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Archive for the ‘Kirche’ Category

Heilige Spaßbremse!

In Washington haben die Fundamentalisten, die christlichen, ein Ausstellungsstück aus einer Kunstausstellung entfernen lassen. Weil es einen etwas verstörenden Jesus gezeigt hat, über den Ameisen gekrabbelt sind. Wie labil muss so ein Fundamentalist in seinem Innersten wohl sein, wenn er Angst hat, ein paar Insekten könnten seine Religion beschädigen?

Das sind Schneewittchenreligionen, die tot im Glassarg liegen. Und die man nur mit Ehrfurcht und Mundschutz ausüben darf, weil sie so gefährlich und diffizil sind wie die reinste Gehirnchirurgie.

Ich würde gerne in einer Welt leben, in der man mit Katholiken Papstwitze reißen und mit Muslimen über Mohammedkarikaturen schmunzeln kann. Denn wirklich bei Gott sind wir Menschen erst, wenn wir über das, was uns heilig ist, auch lachen können. So, das war dann jetzt mein Wort zum Sonntag.

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An einem Glatteisweihnachten wie heute sind zwei Dinge besonders wichtig: Heimkommen oder Daheimsein. Und das in diesen mobilen Zeiten mit Patchworkfamilien und Schwiegerelternhopping! Manch einer wird froh sein wie schon lange nicht mehr, wenn er endlich unterm Tannenbaum sitzt. Und nimmt gerne die Familie in Kauf, Hauptsache, man muss nicht mehr raus.

Eigentlich ein prima Tag, um sich mal zusammen friedlich einschneien zu lassen. Aber vorsichtig. Denn die Fluchtwege sind nicht immer gut geräumt, da wird die Familienfeier auch schnell mal zur klassischen Agatha-Christie-Situation.

Alles besser, als den Weg nach Hause nicht zu schaffen, so dass aus dem Fest der Liebe nur eines der Liegengebliebenen wird. Wer heute auf dem Flughafen sitzt oder auf der Autobahn feststeckt, lernt mehr Demut, als es noch feierlich ist. Ich wünsche all meinen Lesern ein möglichst erreichbares und behagliches Zuhause! Und nicht verzweifeln: Der Sohn Gottes kam auch nur pünktlich, weil sie in Bethlehem verdammt gut gestreut hatten.

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Der Einzelhandel jubelt. Oder genauer: Die Sprecher des Einzelhandels jubeln jeden Advent ihr kreischendes Zweckhosianna durch die Medien, auf dass der Kaufrausch uns in ein boomendes 2011 katapultiere. Fast meint man, der Sinn des Weihnachtsfestes habe von jeher darin bestanden, Volkswirtschaften mit Exportüberschuss ein etwas solideres Fundament zu verschaffen.

Wahrscheinlich waren Maria und Josef zwei VWL-er, die beschlossen hatten, künftigen Wirtschaftskrisen etwas entgegenzusetzen, und sei es einen Marktwirtschaftsmessias. Dann wäre ihr Gott allerdings schon damals nur der noch heute schnöde Mammon gewesen. Und die unbefleckte Empfängnis mehr so in einem “Geld stinkt nicht”-Sinne unbefleckt. Und der Stern, dem sie gefolgt sind, gehörte einer großen Bethlehemer Rating-Agentur.

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Freunde, Gurus, Religionsgründer! An dieser Stelle seid noch einmal an den einfachen und wichtigen Kniff erinnert, mit Eurem Glauben auch gleich einen eigenen Staat ins Leben zu rufen. Und sei er noch so klein und undemokratisch. Auf diese Weise könnt Ihr nämlich im Bundestag sprechen.

So wie der Kollege Benedikt, der Ende nächsten Jahres mit dem Papamobil direkt am Parlament anflanscht, um höchst feierlich und leitkultürlich der Union Segen zu spenden. Und den Grünen Pickel zu bescheren. Schöner lässt sich die heilige Durchdringung von Staat und Religion nicht feiern, als mit diesem kleinen technischen Vorsprung gegenüber dem Islam, den Buddhisten und Atheisten. Die leider wegen des historischen Formfehlers der Nichtstaatlichkeit draußen bleiben müssen. In den Fußgängerzonen und Industriegebieten.

