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Archive for the ‘Alltag’ Category

Höllehölleholle

Heute waren sie mal wieder alle draußen, die Bekloppten und die Kabarettisten. Zum großen Silvestereinkauf. Es war im Supermarkt so voll, als gäb es ab dem Ersten keine Lebensmittel mehr ohne ärztliches Attest.

In den Gängen auch wieder dabei: Der Klassiker in Form einer Mutter, die ihre Kleinkind seelenruhig Regale ausräumen und Konserven in Spielzeug verwandeln lässt. Nicht mit hilflosem Blick, nicht einmal mit leerem Blick. Nein, mit Stolz im Blick. Weil die Brut sich so schön mit sich selbst beschäftigen kann. Und einem Dutzend Eintopfdosen, mehreren Pfützen Steifel-Tauwasser und dem Nervenkostüm der um sie herumeiernden Kunden.

Ansonsten war ich damit beschäftigt, Röstzwiebeln zu suchen. Die waren so gut versteckt, als ginge es darum, dass sie auf keinen Fall gekauft werden dürfen. Fast hätte ich mir einen Julian Assange mit so etwas wie RöstzwiebelLeaks gewünscht, um Einsicht in die verbrecherischen Versteck-Pläne des Supermarkts zu bekommen. Ich hab sie dann auch so gefunden. Beim Ketchup. Auf Schienbeinhöhe. Wo man sie normalerweise nur entdeckt, wenn man sein Kleinkind da unten spielen lässt.

Produktname des Tages: “Black Puty”. Das war keine falsch geschriebene Pferdesalami, sondern ein scharfer Putenaufschnitt mit Wortspielzwang. Spätestens da wusste ich: Ich will nach Hause! Und das war noch bevor ich nach dem Ausräumen des randvollen Einkaufswagens aufs Laufband feststellen musste, dass Blicke töten können. Vor allem, wenn man aus Versehen an der 10-Teile-Kasse gelandet ist.

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Angeblich bastelt der Versandhändler Amazon derzeit an einer technischen Lösung, die verhindern soll, dass man die falschen Geschenke geschenkt bekommt. Und das auch noch so diskret, dass der geschmacksunsichere Geschenkgeber es nicht mal mitbekommt, wenn statt der verhassten Krawatte nur ein Gutschein beim Geschenknehmer ankommt.

Das setzt natürlich voraus, dass beide sich nicht unterm Christbaum begegnen, sondern sich einfach postalisch beschenken. Und dass jeder brav bei Amazon eine “schwarze Liste” führt. Bei mir wäre das irgendwas mit Tokio Hotel, Thilo Sarrazin, Thor Steinar, Duftkerzen und Wohlfühltees. Vielleicht schlägt Amazon mir dann auch vor: “Kunden, die Michelle nicht mochten, hatten auch großen Widerwillen gegen Quietsche-Entchen!”

Und dann knacken Hacker mein Amazon-Konto, verkaufen diese sensiblen Daten an meine schlimmsten Feinde und die kippen mir irgendwann zu den Klängen von “Wer Liebe lebt” einen Container Zimtlatschen vor die Haustür. Neue Technologien stecken eben auch immer voller neuer Gefahren.

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Jetzt will die GEMA also auch noch Geld von den deutschen Kindertagesstätten. Weil diese Noten und Liedtexte kopieren und öffentlich aufführen. Klingt wie ein Aufreger, nach dem Motto : Jetzt zocken sie auch noch Kleinkinder ab!

Die GEMA ist ja berüchtigt für ihre Eintreiberfähigkeiten. Manche befürchten, dass sie sogar Gebühren in Rechnung stellt, wenn jemand Blähungen hat, die etwas zu melodisch sind und damit urheberrechtlich in die Nähe zu den Kompositionen von Dieter Bohlen geraten.

Im Ernst: Nur weil es um Kinder geht, darf man die Rechte von Komponisten nicht ignorieren. Ich will jedenfalls nicht, dass mir Rolf Zuckowksi deshalb als Sozialfall auf der Tasche liegt.

Das dürfen die Erzieherinnen auch gerne den Kleinen vorjammern, das mit der GEMA, wer weiß, vielleicht ergreift eines dann mal irgendwann einen kreativen Beruf. Ist ja auch kein Zustand, wenn die Kindergärtnerin ihren Schützlingen erst das Raubkopieren und dann die Uhr beibringt.

Sollen sie doch Volkslieder singen. Die kosten nix und sind auch schön. Außerdem sind die nicht in Patschepatschekinderliederdeutsch, sondern in einer Sprache, die sagt: Sie haben Anschluss an die Hochkultur!

