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Archiv für die Kategorie ‘Banken’

Schubladenbanking

Die Hamburger Sparkasse hat ein einfaches Weltbild und unterteilt ihre Kunden in sieben Gruppen: Bewahrer, Hedonisten, Abenteurer, Genießer, Performer, Tolerante und Disziplinierte.

Das alles natürlich nur als „Hilfsmittel, um die Kunden besser zu verstehen“. Auf Deutsch: Ihnen mit den passenden Worten die unpassendsten Produkte anzudrehen. Beim Genießer empfehle sich „eine weiche Wortwahl, um Phantasie und Genuss ins Spiel zu bringen“. Also vielleicht: „Könnten sie sich vorstellen, wie wunderbar es sich anfühlen muss, von einer kuscheligen Rendite verwöhnt zu werden?“ Quasi das Manufaktum-Investment.

Beim Bewahrer sollte man „Ängste aufbauen“. Natürlich nur so als Verständnishilfsmittel. Und dem Performer muss man das Gefühl geben, als Top-Kunde ganz besondere Angebote zu bekommen. Ich schlage den Kunden vor, die Bank nur noch mit Buttons und bedruckten T-Shirts zu betreten wie: „Ich bin ein bewahrender Genußperformer“ oder „Disziplinierter Toleranzabenteurer“.

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Jetzt werden seine Hausschlappen versteigert. Bernard Madoff sitzt im Knast, weil er Anleger um Milliarden betrogen hatte. Um die zu entschädigen, versteigert man jetzt Gegenstände aus seinem Privatbesitz, unter anderem die schwarzen Filzpantoffeln mit güldenem Monogramm, Größe 42. Da reinzuschlüpfen, muss sich für ein Madoff-Opfer anfühlen, wie ihn erlegt zu haben.

Soll noch einer sagen, der Kapitalismus hätte keine spirituellen Züge, das ist doch wohl eindeutig eine Reliquie. Die könnte man auch in der Glasvitrine ausstellen und die Wallstreetler drum herum pilgern lassen. Gleich daneben stünde dann Alan Greenspans Butterstulle, Josef Ackermanns Tütchen Erdnüsse und Thilo Sarrazins aus dem Schnauzbart gefischte Überreste seines Hartz-IV-Menüs. Und was dann dabei an Eintrittsgeldern hängen bleibt, das dient zur Bankenrettung. Nur das. Damit ihr mal seht, was ihr uns so wert seid.

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Jetzt wo die Bundesbank den Herrn +&##&>%* (ich will den Namen ja erst mal nicht mehr hören) rausschmeißt, toben einige der „Bürger“, die sich vor Wochen noch von Özil haben Tore schießen lassen, nur um ihm jetzt vorzuhalten, dass seine Verwandtschaft genetisch minderbegabt sei.

So ein Rausschmiss sei ein Verbrechen an der Meinungsfreiheit, sagen sie. Langsam. Es gibt Formen von Meinungsfreiheit, die enden in tausendjährigen Reichen. Außerdem hat der Exbundesbanker in spe ja seine Meinung veröffentlichen dürfen, sein „Mein Kampf mit den Zahlen“ wird nicht verboten.

Seine Bekleidungs- und Ernährungsvorschläge für Hartz-IV-Empfänger haben wir uns jahrelang angehört. Und er darf seine Meinung auch gerne weiter in die diversen braunen Sümpfe plumpsen lassen.

Aber: Wer so unseriös argumentiert, ein Menschenbild wie ein Rechenschieber hat und immer wieder herzhaft den Extremen die Vorlagen liefert, der ist als Bundes-Banker verbrannt. Wer anfängt, das Volk auseinander zu rechnen, dient keinem Gemeinwohl, der soll sich den Bundesadler sonst wohin stecken, aber ihn nicht am Revers tragen.

Seine Meinung darf er gerne weiter verbreiten, aber er muss dafür auch härter angegriffen werden dürfen, als es mit einem Vorstandsposten vereinbar wäre. Das nenne ich Streitfreiheit. Die ist fast noch wichtiger als Meinungsfreiheit.

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Ist ne schöne, große Anzeige geworden, der “Energiepolitische Appell” der vier großen Energiekonzerne und ihrer Atombusenfreunde. Ganzseitig, fast möchte man sagen: einseitig.

Unterzeichnet haben die üblichen INSM-ler und auch die Rechtsabbieger der SPD, Clement und Schily. Josef Ackermann (Atomgeld), Werner Bahlsen (Atomkekse) und Oliver Bierhoff (Atomfußball) sind auch dabei. Gut, dass Bierhoff als Fußballmanager prinzipiell für verlängerte “Laufzeiten” ist, versteh ich irgendwie.