Nein, das ist keine Wettbewerbsverzerrung, das ist Tradition und spirituelle Folklore. Immerhin spricht auf die Weise mal jemand im Bundestag, der uns nicht auf Wahlplakaten belästigt und uns mit sogenannten Reformen verschont.

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Beim “2. Michendorfer Nikolauslauf” sind heute knapp 600 Nikolause Strecken zwischen 2,5 und 10 Kilometer gelaufen. Der veranstaltende Laufclub Michendorf spricht stolz von der “größten, laufenden Weihnachtsmann-Parade”. So, liebe Kulturkreisanalphabeten, Brauchtumsschänder und Kinder, da muss ich jetzt doch mal wieder die Spaßbremse machen. Bevor mir der Stollen hochkommt.

Erstens: Nikolaustag ist morgen. Zweitens: Der Weihnachtsmann ist nicht der Nikolaus. Und drittens: 600 rennende Nikolause sind ja wohl die unbesinnlichste Vorweihnachtsperversion überhaupt. Ja, da bin ich pingelig. Aber ihr besteht ja auch immer drauf, dass Harry Potter kein drogendealender Hütchenspieler und Darth Vader nicht die Supernanny ist. Nur mal so als Beispiel.

Man muss die Mythen schon sauber halten, da gilt das Mythenreinheitsgebot, sonst landen wir direkt in der Hölle. Oder noch schlimmer: in Disneyland. Wenn nächstes Jahr irgendwo der 1. Messiasmarathon statt findet, bei dem am 23. Dezember 1200 Jesusse 42 Kilometer zurücklegen, feiert der Veranstalter das wahrscheinlich als die neue Love-Parade…

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Heiliger Strohsack!

Der Papst hat über Kondome nachgedacht. Vorsichtig, damit nix einreißt. Aber für die Hardliner seiner Kirche ist es ein Schock. Die machen sich Sorgen, dass der heilige Vater in einer Art viertem Frühling moralisch verlottert und vorm Zeitgeist einknickt. “Kondome können in Einzelfällen der Einstieg zu einer Moralisierung sein”, hat er gesagt.

Außerdem ist er für Moscheen in westlichen Ländern und gibt zu, dass im Vatikan keiner mal ordentlich im Internet nachgeschaut hat, wer eigentlich dieser Bischof Williamson gewesen ist. Jetzt kriegen die Vatikan-Fundamentalisten Angst, dass er bald anfängt zu kiffen, auf der Pferderennbahn rumzuhängen und sie per Dekret zum Kopftuchtragen zu verdonnern. Endlich ist wieder mal was los in der katholischen Kirche. Also seit der Inquisition, meine ich.

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Das Schlimmste an Halloween sind ja die Mütter. Es klingelt, du öffnest die Tür, vor dir steht ein als Zombie verkleidetes Kind und guckt dich ängstlich an. Zwei Meter hinter ihm schaut die Mutter strahlend um die Hausecke und feuert den Nachwuchs an: “Ja, geh hin, mach dem Mann richtig Angst, dann kriegst du auch Bonbons!”.

Was in den 80ern die Tennismütter waren, sind heute die Halloweenmütter. Der reinste Horror. Und nachher kann RTL dann wieder berichten, wie Kinder für Bonbons jedem Schänder hinterherlaufen.

Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Phillipp H. Mißfelder (das “H” steht für die Hüftgelenke, die er vor Jahren mal den Senioren nicht gönnen wollte) findet es schlimm, wie Halloween den Reformationstag und Allerheiligen aus dem Bewusstsein verdrängen. Halblang! Bei uns war in den Zeiten vor Halloween Allerheiligen auch nur der Tag, an dem das Einkaufszentrum im wenigen Kilometer entfernten Nachbarbundesland offen hatte.

Und den Reformationstag würde auch keiner kennen, wenn die Protestanten nicht als Halloween-Abwehr neuerdings Lutherbonbons verteilen würden. Ohne Halloween wüssten wir gar nicht, was wir nicht vermissen. Darauf einen Kürbis.

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“Der Islam gehört mittlerweile zu Deutschland”, sagt der Bundespräsident. Die CSU und über 80% der Bildleser sehen das anders. Das heißt, sie wollen Menschen, die hier leben, vorschreiben, was sie zu glauben haben. Dabei gehört der Islam so zu uns wie der Buddhismus, der Atheismus, der Feminismus oder der Lenaismus.

