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Archive for Januar 2010

Ich glaub, die FDP hat wirklich gedacht, der Wähler habe sie um ihrer selbst willen gewählt. Und gemocht. Die FDP hat sich ein paar Monate glatt beliebt gefühlt, kokett ihre Sozialkompetenz geschürzt und mit dem Seehofer geflirtet.

Jetzt sieht die Kanzlerin immer öfter so aus, als sei ihr der Koalitionspartner so unangenehm wie kleine Geschwister, die jede Party mitfeiern wollen. Und der Wähler ist von den Liberalen und den dazugehörigen 4 Ministern nicht mal wirklich enttäuscht, sondern sagt sich nur: “So, nu ist aber auch mal gut”. Das ist weniger als Liebesentzug, das ist die Realitäts-Pille danach.

Und schon denken die ersten FDPler über die Abschaffung des Hotelübernachtungs-Bonus nach, oder zumindest über den Verzicht auf den E-Personalausweis. Vergebliche Liebesmüh. Das war nur ein kleiner Ballermannflirt. Spätere Heirat ausgeschlossen.

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Sofas Welt

Wer mal richtig schräg draufkommen will, aber keine Drogen zur Hand hat, dem empfehle ich einfach den Sofakauf im Möbelhaus. Allein diese Luft! Eine Mischung aus Kunststoff, Leder und 4711 mit dem leichten Hauch gebrannter Mandel im Abgang. Dazu dann Teenager, die ausprobieren, ob man auf der Sitzlandschaft gut knutschen kann. So, dass man ihnen zurufen möchte: Wenn ihr poppen wollt, dann geht doch bitte in die Bettenabteilung!

Sehr en vogue sind zurzeit diese Riesensofas, mit so tiefen Sitzflächen, dass man mit den Füßen nicht mehr auf den Boden kommt, eine Infantilisierung sondergleichen. Daneben dann Couch-Objekte, denen so viel Design eingepreist ist, dass man dafür das mittlere Jahresgehalt eines umgeschulten Webdesigners hinblättern soll.

Dazwischen zur Belustigung des Personals immer mal wieder ein Sitzsack. In dem regelmäßig Kunden hängen bleiben, weil man sich beim Aufstehen nirgends abstützen kann. Und dann muss man über diese gefürchtete Kombitechnik aus Purzelbaum und stabiler Seitenlage versuchen, wieder in den Stand zu kommen.

Im Ausstellungsbereich mit den Fernsehsesseln haben sich verlassene Familienväter der Altersklasse 50+ eingenistet, die mit mutwillig herbeigeführten Schlummerattacken schnurchelnd das Material einer harten Belastungsprobe unterziehen. Ansonsten überall Glas, Chrom und der zeitgemäße Ausbund von Unpflegbarkeit: die sogenannte Klavierlackoptik. So dass man sich vornimmt, bei nächsten Mal gleich die Putzfrau ins Möbelhaus mitzunehmen, damit sie aus der fachlichen Perspektive ihres häuslichen Aufgabenbereichs heraus kommentieren kann: “Joiii! Ist sich sähr wänig pfägeleichtäs Oberflächä!”.

Wenn man dann nach gemessenen zweieinhalb Stunden und gefühlten 3 Jahren den Megamonstermöbelmarkt verlässt, hat man die Taschen voller Visitenkarten von Verkäufern, die sich einem vorgestellt haben, um dann für immer zu verschwinden. Und im Kopf diese herrliche Leere, die irgendwie danach schreit, eingerichtet zu werden. Muss aber nicht.

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Wir sind Nachhilfe. In Ländern wie Finnland, Kanada oder den Niederlanden kommen die Kinder weitgehend ohne aus, bei uns brauchen schon 14,8% der Viertklässler Nachhilfe in Deutsch. Die Schulen vermitteln nur noch die kulturellen Grundtechniken wie aufrechten Gang, Stillsitzen und Nichtpopeln.

Eben alles, was man braucht, um in der Lage zu sein, Nachhilfe zu bekommen. Nicht für die Schule lernen wir, nicht für das Leben, sondern erst mal für die Nachhilfe. Und deren Kosten sind dann quasi die Schulgebühr des kleinen Mannes.

Langfristig brauchen wir so an den staatlichen Schulen keine Lehrer mehr, da langen Aufpasser und Hilfsdompteure, vielleicht auch umgeschulte Stahlarbeiter auf Ein-Euro-Basis. Echte Lehrer gehen in die freie Wirtschaft und machen private Nachhilfeschulen auf. Direktoren fühlen sich überflüssig, springen vor den Schulbus oder kümmern sich vorwiegend darum, mit paramilitärischen Söldnern die Sicherheit zu gewährleisten.

Irgendwann werden die Schulen keine Namen mehr haben, sondern durchnummeriert wie Käfige in der Massentierhaltung. Die Nachhilfeinstitute werden sich nach Anne Frank oder Alexander von Humboldt benennen und am Ende auch die Zeugnisse ausstellen. Für Geld natürlich.

Die staatlichen Schulen werden dann mitsamt der darin (in jeder Beziehung) sitzen gebliebenen Restschüler mit Beton aufgefüllt und als mysteriöse Kulturdenkmäler, vergleichbar den ägyptischen Pyramiden, dem Tourismus zur Verfügung gestellt.

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Winterwahn

Ganz schön winterlich. Diese Woche war es so kalt, dass ich einen Bofrost-Mann gesehen habe, der zum Aufwärmen mal eben kurz hinten in seinen Wagen gestiegen ist.

