Die Resozialisierung geht gut voran, nach Sido ist jetzt auch Bushido in der Grauzone der Schwiegersohntauglichkeit angekommen. Groß geworden als frauen- und schwulenfeindlicher Ghettogangsterrapper, sagt er heute: “Ich will ein Imperium werden, IKEA ist mein Vorbild”. Früher Aggro Berlin, heute Softie Leksvik. In der Politik nennt man das einen Wendehals, in der Musikbranche eine Karriere.
Jetzt ist seine Story sogar schon ein Stück deutsches Kino, auch wenn er sich im Film noch selbst spielen muss und nicht von Bruno Ganz verkörpert wird. Heute besitzt er einen weißen Luxus-Mercedes, spielt mit Hannelore Elsner und darf mit Bernd Eichinger und Familie in den Urlaub fahren. Läuterung als Farce. Demnächst moderiert er wahrscheinlich auch noch den Musikantenstadl. Da kann er dann auch wieder frauen- und schwulenfeindlich sein.
Jürgen Rüttgers wartet ebenfalls schon sehnsüchtig auf die Verfilmung seiner Wandlung vom Aggro Nordrhein-Westfalen zum Barbapappa Berlin. Früher war er gefürchtet als Inder-Disser und Hardcore-Katholik, heute trainiert er für Germanys next Superkanzler und Grünenkuschler.
Ein Stoff wie gemacht für Bernd Eichinger, da steigt dann vielleicht sogar der Ganz wieder mit ein. Ein Maulheld, der sein soziales Gewissen entdeckt und sich dann als gesamtgesellschaftliches Billy-Regal unentbehrlich macht. “Wer will, dass in Berlin vernünftig regiert wird, der muss Rüttgers wählen”, sagt er zurzeit regelmäßig. Merkelfeindlich ist er also auch noch. Krass.




