für den die Kanzlerin anscheinend Mitleid und Anteilnahme verdient hat.

Endlich werden wieder Kampfhubschrauber ins Bild gerückt, endlich umweht wieder Wüstensand die deutsche Politik. Endlich heißt PR wieder Propaganda.

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Es geht voran beim Rückzug

Neun Jahre Afghanistaneinsatz und nichts ist gut. Sondern höchstens Gutti. „Es gibt Licht, aber auch immer noch viel zu viel Schatten“, hat Westerwelle im Bundestag gesagt. Klingt wie ein Glühwürmchen im Tunnel. Und der Bericht der Bundesregierung, in dem steht, dass es da kaum vorangeht, der heißt natürlich „Fortschrittsbericht“. Das ist die Sorte Fortschritt, bei der man überlegt, wie man heil wieder rauskommt. Aber Fortschrittsbericht klingt ja schon fast nach „Aufschwung Afghanistan“.

Westerwelle findet übrigens die „Schmähkritik an Frau Guttenberg unanständig“. Halten wir kurz fest: Erst hat sie auf RTLII peinlich-pathetisch-reißerisch Kinderschänder gesucht, dann geriet ihre Stiftung in die Kritik wegen intransparenter Geschäftsführung und dann saß sie bei „Wer wird Millionär“ und hätte fast jede Menge Charity-Geld verzockt, wenn Jauch ihr nicht vor laufender Kamera fast schon aggressiv erklärt hätte, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt in Kundus den Rauschgoldengel zu spielen, war weniger eine PR-Maßnahme für die Soldaten, als vielmehr in eigener Sache.

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Kundus en Vogue

In Kundus wird die Lage immer schlimmer. Der jüngste Anschlag auf unsere Soldaten dort war eindeutig ein PR-Anschlag. Ken und Barbie von und zu oder aber auch Guttenberg haben gezeigt, wie man ein vermeintlich aufrichtiges Anliegen durch das etwas zu gekonnte Auftragen von guter Garderobe und ein sich verselbstständigt habendes Lächeln völlig untergräbt.

Das Thema Krieg sah auf einmal aus wie eine Mischung aus Foto-Love-Story und Otto-Katalog. Und als wär es nicht schon schlimm genug, hatten sie auch noch Johann Bappsack Kerner im Gepäck, die Kuscheldrohne der deutschen Talklandschaft. Das verteidigungspolitische Statement von Hanni und Nanni Guttenberg war eindeutig:

Es geht in dieser Situation vor allem um die konsequente Umsetzung des Partnerlooks aus grauem Rollkragenpullover, sandfarbener Hose und nachtblauem Parka. Sie zeigt eine rot karierte Bluse im aktuellen Boyfriend-Look, deren Muster er gekonnt im Schal aufnimmt. Sportlich aber doch leger kombiniert sie die Schutzweste ganz ladylike zu den Boots aus australischem Schaffell, die reizvoll den dezenten Pelzbesatz des Parkas konterkarieren.

Er trägt mit weltläufiger Nonchalance einen Kampfhelm in der Hand, während sie mit einem geräumigen Leder-Shopper zivil dagegen hält. Bei alledem umweht sie eine Aura zeitgemäßer Bodenständigkeit, nach dem Motto: Haargel von Schwarzkopf, Brille von Fielmann. Ein perfektes Outfit, auf Englisch würde man sagen: dressed to kill!

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Na, jetzt kann er ja langsam wieder kommen, der alte Kaiser Wilhelm. Auf dem Weg zur Monarchie ist ein weiterer wichtiger Schritt getan. Nach dem ganzen adeligen Von und Zu auf der Regierungsbank heißt der neue Bundeswehrbeauftragte jetzt Herr Königshaus.

Also werden wir künftig öfters Schlagzeilen lesen wie “Königshaus fordert Leopard-Panzer”. Da wird der eine oder andere “Goldenes Blatt”-Leser genauer hinlesen müssen, ob jetzt der oder das Königshaus sich Gedanken übers Komasaufen in der Ausbildung oder den Rückhalt an der Heimatfront macht.

Der letzte Wehrbeauftragte hieß Robbe, das hatte was von “durch den Schlamm robben”, und trotzdem etwas Verletzliches. Der Königshaus hat jedenfalls Freude am Fuhrpark: “Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, der überlegt sich zweimal, ob er eine deutsche Patrouille angreift”. Schneidiger hätt es auch ein Karl-Theodor nicht hingeguttenbergt.