Ich als religiös minderinteressierter Mensch bekomme so langsam Lust darauf, Moslem zu werden. So ein ganz schlampiger, der nicht in die Moschee geht und die Sache überhaupt nicht ernst nimmt. Der Islam gehört nämlich genau so zu Deutschland wie der Heuchelkatholizismus oder der Weichnachtsprotestantismus. So ein leicht siffiger Rocknroll-Islam wäre der Anfang von wahrer Integration und Aufklärung, her mit den Koranhippies!

Im Ernst: Wie krank hier der interreligiöse Kulturwettbewerb läuft, sieht man unter anderem am Bild-Kommentar von Ernst Elitz, dem langjährigen Intendanten des Deutschlandfunks: “Wer in deutschen Moscheen betet, muss sich auch für den Bau christlicher Kirchen dort einsetzen, wo bisher nur Minarette erlaubt sind. Wer in der U-Bahn Koran liest, muss dafür kämpfen, dass in islamischen Staaten der Verkauf von Bibeln erlaubt wird. Das verlangt schon die Fairness.”

Wenn das keine Einbahnfairness sein soll, müsste auch der, der in Istanbul das Vater Unser betet, dafür kämpfen, dass es beim H&M auf dem Kuhdamm Burkas zu kaufen gibt. Da hätten wir doch aber alle Besseres zu tun.

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Dieser amerikanische Bücherverbrennungs-Pastor predigt übrigens mit Pistole am Gürtel. Und weil er glaubt, dass der Islam Teufelszeug sei, will er die Moslems mit dem brennenden Völkerverständigungs-Scheiterhaufen provozieren, aus ihren Höhlen locken, für den Showdown. Wahrscheinlich wird der Mann erst selig, wenn er seinen ersten selbstgejagten Moslem-Skalp an der Wand hängen hat.

Gott kann einem manchmal leidtun. Weil er sich seine Fans einfach nicht aussuchen kann. Da geht es ihm kaum anders als Justin Bieber (“Die schreien immer so laut!”) oder Thilo Sarrazin (“Ich mach keine Partei auf, da würden nur komische Leute eintreten!”). Letzterer ist übrigens für den Ballerpriester ein Held. Geschieht ihnen recht. Beiden.

Während ich mich noch frage, ob man das globalspirituelle Gleichgewicht durch adäquates Bibelverbrennen ausgleichen kann (im Kurs eins zu eins natürlich, wahlweise auch 2 Sarrazin für einen Koran), formt sich in meinem Kopf die Vermutung: Wer für die Wahrheit tötet, wird am Ende sehr einsam sein.

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In Duisburg machen die Zuständigen erste Übungsversuche in Richtung Verantwortung. Das ist gut, denn Verantwortung ist ein Muskel, der trainiert werden will, und sei es von McFit.

Die große Frage lautet auch heute noch, wie es sein kann, dass auf dem Gelände offiziell Platz für 250000 Menschen war, die Veranstalter aber am Tag der Parade stolz von 1,4 Millionen Besuchern berichteten. Das klingt ja fast wie der schlechte Witz, in dem der Sicherheitsexperte verkündet, das Areal sei auslegt für eine Million und ein paar Zerquetschte. Eine zynische Pointe, aber im Sinne der Wahrheitsfindung.

Dass dann aber auch noch direkt am Tag eins nach dem Drama die Autobahnbeauftragte Eva Herman aus der Gruft ihrer neo-konservativ-urchristlichen Märtyrerinnengrotte gekrochen kommt, die Love Parade als einen von den 68ern erst möglich gemachten Sündenpfuhl bezeichnet und die Todesfälle als mögliche Strafe Gottes – das ist Zynismus ohne Pointe aber mit Hohlkreuz.

Gerne hätte sie die Friedfertigkeit und Partyhaftigkeit einer drogendurchseuchten Nackttanzsause diskutieren dürfen. Aber ein paar Tage nächstenliebenden Schweigens hätte es dafür schon gebraucht. So muss sie aufpassen, dass man sie beim nächsten Karneval nicht gemeinsam mit Bischof Mixa auf einen “die 68er sind an allem Schuld”-Motivwagen bindet und zur Steinigung freigibt.

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