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Archive for 8. Mai 2010

Erst dachte ich, ich hätte mal wieder die langsamste Kassiererin erwischt. Doch plötzlich überkam mich die Erkenntnis, überraschend, unerwartet und schwerwiegend wie eine Steuernachforderung: Das hier muss die Entschleunigungs-Kasse sein! In Zeiten von Expresskassen, Selbstscannerkassen und Kartenzahlungskassen war dies kein allzu weit hergeholter Gedanke.

Wehrlos geriet ich in eine Art Trance, wie bei einer rückwärts auf Tranquilizern gesehenen, langen “Twin-Peaks”-Nacht. Die Frau an der Kasse bewegte sich so langsam und kontemplativ, mit fast artistischer Körperbeherrschung, dass ich mich nicht gewundert hätte, wenn sie mir am Ende pantomimisch eine Blume gepflückt und ins Haar gewoben hätte.

Um mich herum verschwand der Rest des Gartencenters hinter einem tiefen Schleier aus wattiger Bedeutungslosigkeit. Die Göttin der Entschleunigungskasse lächelte mich in allwissender Gelangweiltheit an, die Uhr schmolz mir von Handgelenk. Ich begann den Einkaufswagen traumversunken zu liebkosen und ließ mich unendlich langsam in ein sich lüstern darbietendes Loch im Zeit-Raum-Kontinuum gleiten.

Wir erstarrten in einem perfekten Moment von Kassenschlangen-Stillstand, es ging nichts mehr voran. Ich wollte nichts mehr, nicht zahlen, nicht nach Hause, nicht mal sterben.

Die Entschleunigungskasse hatte mich reich beschenkt mit dem vollkommenen Glück zeitloser Konsumstarre und Einkaufsleere. Bis die Kassierin mich mit den vereinbarten Worten “Sammeln sie Punkte?” aus der Trance weckte und zurück in meinen rasenden Alltag entließ. Ich wusste sofort: Ich würde wiederkommen.

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