Der Appell richtet sich an “die politisch Verantwortlichen”, das ist ein Euphemismus für “Angie, du treulose Tomate”. Man bittet um ein “ausgewogenes energiepolitisches Gesamtkonzept”, weil Solarenergie so teuer ist und AKWs ja fast geschenkt. In der Überschrift fordern die Strahlemänner (ja, sie haben keine einzige Frau gefunden!) “Mut und Realismus”. Nicht am Verhandlungstisch, sondern in Anzeigen.

Wäre die Kanzlerin mutig und realistisch, würde sie im Gegenzug mit einer Traueranzeige antworten. Für das leider viel zu früh von uns gegangene Demokratieverständnis der Energiekonzerne.

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Als der alte Alan Greenspan noch Chef der US-Notenbank war, konnte er mit dem, was er sagte, die Börse in Aufregung versetzen. Noch mehr aber mit dem, was er nicht sagte oder mit der Art und Weise, wie er seine Pausenstulle neben die Aktentasche gelegt hat. Er war das Orakel von Wall Street. Wenn er seine Brille schief aufgesetzt, oder die Krawatte falsch geknotet hätte, wär der Dollar kollabiert.

Damals war er ein großer Fan der Idee, dass Steuersenkungen die Wirtschaft ankurbeln und damit dann auch der Mittel- und Unterschicht gut tun. Heute kann der Mann sich Altersweisheit leisten. “Das tun sie nicht”, sagt er inzwischen dazu. Und schert damit aus der Achse der Steuersenker aus, die von George Bush über Alan Greenspan bis zu Angela Merkel und Guido Westerwelle führt.

Er hat gesehen, wie eine solche Politik doch nur einseitig zu hohen Manager-Boni und steigenden Aktienkursen führt. Und er nährt die Hoffnung, dass auch für Merkel zumindest in den letzten Jahren ihrer vermutlich 30-jährigen Kanzlerschaft präsenile Erkenntnisprozesse nicht gänzlich auszuschließen sein werden.

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Aktion saubere Bank

Die US-Bank Goldman Sachs greift durch, zieht Konsequenzen und stellt ihr Geschäftsgebaren auf eine ganz neue Basis. Zumindest was die Flüche angeht. Mit dem Geld machen sie wahrscheinlich weiter wie bisher.

Aber die Mitarbeiter dürfen in den geschäftlichen Mails über schmutzige Geschäfte keine schmutzigen Wörter mehr in den Mund nehmen. Den kriegen sie jetzt digital mit Seife ausgewaschen, die Mails werden automatisch gefiltert und reklamiert. Im letzten Jahr hatten Mitarbeiter dubiose Transaktionen ihrer Firma noch schriftlich als “shitty deal”, also beschissenes Geschäft bezeichnet. Das geht jetzt so nicht mehr. Um den Schimpfwortfilter zu umgehen, müssten sie vermutlich “fäkal touchiertes Geschäft” schreiben.

Die Chefs von Goldman Sachs dürfen dann auch nicht mehr als “Arschlöcher” beschrieben werden, sondern höchstens noch als “wirbelsäulenabschließende Entsorgungsöffnung”. Die Kunden sind keiner “Wichser” mehr, sondern bloß noch “Selbsthandanleger”, manchmal auch nur Selbsthandkleinanleger. Und die Geschäftspolitik ist dann auch nicht mehr zum “kotzen”, sondern höchstens noch zum “noch mal durch den Kopf gehen lassen”. So sorgt die Finanzkrise wenigstens für ein gutes Stück mehr sprachlicher Fantasie.

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“Lasst uns nicht allein!”, rufen die mit der Regulierung des Finanzsektors beschäftigten Abgeordneten des Europaparlaments uns zu. Es ist ein Hilferuf, wie aus dem Dschungel-Camp der Hochfinanz, fast als würden sie schreien: “Holt uns hier raus, wir sind Demokraten!”

In einem öffentlichen Aufruf outen sie sich als relativ wehrlose Opfer der Banken-Lobby, deren Deutungshoheit sie nicht entgegenzusetzen haben. Die Banker machen weiter wie immer und haben die politischen Gestaltungsräume so durchdrungen, dass die vermeintlichen Entscheider sich hilflos fühlen und von einer “Gefahr für die Demokratie” sprechen. Jetzt bitten sie die “Zivilgesellschaft” um Unterstützung, etwa durch den Aufbau schlagkräftiger Nichtregierungsorganisationen, also so was wie ein Finanz-Greenpeace.

So weit ist es schon, dass wir uns als Bürger mit Schlauchbooten zwischen die Geldhaie werfen müssen, um unsere EU-Abgeordneten vor dem Abschuss zu retten. Parlamentarier, die das Volk um Rückendeckung gegen die Wirtschaft bitten! Es reicht also nicht mal mehr, wählen zu gehen. Wir müssen unsere Politiker aus der Geiselhaft des Finanzterrors befreien. Der bewaffnete Kampf für die Demokratie gehört nicht nach Afghanistan, sondern zuerst mal nach Brüssel.

