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Archive for Februar 2010

Sturmkopf

Ich liege mit Fieber auf dem Sofa und draußen wütet der Orkan. Das führt in meinem Matschhirn zu einer seltsamen Zwangsbeschäftigung: Seit Stunden denke ich unwillkürlich darüber nach, welche Zeilen aus Jakob van Hoddis´ expressionistischen Gedicht “Weltende” sich mit Gewinn aktualisieren ließen. Das hier ist der Zwischenstand, den ich natürlich mit meinen Lesern teile. Vorsicht, nicht anstecken!

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der iPod
In allen Lüften hallt HartzIV-Geschrei
Webserver stürzen ab und gehn entzwei
Und in der Krise – liest man – steigt die Wut

Der Sturm ist da, die wilden Guidos hupfen
ins Bild um dünne Bretter zu durchbohren
Die meisten Menschen haben keine Schweinegrippe
Die Bobathleten fahr´n und sind verloren

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Der Bundestag hat beschlossen: Wir schicken gut 500 Soldaten mehr nach Afghanistan. Um den Abzug vorzubereiten. Klingt wie der Einstieg in den Ausstieg, das kennt man ja von der Atomenergie, das mündet schnell mal in einer “weiter so”, obwohl es auch für die Taliban derzeit kein genehmigtes Endlager gibt.

Die Linke hat Plakate mit den Namen von Kundus-Opfern hochgehalten und wurde dafür vom Bundestagspräsidenten in Rekordzeit des Saals verwiesen. Der schwarze Baron hat süffisant hinterher ge-guttit: “An manchen ist die Kinderstube in Lichtgeschwindigkeit vorbeigerauscht”. An anderen ist ihr Leben in Lichtgeschwindigkeit vorbeigerauscht. Und es kann auch nicht jeder Spielzeugpanzer in seiner Kinderstube gehabt haben, das ist schon okay.

Die Linke findet, ihre Aktion sei ein würdiger Akt gewesen, denn bei Gedenkschildern für Verstorbene handele es sich ja nicht um politische Plakate. Wir reden noch mal, wenn im Landtag die ersten NPD-ler vorwurfsvoll Plakate hoch halten, auf denen steht “Adolf H. , April 45, Berlin”.

Dass man mit so was gegen die Geschäftsordnung verstößt, hätte die Linke wissen müssen, immerhin hat sie den entsprechenden Beschluss im Frühjahr 2009 mit beschlossen. Angeblich hatten sie nur mit einer Rüge gerechnet, dazu hätten sie die Plakate aber schneller wieder einpacken müssen, auch linke Reflexe wollen gut trainiert sein! Aber so ist das halt, wenn Lafontaine im Saarland bleibt und Gysi auf Dienstreise ist, dann ist die Linke allein zu Haus und führt wie eine Volkstanzgruppe Rituale auf, die früher zum Repertoire der Grünen-Folklore gehörten, denn einer muss es ja machen.

Ärgerlich nur, dass dieser kalkulierte Pseudoskandal nach dem Westerwelle-Haider-Prinzip funktioniert, der volkszornschäumenden “Man wird doch wohl noch aussprechen dürfen…”-Attitüde, die noch nie irgendeinem Opfer was gebracht hat und jede ernsthafte Debatte wie eine Empörungs-Stinkbombe unproduktiv vernebelt.

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Laut einer amerikanischen Langzeitstudie (klingt gleich viel seriöser als “amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden”, stimmt´s?) haben konservative Wähler einen signifikant niedrigeren IQ als progressive Wähler. Was jetzt genau “progressiv” an den in diesem Zusammenhang genannten Grünen ist, an diese Frage müssten die Amiforscher wohl noch mal ran…

Das Ergebnis beruht vielleicht auf der Tatsache, dass man nicht viel überlegen muss, um weiter auf bekannten Wegen zu gehen, wohingegen beim Wagnis unerprobter Ideen die grauen Zellen eher in´s Schwitzen geraten. Was bedeutet das in der Praxis? Wenn man die Wahlbüros nur schlecht genug beschildert, wird Claudia Roth Bundeskanzlerin, weil die ganzen konservativen Wahlberechtigen wie die fehlgeleiteten Staubsaugerroboter im Eingangsbereich hängen bleiben, während die bionade- und iPhone-bewehrte Avantgarde zielstrebig zur Stimmabgabe gleitet.

Wenn man hingegen die Leute direkt an ihrer Haustür mit dem Lifta-Treppenlift abholt und sie damit an die Urne fährt, wo man ihnen noch mal die Sache mit dem Ankreuzen ganz langsam erklärt, dann gewinnt die Union, oder gar die Partei Bibeltreuer Christen. Denn auch religiöse Menschen sind laut Studie intelligenzmäßig etwas schwach auf der Brust. Religiös und gleichzeitig konservativ zu sein, bringt also den IQ bedenklich in die Nähe der Raumtemperatur.

Nur progressive Atheisten sind kognitiv leistungsfähig und misstrauen natürlich allem, was irgendwelche amerikanischen Wissenschaftler mal wieder herausgefunden haben wollen.

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Da ist Fastenzeit und die Bischöfin verzichtet ausgerechnet auf den Chauffeur. Jetzt ist sie zurückgetreten und ich muss mal ganz unchristlich sagen: Die Frau hat Eier! Hut ab! Klar, sie hätte nie wieder über Moral und Verzicht predigen können. Und wer sich zum Beispiel beim Thema Krieg völlig zu Recht weit aus dem Fenster lehnt, der darf nicht schwanken, vor allem, wenn dann der Sturm der Entrüstung einsetzt.