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Nachdem uns die Regierung jetzt endlich den Krieg erklärt hat, kann die Militarisierung des Alltags weiter gehen. “Jugendoffiziere” werden verstärkt an die Schulen geschickt, um zu erklären, warum der Einsatz in Afghanistan “über jeden Zweifel erhaben ist”, wie es die Kanzlerin zu sagen pflegt. Klar. So erhaben wie Bischof Mixa, Jörg Kachelmann oder die Atomkraft.

Jetzt will man also die Jugend für die Deutschlandverteidigung am Hindukusch begeistern, weil sich ja nach diversen Amokläufen bis in die Heeresleitung herumgesprochen hat, dass sie ein entspanntes Verhältnis zur Schusswaffe hat. Außerdem ist sie durch die Gnade der ganz späten Geburt unbeleckt von den Wirrungen jeglicher Friedensbewegung.

Da kommt der Jugendoffizier mit seinem Einstiegsangebot in die aufstrebende Heldenindustrie gerade Recht. Bald wird es wieder verstärkt Kriegerdenkmale im Stadtbild geben. So, dass man zu einem jungen Mann in Sachen Berufswahl sagen möchte: “Wenn du was Sicheres suchst, was mit Perspektive, dann gib dir einen Ruck und werde Steinmetz!”

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Alle Klarheiten beseitigt

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Oberst Klein eingestellt. Weil er auch nach gewissenhafter Prüfung die Zivilisten vor lauter Taliban nicht gesehen und sich für einen “eng begrenzten Einsatz mit der geringstmöglichen Bombengröße und Anzahl entschieden hat”. Zwei Bomben hat er abwerfen lassen. Nachdem die amerikanischen Flieger ihn von 6 auf 2 runtergehandelt hatten.

Und weniger als 2 Bomben kann man ja nicht werfen. Das war bestimmt so ein günstiges 2:1 Sonderangebot im Gebinde. Außerdem hat der Oberst einen “direkten Feindkontakt” und eine “unmittelbare Gefahrenlage” herbeigelogen. Aber es ist ja Krieg. Und wo gehobelt wird, fallen auch Zivilisten. Dass Krieg ist, sieht man auch am vermehrten Lügenaufkommen.

Morgen steht Guttenberg vorm Kundus-Untersuchungsausschuss. Der hatte ja die Herren Schneider und Wichert entlassen, weil sie ihm in einem Gespräch wichtige Informationen vorenthalten haben sollen. Gutti sagt, er hat dafür zwei Zeugen. Schneider und Wichert sagen: Bei dem Gespräch war nur noch die Büroleiterin dabei, wir waren zu viert. Ja wie nun? Stand der zweite Zeuge hinterm Vorhang, im Kleiderschrank, oder hing er mit Saugnäpfen an der Decke? Bei Bill Clinton hätte man gesagt: Klar, der war unterm Schreibtisch!

Wie sollen die sich auf eine Informationslage einigen, wenn sie nicht mal wissen, zu wievielt sie sind? Hat der Minister zu einem gesagt: “Könnten Sie bitte mal kurz rausgehen, damit wir fünf zu viert sind?” Wahrscheinlich auch nur, weil er nicht genug gleiche Kaffeetassen hatte.

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Jetzt haben wir also einen umgangssprachlichen Krieg. Einen, bei dem die Kanzlerin und der Verteidigungsminister Verständnis haben, wenn man ihn beim Namen nennt, beim umgangssprachlichen, also gewissermaßen beim Rufnamen. Und auch der SPD geht es wie Eltern, die ein Kind in die Welt setzen, es großziehen und dann feststellen, dass es kein Klausilein, sondern ein ausgewachsenes Arschloch ist.

In diesem Fall ein Nicht-Krieg mit umgekehrtem Vorzeichen. Eine humanitäre Maßnahme mit Toten. Ein böses Erwachen aus dem Nebel militärischer Bewusstlosigkeit. Das ist ein nicht erklärter Krieg, der nie erklärt werden durfte, weil ihn keiner verstehen sollte. Ab einer gewissen Zahl von Opfern ist er aber selbsterklärend. Und dann ist er genau wie so ein Arschlochkind: Egal wie du ihn nennst, er gehört zur Familie und wird dir ab jetzt jedes Weihnachtsfest versauen.

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Bild hat die Kanzlerin zur Trauerfeier geprügelt. War gestern noch ihre Teilnahme an der Zeremonie für die in Kundus am Karfreitag gefallenen Soldaten nicht vorgesehen, ist es ihr heute “ein persönliches Anliegen”. In der Politik nennt man das “Gespür für Stimmungen”, im Hundesport “Bei Fuß” oder vielleicht auch neudeutsch “Agility”.

