Der Bundestag hat beschlossen: Wir schicken gut 500 Soldaten mehr nach Afghanistan. Um den Abzug vorzubereiten. Klingt wie der Einstieg in den Ausstieg, das kennt man ja von der Atomenergie, das mündet schnell mal in einer “weiter so”, obwohl es auch für die Taliban derzeit kein genehmigtes Endlager gibt.
Die Linke hat Plakate mit den Namen von Kundus-Opfern hochgehalten und wurde dafür vom Bundestagspräsidenten in Rekordzeit des Saals verwiesen. Der schwarze Baron hat süffisant hinterher ge-guttit: “An manchen ist die Kinderstube in Lichtgeschwindigkeit vorbeigerauscht”. An anderen ist ihr Leben in Lichtgeschwindigkeit vorbeigerauscht. Und es kann auch nicht jeder Spielzeugpanzer in seiner Kinderstube gehabt haben, das ist schon okay.
Die Linke findet, ihre Aktion sei ein würdiger Akt gewesen, denn bei Gedenkschildern für Verstorbene handele es sich ja nicht um politische Plakate. Wir reden noch mal, wenn im Landtag die ersten NPD-ler vorwurfsvoll Plakate hoch halten, auf denen steht “Adolf H. , April 45, Berlin”.
Dass man mit so was gegen die Geschäftsordnung verstößt, hätte die Linke wissen müssen, immerhin hat sie den entsprechenden Beschluss im Frühjahr 2009 mit beschlossen. Angeblich hatten sie nur mit einer Rüge gerechnet, dazu hätten sie die Plakate aber schneller wieder einpacken müssen, auch linke Reflexe wollen gut trainiert sein! Aber so ist das halt, wenn Lafontaine im Saarland bleibt und Gysi auf Dienstreise ist, dann ist die Linke allein zu Haus und führt wie eine Volkstanzgruppe Rituale auf, die früher zum Repertoire der Grünen-Folklore gehörten, denn einer muss es ja machen.
Ärgerlich nur, dass dieser kalkulierte Pseudoskandal nach dem Westerwelle-Haider-Prinzip funktioniert, der volkszornschäumenden “Man wird doch wohl noch aussprechen dürfen…”-Attitüde, die noch nie irgendeinem Opfer was gebracht hat und jede ernsthafte Debatte wie eine Empörungs-Stinkbombe unproduktiv vernebelt.
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