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Mancher, der im letzten September noch sein Kreuz bei der FDP gemacht hat, wird sich mittlerweile denken: Da haben wir uns ja ganz schön die Pest an den Hals gewählt!

Jetzt saß die Koalition zwei Tage im Kanzleramt, herausgekommen ist ein Sparpaket nach dem Motto “Westermerkel spart die Armen ein”. Der Vizedekadenzler nennt es “ausgewogen, fair und gerecht”, was genau meinem Kommentar zu seinen unteririschen Beliebtheitswerten entspricht.

Keine Vermögenssteuer, verlängerte AKW-Laufzeiten und eine Pipibankenabgabe von 2 Milliarden, nachdem man Hunderte von Milliarden bei den Banken zum Fenster rein geworfen hat. Direkt gekürzt wird bei Eltern und Arbeitslosen. Merkel wird froh sein, dass sie nicht so nah am Wald wohnt, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis da ein Robin Hood wohnt und wirkt.

Wer arbeitslos ist, der kriegt künftig nix mehr auf die Rente angerechnet, so generiert man Altersarmut. Was natürlich toll ist, weil mit der Angst davor die Finanzdienstleister wieder jede Menge private Altersvorsorge verkaufen können. Der Gipfel ist aber das Kanzlerinnenargument, dass es ja durch dies alles künftig weniger Arbeitslose geben werde. Da kann sich bloß heute keiner was von kaufen. Das ist, wie wenn ich bei strömendem Regen den Schirm zu Hause lasse, damit es aufhört zu regnen.

Hauptsache, die Steuern bleiben, wie sie sind. Es ist eben doch wieder nur Steuerzahlerpolitik. Wer keine zahlen kann, ist politisch vogelfrei. Und kann sich im Wald Robin Hood anschließen. Der vielleicht in diesem Jahr eine Frau ist, die wir früher unter dem Namen Margot Käßmann kannten. Unter Umständen reitet sie künftig lieber, als dass sie Auto fährt. Zum Widerstand ruft sie jedenfalls jetzt schon auf. Und wer weiß, plötzlich reicht der Wald bis ans Kanzleramt…

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Letzte Woche hat die Kanzlerin noch überall verkündet, eine Finanztransaktionssteuer ließe sich in Europa nicht durchsetzen. Heute ist klar: Die EU will diese Steuer und auch die Regierungskoalition ist jetzt dafür. Da fragt man sich schon: Hat Maggie Merkel, die eisernste Lady seit Bismarck, überhaupt einen Durchblick in Sachen Europa? Oder haben die Sarkozys und Berlusconis sie bloß jahrelang mit Handkuss verarscht?

Ist der finanzpolitische Horizont der Kanzlerin etwa der ihrer sprichwörtlichen schwäbischen Hausfrau, die man hat mitreden lassen, weil sie einen guten Kartoffelsalat kann und sonst nix? Im Moment glaubt ihr nicht mal mehr die Bildzeitung die europäische Leadership-Nummer.

In der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende hat sie folgendes gesagt: “Als wir im Herbst 2008 das Bankenrettungspaket geschnürt hatten und wir es zum ersten Mal in einem solchen Zusammenhang mit dreistelligen Milliardensummen für Garantien zu tun hatten, da habe ich nach den getroffenen Entscheidungen in meinem Büro einen Teller Linsensuppe gegessen. Um in einer solchen Ausnahmesituation etwas ganz Alltägliches zu tun. So etwas ist mir immer wichtig”.

Linsensuppe. Da wird sie noch einige auslöffeln müssen. Man fragt sich: Ist das noch putzig und bodenständig, oder schon eine klassische Übersprungshandlung? Vielleicht sogar eine Art Kanzleramts-Hospitalismus.

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Spekulanten sind die Buhmänner der aktuellen Finanzkrise. Also neben den Politikern, der Europäischen Zentralbank, den Griechen und dem Sirtaki.

Kein Wunder, dass sie sich jetzt auch etwas positive PR generieren, zum Beispiel ein Interview auf www.tagesschau.de, in dem es heißt, das die Finanzmarkt-Zocker eigentlich nur Schwachstellen aufdecken und damit einen wichtigen Beitrag zur Schnürung ernsthafter Rettungspakete leisten. Bald gibt es wahrscheinlich einen Autoaufkleber wie “Ich bremse auch für Spekulanten!”

Herr Dornseifer vom “Bundesverband Alternative Investments” jedenfalls behauptet, nachdem in mehreren europäischen Haushalten Feuer ausgebrochen seinen, hätten Spekulanten wie Feuermelder auf die Gefahr hingewiesen. Man sollte hinzufügen: Ja, wie Feuermelder, die im Brandfalle als Erstes ihre Kollegen anrufen und sagen: “Ich wette, die Hütte brennt ab!”

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