Man muss immer genau hinlesen. Wenn im Reiseprospekt was von “Meerblick in unmittelbarer Gehweite” steht, dann bedeutet das, dass man nach ein paar Stunden Fußmarsch den Weg ans Wasser sieht. Wenn auf dem Eierkarton steht “aus Bodenhaltung”, dann heißt das, dass die Hühner in der Massentierhaltung nicht auf Gittern stehen, sondern direkt in ihren Nicht-Ei-Ausscheidungen. Was aber zum Hühnerhenker bedeutet auf einer solchen Schachtel der Satz “Freier Auslauf in der Natur”???
Haben die Viecher einmal in ihrem Leben einen Wandertag, wo sie mit dem Bus auf eine Wiese gefahren werden, mit Möglichkeit zur Teilnahme an einer Verkaufsveranstaltung, in der man ihnen überteuerte Federbetten andreht? Wer hat überhaupt den Auslauf? Die Eier? Werden die durch den Wald gerollt?
Oder geht es um den abgebildeten Bauern, der vielleicht bei “Bauer sucht Frau” leer ausgegangen ist, aber dafür gerne wandert? Ist der gar ein Freier und unterwegs auf dem Landstrich? Hatten nicht auch Hänsel und Gretel freien Auslauf in der Natur und wären dabei eigentlich ein Fall fürs Jugendamt gewesen?
“Freier Auslauf in der Natur” soll wohl neidisch machen, nach nackten Schwedinnen klingen, die aus der Sauna in den Schnee stürmen. Auf dass der Kunde sagt: “Ich wollt, ich wär ein Huhn, äh, öfters draußen!” Das sind also die idealen Landeier für chronische Stadteier. Clever.