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An einem Glatteisweihnachten wie heute sind zwei Dinge besonders wichtig: Heimkommen oder Daheimsein. Und das in diesen mobilen Zeiten mit Patchworkfamilien und Schwiegerelternhopping! Manch einer wird froh sein wie schon lange nicht mehr, wenn er endlich unterm Tannenbaum sitzt. Und nimmt gerne die Familie in Kauf, Hauptsache, man muss nicht mehr raus.

Eigentlich ein prima Tag, um sich mal zusammen friedlich einschneien zu lassen. Aber vorsichtig. Denn die Fluchtwege sind nicht immer gut geräumt, da wird die Familienfeier auch schnell mal zur klassischen Agatha-Christie-Situation.

Alles besser, als den Weg nach Hause nicht zu schaffen, so dass aus dem Fest der Liebe nur eines der Liegengebliebenen wird. Wer heute auf dem Flughafen sitzt oder auf der Autobahn feststeckt, lernt mehr Demut, als es noch feierlich ist. Ich wünsche all meinen Lesern ein möglichst erreichbares und behagliches Zuhause! Und nicht verzweifeln: Der Sohn Gottes kam auch nur pünktlich, weil sie in Bethlehem verdammt gut gestreut hatten.

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Hier geht die Post ab

Es ist ja ein alljährlicher Running Gag dieses Blogs, dass ich in den Tagen vor Weihnachten immer nicht weiß, was man dem Briefträger und dem Zeitungszusteller so gibt. Und dass grade der Briefträger dazu neigt, immer intensiver und zwinkernder Blickkontakt zu suchen, als wollte er sagen: „Schauen sie mal, da hinten, da müsste doch ihr Geldbeutel liegen!“

In den seligen Zeiten, als man noch EINEN Briefträger hatte und fertig. Jetzt herrscht bei uns aber eine Zustellerschwemme. Im Moment stapeln die sich nur so, die Leute von: der Post, dhl, ups, dpd, Hermes und den diversen Früh-, Spät- und Sonderschichten. Das ist mir emotional zu viel. Ich bin postalisch noch eher der monogame Typ. Auf so viel Personal kann ich mich nicht einstellen, da hab ich einfach zu wenig Königshaus in den Genen.

Und jetzt fangen die alle auch noch an zu reden. Das ist neu. Dieses Jahr reichen ihnen die Blicke nicht mehr. Vorhin der erste Briefträger: „Na, wie geht’s? Alles klar?“ Dann der zweite Päckchenmann: „Das wird noch ein langer Tag heute, aber ich will nicht klagen!“ Bald stehen sie als Formation vor der Tür und spielen, singen und tanzen ein Trinkgeld-Musical. Und ich werde mich nicht wehren können, denn sie sind eindeutig in der Überzahl.

Da lob ich mir die Zeitungsfrau. Vielleicht ist es auch ein Zeitungsmann. Jedenfalls sieht und hört man nix von ihm oder ihr. Das muss belohnt werden!

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Bilder des Grauens

Wenn man heutzutage einen neuen Arzt sucht, dann macht man das ja im Internet. Da kannst du dir die Nasen genau angucken. Und die Bilder von ihrer Praxis. Und dann kannst du sagen: Also dieser Doktor soundso, der grinst so blöd, der nimmt bestimmt nur Privatpatienten. Oder Drogen. Oder beides abwechselnd. Und dieser hier, von dem dachte ich erst, er hätte Bilder von einem Kaninchenstall ins Netz gestellt, dabei war es sein Wartezimmer!

Ich war mal auf der Homepage eines Zahnarztes, da war auch die Handynummer angegeben, unter der er einen Cadillac verleiht. Da hat man schon irgendwie das Gefühl, dass man als Patient nur Mittel zum Zweck ist. Der hatte auf dem Wartezimmerfoto übrigens ein Aquarium, das war schon vom Bild her derartig umgekippt, dass ich sagen würde: Da ist nichts mehr zu machen, das muss komplett raus!

Und trotzdem stand daneben, sie würden sich bemühen, in ihren Räumen für eine entspannte Urlaubsatmosphäre zu sorgen. Urlaubsatmosphäre beim Zahnarzt? Damit dann die Patienten besonders früh aufstehen, um sich den Behandlungsstuhl mit nem Handtuch zu reservieren???

Auf Zahnarzthomepages sehen sowieso alle immer so glücklich aus. Wie eine Mischung aus Lachgas und Scientology. Die lächeln, als würde es heißen: Ein Tag ohne Zahnarzt ist ein verlorener Tag! Wer von meinen Lesern Tipps hat mit Links auf besonders schöne Arzt-Homepages: Her damit, ich sammel die!