Heute hab ich die drei Meter von der Straße zur Haustür freigeschaufelt und schon 30 Minuten später war alles wieder weiß. Sisyphos on Ice. Fast so aussichtslos wie der Versuch, die Biotonne zu begrünen, was ja nie klappen kann, weil sie ja immer, wenn es zu sprießen beginnt, schon wieder geleert wird.

Auf dem Weg zur Biotonne müsste man derzeit unbedingt festes Schuhwerk tragen, wenn nicht gar Spikes. Weil ich dazu aber immer zu faul bin, schlittere ich in Hausschuhen dort hin, in einer wilden Kür ohne Musik, aber mit Abfall in den Händen. Ich bin die Katherina Witt des Müllrausbringens. Nicht so elegant, aber dafür mit den besseren Flüchen auf den Lippen. Immer befürchtend, dass mein Nachbar draußen steht und dann eine Punktetafel hochhält.

Nieselregen und Matsch, das wär es jetzt! Dieses Jahr ist der Winter so streng, als hätten wir was ausgefressen. Irgendwie alttestamentarisch strafend. Man möchte sich fast schon auf den letzten Drücker Winterspeck anfuttern und erwischt sich regelmäßig, wie man gedankenversunken am Wegesrand in die Meisenknödel beißt. Und nicht vergessen: Wenn ihr einen Bofrost-Mann seht, müsst ihr ihn berühren, das bringt Glück und Frühling.

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Heute um 19:00 passierts, dann legt Steve Jobs ein revolutionäres Technik-Ei, oder besser: “i”. Warum Apple als zukunftsweisend gilt und nicht Deutschland, das sieht man, wenn man in den aktuellen Nachrichten einfach wenige Wörter austauscht:

“Das wichtigste, was ich je gemacht habe”, so zitieren die Nachrichtendienste in den letzten Tagen die Unions-Chefin Angela Merkel. Bis zuletzt soll sie mit Hand angelegt haben. Wenn es 19 Uhr ist, wird sie die Bühne betreten, wie immer im Hosenanzug mit Blazer. Nach einigen einführenden Worten zu den aktuellen Umfragewerten wird sie dann das Konzept vorstellen, um das sich seit Wochen Legenden ranken.

Welchen Namen es bekommt, ist dabei egal. Wichtig ist: Merkel wird das next big thing des christlich-liberalen Zeitalters vorstellen, die Eierlegende Wollmilchsau wird Wirklichkeit. Nur harte Kritiker zweifeln noch daran, dass die Polit-Tüftlerin mit dem neuen Plan die komplette Wählerschaft in ihren Bann zieht. Die Visionärin und Perfektionistin will heute Abend alles bisherige in den Schatten stellen.

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Die Lachplatte geht weiter. Jetzt auf Englisch. Kaum wurde Oettinger nach Brüssel „autgesurst“, sorgt er mit öffentlichen Reden auf Oettinger-Englisch dafür, dass 80 Millionen Deutsche vor Guido Westerwelle auf die Knie fallen und um Verzeihung bitten möchten. Guido, dein Englisch ist verhältnismäßig göttlich!

Mit Oettinger hat das Fremdschämen eine neue Dimension erreicht. Wer das sieht und hört, leidet unmittelbar mit und hat multiple Flashbacks von Erinnerungen aus der Schulzeit. In einem steigt eine Mischung aus Prüfungsangst und lingualer Inkontinenz auf. Bald werden in Brüssel die ersten Kollegen mit Sprachgefühl Amok laufen.

Kann nicht der Bundesverband der Englischlehrer den Mann aus dem Amt schießen? Muss da nicht sogar die Bundeswehr ran? Für das, was er da von sich stammelt, würden Fünftklässler selbst an der Waldorfschule mit Karzer bei Wasser und Brot bestraft.

Die Engländer würden diesen Fremdsprachausfluss als direkte Kriegserklärung verstehen, wenn sie es bloß als irgendwas verstehen könnten, was mit ihnen zu tun hat. Holt den Oettinger zurück! Lieber setzen wir uns daheim 80 Millionen Pappnasen auf, ist ja eh bald Fasching.

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Mensch, Lebensmittelverpackungsdesigner müsste man sein, da kann man sich austoben. Sehr gut gefällt mir beispielsweise dieses Werk:

Eine Salami, so fettarm wie die Frauensilhouette oben rechts. Lockerflockig hereingeweht, in der Tasche sicher ein iPhone. Erkennbar ohne Bauchspeck, aber mit hübschem Formvorderfleisch in ausreichender Körbchengröße.

Dynamisch, lebendig und gerade auf dem Weg vom Einkauf ins Büro. Diese Salami sagt: „Iss mich, und du hast Sex in the City!“. Männer müssen leider draußen bleiben, Männer kriegen kein „Du darfst“, Männer kriegen Keule.

„Viel mageres Fleisch“ steht da und unwillkürlich denkt man an Heidi Klum und Germanys next Topsalami. Das kalorienreduzierte Wurst-Covergirl trägt übrigens Pferdeschwanz, eventuell ein Hinweis auf die Beschaffenheit der Salami.

„Über Buchenholz geräuchert“ sind sie wahrscheinlich beide, Aufschnitt und Werbeschnitte. Auch das Qualitätsprogramm der Stiftung Öko-Test garantiert absolutes „Qualitätsfleisch“. Nie war Sinnlichkeit mehr Wurst. Und umgekehrt.

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