Gut, dass eine Kanzlerin den Hinterbliebenen bei dieser Gelegenheit auch mal in die Augen schauen muss. Hoffentlich hat sie gebührend Albträume. Unschön, dass sie von diesem Schmodderblatt dorthin getrieben werden musste, in dem Ernst Elitz sich im Pathos-Stakkato an die Soldaten wendet: “Ich kenne eure Verzweiflung. Ich bewundere euren Mut. Ihr kämpft gegen den Terror. Vor euch verneigt sich das Land.”

Ach komm! Die kämpfen, weil man es ihnen befiehlt. Einen Krieg, der keinen Sinn macht, der nichts erreicht hat und der unter gefälschten Vorzeichen begonnen wurde. Und den dann unser Verteidigungsminister wie zum Hohn einen umgangssprachlichen Krieg nennt. Da ist es fast egal, wie gut ausgerüstet die sind, die man dort verheizt. Das war es, was Margot Käßmann meinte mit “In Afghanistan ist nichts gut”, bevor sie dann unter “An Alkohol am Steuer ist nichts gut” abgelegt wurde.

Ruhm, Ehre, Kampf, Vaterland. Die Militarisierung der Politik geht voran. Umgangssprachlich nennt man das Scheiße. Bald wird man Mütter auffordern, dem Kampf gegen den Terror Soldaten zu gebären und neue Kriegerdenkmäler in die Ortskerne stellen. Und wir werden stolz sein, weil wir endlich Schulter an Schulter mit den USA, Frankreich, Italien und vielen anderen für die gute Sache sterben und töten dürfen. Der Tod ist ein Exportweltmeister aus Deutschland.

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Schon direkt am Morgen nach dem Kundus-Bombardement lag im Kanzleramt eine E-Mail des Bundesnachrichtendienstes vor, in der er hieß: „Das Verheerende daran ist, dass dabei zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen sind“. So was wird ja wohl einer Kanzlerin nicht vorenthalten. Und trotzdem hat sie sich noch ein paar Tage lang angeschaut, wie Franz Josef Jung von nix gewusst hat. Hat sie da mal wieder ihr berüchtigtes Merkel-Schach gespielt – alle Bauern sind am Springen, und am Schluss bleibt immer die Dame übrig?

Jung hat genervt, Jung war überfordert, aber er war Roland Kochs Mann. Und da hat sie sich gedacht: „Was er nicht weiß, macht mich nicht heiß!“ Und mit quasi naturwissenschaftlichem Interesse geschaut, wie lange es wohl braucht, bis der Verteidigungsminister auch mal informiert wird. In der freien Wirtschaft hieße das Mobbing, in der Politik nennt man es Führung.

Dem Vizekanzler wird sie auch nichts erzählt haben, denn Wissen ist Macht und außerdem war Wahlkampf. „Alle unfähig außer Mutti“, das ist im Zweifelsfall eine gute Strategie. Aber dass eine Kanzlerin den Bundestag und das Volk über Tage hinweg für dumm verkauft, das ist schon mehr als eine Skandal-Randnotiz. Und sie wird es ja nicht im Ernst damit begründen wollen, sie habe sich erst mal loyal hinter Jung gestellt. Wenn sie das im Untersuchungsausschuss so sagt, dann lachen aber die Hühner. Und die sind zum Ausschuss leider nicht zugelassen.

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Der Typ, der der Steuerfahndung diese Schweizer Daten-CD verhökert hat, wollte dafür 2,5 Millionen Euro. Bekommen hat er angeblich 2,75 Millionen, damit er sie pauschal und ordentlich mit 10% versteuern kann. Und dann trotzdem auf seine Zweifünf kommt. Das nenn ich korrekt! Geschäfte mit Datendieben machen wir a) wenn es sich lohnt und b) wenn sie ordentlich Steuern zahlen.

Der vom Operettenreichsmarschall Guttenberg geschasste Generalinspekteur Schneiderhahn hat vorm Untersuchungsausschuss gesagt, er habe seinerzeit die Verteidigungsminister alt (Jung) und neu (Gutti) “in den Stand der Urteilsfähigkeit versetzt”. Dieser Satz ist von einer auserlesen vernichtenden sprachlichen Akkuratesse und bedeutet: Der hat den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Oder das Recht vor lauter Bomben, was weiß ich.

Da hat der schwarze Baron sich frisch im Job etwas zu flott durchgeyuppiet. Wenn es hart auf hart kommt, wird er sagen: “Ich kann nicht mehr zurücktreten, denn ich steh ja schon mit dem Rücken an der Wand.”

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