 

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Das Kartonrätsel

Heute hab ich beim Frühstück mal meine Milch gelesen, also die Packung. Und darauf einen spektakulär mysteriösen Aufdruck gefunden:

“Karton aus verantwortungsvollen Quellen” – wow! Soll das heißen, er stammt nicht von WikiLeaks? Das mit den “Quellen” klingt irgendwie nach Geheimdienst, aber sollte der momentan nicht eher mit der Terrorgefahr beschäftigt sein als damit, dem Hormuth Kartons zusammenzufalten? Und was sind überhaupt verantwortungslose Kartonquellen? Drogensüchtige Pappkameraden? Wenn schon verantwortungsvoll, dann hätte ich ja gerne gewusst, wer es ist. “Quellen” klingen da so seriös wie irgendwelche Spendernamen, die Helmut Kohl bis heute nicht rausrücken will. Packungen zu lesen lohnt sich immer. Ich werde nie den Karton vergessen auf dem der irgendwie sehr zweideutige Satz stand: “Flachgelegt gehöre ich ins Altpapier”.

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Also diese Frau Holle ist ja echt eine launische Schlampe. Heute haben wir den dritten Advent und draußen ist alles graugrüner Matsch. Da sind wir hier zwei Wochen durch die Arktis geschlittert und dann ist am 24. wahrscheinlich doch wieder nur dieser optisch und emotional völlig unterspannte Larifari-Winter.

Soviel “Schneeflöckchen” kannste gar nicht singen, dass es dir dabei weihnachtlich ums Herz wird. Dafür muss man wieder stundenlang auf dem Weihnachtsmarkt im Nieselregen stehen und sich dieses meteorologische Drama mühevoll schönsaufen. Und ich hab noch keine Geschenke. Wie wäre es mit Kunstschnee?

Vielleicht sollte man das Fest aber auch einfach etwas umgestalten: Der Weihnachtsmann kommt nicht auf dem Schlitten, sondern im Schlauchboot. Ohne Rentiere, aber von Seepferdchen gezogen. Und ins Haus gelangt er dann nicht durch den Kamin, sondern er steigt mit dem Grundwasser von unten in den Keller. Das ist die gute Nachricht: Wenn überall so viel Wasser in der Nähe ist, können wenigstens mal wieder echte Kerzen an den Baum!

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Computerspiele können Kunst sein. Und Kunst kann den Betrachter gezielt vor moralische Herausforderungen stellen, ihn auch in ethische Fallen tappen lassen. Wenn Kunst nur der Unterhaltung und Entspannung diente, hieße sie nicht Kunst, sondern Feierabendbier.

Wenn jetzt ein Student der Karlsruher Hochschule für Gestaltung ein Spiel veröffentlicht, das im Todesstreifen der innerdeutschen Grenze des Jahres 1976 spielt, über Monate hinweg von seinem Professor begleitet wurde und keinen kommerziellen Zweck verfolgt – dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Auch wenn es weh tut. Daraus kann man lernen, das ist die alte Sache mit der Herdplatte.

Die Spieler des Games können auf Flüchtlinge schießen, aber damit nicht gewinnen. Sie können sich auch mit den Flüchtlingen verbünden, sie können vom Grenzer zum Flüchtling werden. Oder als Angeklagter beim Mauerschützenprozess enden. Ein Spaß ist das nicht, die Ballerspielcharts wird es so nicht anführen können. Das Spiel ist im aufklärerischsten Sinne pervers und so schizophren wie die deutsche Geschichte.

Der empörte Aufschrei von Politikern und Boulevardpresse ist so nachvollziehbar wie dumm. Jedes Kreuzigungsgemälde der letzten 2000 Jahre war genau so provokativ, unnötig und aber doch erkenntnisfördnernd. Das Spiel heißt übrigens “1378 km”. Ich würde es gerne kaufen. Und ungern spielen.

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Am laufenden Band

Das ist doch immer wieder ein herrliches Spiel, an der Supermarktkasse zu schauen, was die Leute vor dir so auf dem Band liegen haben. Heute zum Beispiel die Oma mit dem lustigen Hütchen: drei Flaschen Schampus und zwei Grablichter. Man ahnt, was es da zu feiern geben könnte.

Wenn ein Teenager vor mir steht, der einen Alkopop namens “Sex on the Beach” sowie eine Packung Kondome dabei hat, dann ist das einfach. Aber was hat wohl jemand vor, der eine Dose Bohneneintopf, ein Feuerzeug und ein Raumspray mitnimmt? Wer mag es wohl sein, der Nikotinoflaster und ne Flasche Buerlecithin kauft? Ach so: wahrscheinlich Johannes Heesters.

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