Was für Zeiten! Die Katholiken befummeln Jungs und die Protestanten fahren betrunken über die Ampel. Wir sind allein, keiner steht uns moralisch bei, die Menschenfischer fischen grade hauptsächlich in ihren eigenen stillen, trüben, tiefen Wassern. Und lassen uns allein im Kampf gegen die FDP und ihre besondere Form der Nächstenliebe.

Und dann zickt der Vizedekadenzler auch noch rum. Heute musste ich mehrfach lesen, er sei “in absolut schlechter Stimmung”. Ja isses denn die Möglichkeit! Kriegen wir jetzt auch noch täglich auf der Wetterkarte das emotionale Guidoklima angesagt? Die CSU wirft ihm süffisant “wechselnde Gefühlslagen” vor. Das ist besonders fies, das klingt schon fast nach Klimakterium. Leicht hat er es nicht, der Außenminister. Aber verdient hat er es schon, der penetrante Fehlleistungsträger.

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Autofahren und Religion passen nicht immer gut zusammen, spätestens seit Jesus, der ja chronisch mit 12 Anhängern unterwegs war. Im Straßenverkehr herrscht nun mal keine Nächstenliebe, da kannst du noch so viel Autobahnkirchen danebenstellen.

Jetzt hat es die Chefin der Evangelischen Kirche Deutschlands erwischt. “Da boxt der Papst”, sagte man bisher, wenn irgendwo die Stimmung besonders wild und ausgelassen war, künftig böte sich “da brettert die Käßmann” an. Als hätte sie gedacht “Wenn Gott lenkt, kann ich doch ruhig mehr trinken!” hat sie in Hannover beim Ampelübersehen 1,5 Promille im Blut mitgeführt.

Jegliche Häme der katholischen Konkurrenz ist unfair, sind dort doch die hohen Würdenträger vorsichtshalber so alt, dass sie ihren Führerschein eh schon abgegeben haben. Und wenn der Papst betrunken ist, tragen sie ihn in der Sänfte heim, das ist eben noch ein ganz anderer Umgang mit Autoritäten dort.

Vielleicht ist das Ganze auch nur eine schöne Image-Kampagne der EKD unter dem Motto “Wir sind die ohne Unfehlbarkeit!”. Wirklich schade wäre es nur, wenn künftig Käßmanns pazifistische Afghanistan-Kritik weggewischt würde mit dem Argument: Bevor wir die Truppen abziehen, sollen die doch erst mal ihre Bischöfin ausnüchtern!

Schade, wenn so ein Thema dann doch nur wieder an einer Person hängt. Auch da sollte die Synode ihrer Chefin öfters mal das Wasser reichen.

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Schneeschippen will er sie lassen. Der Vizedekadenzler die Harz-IV-Empfänger. Das bringt mich auf eine Idee. Vorschlag: Ich fordere eine Wochenstunde Zwangsarbeit im sozialen Bereich – für Leute mit einem Jahreseinkommen von über 100.000 Euro. Täte dem Land sicher gut, so eine organisierte Erdung der Leistungsträger.

Das Dekadenz-Gudio auf einer hässlichen Schleimspur hinterher sabbernde Volksverdummungsorgan “Bild” hat ihn jetzt mit echten Hartzlern so lange zusammen in einen Raum gesperrt, bis sie keinen Ausschlag mehr bekommen haben, weil die Überdosis Westerwelle sie auf Lebzeiten desensibilisiert hat:

“Er hat sehr genau zugehört”, “Er hat uns nicht von oben herab behandelt” und “Ein sympathischer Politiker” sagten die Betroffenen am Schluss. Einer Heiligsprechung steht jetzt eigentlich nichts mehr im Weg.

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An der Bundesstraße steht ein großes Plakat, mit dem die RWE Azubis fürs Atomkraftwerk Biblis anwerben will. Da trägt ein junger Mann ein Schild mit der Aufschrift „Lasst mich nur machen“ und neben ihm liegt etwas, was aussieht wie zwei Kaninchenköttel. Warum will er die machen, wenn so wenig dabei rumkommt?

Dachte ich zuerst. Bis ich gesehen habe, dass es in Wirklichkeit zwei kleine Boxhandschuhe sind. Sie liegen auf einer quasi schwarz-weiß-verdorrten Wiese. Was will uns dieses Bild sagen? Dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen, das Grün aus der Natur verschwinden zu lassen? Oder dass die Jugend des Kämpfens müde ist und lieber einen sicheren Job im AKW hat als einen Umweltminister, der ihr diese Perspektive nimmt?

Ist das überhaupt eine Wiese, oder hat der junge Mann einen Schatten? Warum ist sein Kopf so groß, sind das schon Strahlenschäden? Ist das Schild ein Warnschild nach dem Motto: „Wenn ihr Ökos mir das Kraftwerk wegnehmt, gibt’s auf die Nuss!“?

Und glaubt ihr echt, dass ihr mit dieser verspulten Mischung aus Bilderrätsel und Protestcollage irgendwen erreicht? Kein Wunder, dass die Atomkraftbetreiber sich permanent unverstanden fühlen.

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