Es ist eine bittere Diagnose, wenn auch keine überraschende. Die diesjährigen Ergebnisse der Langzeitstudie “Deutsche Zustände” sind klar: “soziale Vereisung und rohe Bürgerlichkeit” greifen um sich. Vor allem letzteres ist ein interessanter Begriff. Die bürgerlichen Schichten der Gesellschaft streifen das Deckmäntelchen des Bildungsbürgertums ab und zeigen darunter den nackten Hass auf Fremde, Schwache und wirtschaftlich Nutzlose.
Da mutiert der Bürger zum Monster, geschaffen vom neoliberalen Dr. Frankenstein, zum Leben erweckt in dem Moment, als der Blitz der Finanzkrise eingeschlagen hat. Und die soziale Vereisung scheint ebenfalls so unaufhaltsam wie gewollt. Ein gangbarer Weg, wenn man nur genug Streusalz auf die Wunden gibt. Eine Regierung, die behinderten Hartz-IV-Empfängern, die bei ihren Eltern leben, die Bezüge um ganze 20% kürzt, ist genau das: roh und vereist. Blutiges Fleisch on the rocks. Das Menschenfresserbuffet ist eröffnet.





“Rohe Bürgerlichkeit” klingt imho zu harmlos, so als würden die lediglich mit sonntagsbratenverschmierten Fingern Piano spielen… dabei geht es ja eher um die inneren Lack-Springerstiefel.
Aber – jetzt kann man als langhoarischi BombelescherIn wenigstens wieder Spießer hassen
Vielleicht sind die nicht roh, sondern eher schon ziemlich durch…
Deprimierend.
Nur das mit dem Neoliberalismus ist mir nicht klar, was ist denn neoliberal daran, wenn die Regierung die Banken finanziert?
Sie müsste ja Markteinstiegshürden niederreißen – seh ich aber nicht.
Ich denke, das sind jetzt die Früchte davon, was “neoliberales” Gedankengut in den letzten 5-10 Jahren mit der Politik angestellt hat.
Die Regierung macht es uns doch vor, immer zuerst an die Besserverdienenden und Lobbyisten zu denken, also was soll das Geschrei. Haben die das etwa nicht gewollt, das wir genauso denken und handeln.
Frau Merkel kann aber gerne mal vorbei kommen, wenn ich am 24. und 25.12. ehrenamtlich in einer Obdachloseneinrichtung Dienst schiebe, während die Hamburger Sozialbehördentrulla verkündet, die monentane starke Nachfrage nach Notunterkünften würde auch wieder abflauen.
Sicher tut sie das, wenn das Klientel in der Kälte draußen verreckt.
Vielleicht meinte sie damit, dass es auch bald wieder wärmer (Sommer) wird. Das macht es natürlich kein bißchen besser – eher noch gruseliger.
Vermutlich hat sie aber einfach überhaupt nichts gedacht..
Hut ab vor Deinem Engagement!!!