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Archive for November 2009

Lyrikhäppchen

Bin grad bis über beide Ohren beschäftigt. Unter anderem mit dem Jahresrückblick-Programm, das kommenden Samstag Premiere hat und schon wesentlich fertiger sein könnte. Deshalb heute hier nur ein kleines Pröbchen, dampfend frisch von der Werkbank. Einmal Strophe und Refrain. Viel Spaß!


Der Roland macht beim ZDF ganz cool den Berlusconi
der Sender wird schon bald eine einz´ge Koch-Show sein
außer für die “Anstalt” schau ich ihn zwar so wie so nie
doch jetzt fließt da immer weiter dieser zähe Kochkäs ein

Im Sport da kommt das Gute schon lang nicht mehr von oben
Zwar ist Dabeisein alles, aber alles ist Kommerz
Blut wird gepanscht und Spiele wer´n verschoben
und nur wenn einer stirbt, haben alle plötzlich Herz

Der Wahnsinn hat sich schick gemacht
und ein paar Freunde mitgebracht:
Wie ein Maßanzug in der Trans-All
Wie Ökostrom von Vattenfall
Wie ein Zitronengrasspieß im Döner
- das wird ja alles immer schöner!

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Die spinnen, die Schweizer. Jetzt haben sie in einer Volksabstimmung beschlossen, dass keine Minarette mehr gebaut werden dürfen. Weil die Schweiz ja schon völlig verspargelt war von diesen Dingern, den vieren, die es bisher gab. Gibt es Schweizer, denen das jetzt peinlich ist und wie kann man ihnen helfen?

Wir könnten aufblasbare Gummiminarette einführen und beim Wandern am Wegesrand stehen lassen. Wir könnten im Souvenirshop kleine Aufkleber auf die Taschenmesser und Schokitafeln kleben mit dem Hinweis “garantiert minarettfrei!”.

Tolle Volksabstimmung: Gut 50% haben gewählt, von denen waren gut 50% gegen die Minarette. Das heißt, dass 25% der wahlberechtigten Schweizer das Land als inzestgeschädigtes Deppenvolk mit löchrigen Provinzhirnen dastehen lassen. So ein Käse.

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Misantrophischer Anfall

Vorweihnachtszeit ist Spendenzeit. Gestern stand wieder ein Johanniter vor der Haustür und hat gesagt, dass sie Spenden brauchen, aber kein Geld sammeln dürfen. Deshalb soll ich Fördermitglied werden und meine Kontoverbindung angeben, damit sie mir jährlich was abbuchen können. Ich sag dann immer: “Lassen Sie mir ein Formular da, an der Haustür mach ich das jetzt nicht”. Der Johanniter hat geantwortet: “Dann eben nicht. Ich wünsche noch einen schönen Tag.”. Und weg war er. Ich war froh, dass er mich nicht verflucht hat.

Bin ich jetzt schon ein schlechter Mensch, weil ich spontan keinen Dauerauftrag unterschreiben will? Hätte er eine Spendendose dabeigehabt, ich hätt glatt nen Schein reingesteckt. Und das wäre nicht das erste Mal gewesen. Ich hab im Internet nachgeschaut: Da kann man den Johannitern beliebige Beträge spenden. Kann sein, dass dann nicht an die Jungs vor Ort geht, aber das ist wohl ein vereinsinternes Problem. Ich bin ja nicht wie die Rentnerin im Bekanntenkreis, die den Unfallfliegern der Bergwacht spendet, weil sie im Hochhaus wohnt und hofft, im Krankheitsfall ausgeflogen zu werden. Ich überleg mir schon, was ich sinnvoll finde. Und wie viel und wie oft.

Post gab es auch. Ein Brief, auf dem stand: “Wichtige Mitteilung von Ulrich Wickert”. Aha, dachte ich, es geht um Rotwein und französischen Rohmilchkäse. Nein, ich soll eine Patenschaft übernehmen für ein armes Mädchen aus Indonesien. Es liegt ein Kinderfoto bei und ein “Freundschaftsband der Hoffnung”. Also genau genommen ein buntes Bindfädchen, das so dünne ist, dass ich denke: Damit wäre Wolfgang Petri nicht weit gekommen. Freundschaftsbändchen und Kulleraugen und Ulrich Wickert, der sich zusammenreißt und nicht einziges Mal “und jetzt das Wetter” sagt.

Beim Bäcker kaufe ich ein Brot. Und dann stell ich fest, dass da eine “Ein Herz für Kinder”-Banderole drum ist. Es geht um Spenden. Ich kann nicht mehr. Ich mach dicht. Johanniter und Kinder und wohltätige Brote. Alles innerhalb von 24 Stunden. Ich sag mal so: Wenn ihr eure Spendenanfragen gleichmäßig übers Jahr verteilen, euch nicht so auffällig an Weihnachten dranhängen und mich dabei von Betroffenheitskitsch verschonen könntet – da wäre uns allen geholfen. So. Und jetzt komm ich mir zu allem Überfluss auch noch vor wie Ebenezer Scrooge.

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Bitte nicht lesen!

Also: Der Jung konnte von den zivilen Opfern nix wissen, weil das stand ja in einem geheimen Bericht der Feldjäger, den er nach Brüssel weitergeleitet hat, ohne ihn zu lesen. Ist ja auch lästig, dieser Papierkram. Und dann geht es ja auch nur um den Afghanistaneinsatz, Bomben und zivile Opfer, da kann man echt nicht groß ins Detail gehen.

Vor allem, wenn es nur noch 3 Wochen bis zur Bundestagswahl sind und der Minister davon ausgeht, dann eh erlöst zu werden. Dass er aus Proporzgründen als Arbeitsminister weiterkaspern muss, konnte er ja nicht wissen, das haben Merkel und Koch unter sich ausgeschnickschnackschnuckt. Ohne ihm etwas zu sagen. Vielleicht hätte er es in irgendeinem Geheimpapier nachlesen können. Papierkram.

Die Feldjäger haben in ihren Bericht vor einer Weitergabe gewarnt. Weil er „ohne begleitende fachliche Kommentierung“ negative Folgen haben könne. Wahrscheinlich war die Weitergabe an Jung gemeint. Und sie haben ihm sicherheitshalber einen „Bitte nicht lesen“-Vermerk draufgeklebt. Mit einem Top-Gun Guttenberg kann man das nicht machen, da wird der sauer. Er hat ja zeitig sein Young-Leader-Diplom gemacht, damit er was Eigenes hat. Führen kanner. Wohin ist ein anderes Thema.

Was mich an der Affäre aber am meisten irritiert: Das Ganze ist ein Coup der Bildzeitung. Die hat den geheimen Bericht, die wird überall zitiert, die fragt, wie lange Merkel den Jung noch halten will. Wenn Bild gegen ihn ist, müsste ich dann nicht hinter dem Minister stehen? Oder: Von wem lässt sich Bild einspannen und für wen ist Jung nur der leichtentzündliche Strohmann?

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In einer Stunde will Franz-Josef Jung vor den Bundestag treten und sich erklären. Damit wir ihn verstehen. Damit wir wissen, ob uns Informationen vorenthalten worden sind, oder ihm. Damals, als im Frühherbst alle Welt schon früher wusste, dass wir Deutschen nicht nur einen Tanklastzug in die Luft gesprengt haben, sondern auch Zivilisten. Bei denen Jung bis heute nicht weiß, ob er davon eigentlich was weiß.

Kann Jung überhaupt in solchen Situationen eine gute Figur machen, oder hat er nicht eh eine chronische Minderbegabung in Sachen Souveränität? Genau deshalb glaube ich nicht, dass er uns damals belogen hat, dabei wär er rot geworden. Und darum haben ihm die Militärs die entsprechenden Berichte und Bilder nicht vorgelegt, weil sie das Gestammel nicht in der Tagesschau sehen wollten.

Das war der Minister, der statt des Wörtchens “Krieg” einen weißen Fleck im Wortschatz hatte und der von seinen Mitarbeitern so gepampert wurde, als könne er nachts nur mit Leuchtmond in der Steckdose schlafen. Also ein unwürdiger Verteidigungsminister. Den man auch nicht so einfach umkneten kann in einen würdigen Arbeitsminister. Also wäre Zurücktreten ein erster Schritt nach vorn. Aber soll er sich doch erst mal erklären. Damit er sich versteht.

Ansonsten gilt weiterhin:  Jung sieht immer älter aus

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Anlässlich des aktuellen Fußballskandals stellt Heribert Prantl in der Süddeutschen fest: Sportbetrug ist juristisch kaum zu greifen, weil Bestechungsdelikte nur bei Amtsträgern vorkommen und Korruption nur im Geschäftsverkehr. Sport ist aber juristisch gesehen nicht einmal ein Gewerbe.

“Gewerbe” nennt man eine selbständige, nach außen erkennbare Tätigkeit zum Zwecke der Gewinnerzielung. Also zum Beispiel Prostitution oder Profifußball. Mit Sport im eigentlichen Sinne hat das beides nichts zu tun. Der Sportsgeist ist halt kein Gewerbegebiet.

Anders gesagt: Gewinne zu machen, ist unsportlich. Bin mal gespannt, wann die “Initiative neue sportliche Machenschaften” in einer Kampagne fordert, dass Leistungssport sich wieder lohnen muss.

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Unsere Regierung versucht, in einer Mischung aus Dadaismus, Lobbyismus und Voodoo dem Hotelgewerbe durch eine reduzierte Mehrwertsteuer aus der Krise zu helfen. Das soll angeblich den Übernachtungsmarkt ankurbeln. Verstehen tut das keiner, nicht mal die Merkel.

Denn die Hotels werden die gesparte Steuer nicht an den Kunden weitergeben können und wollen. Und die Spesenritter, die auf Geschäftsreise sind, die haben sich bisher immer die 19% vom Finanzamt wiedergeholt, künftig werden es dann nur noch 7% sein. Das heißt: Es wird für die Kunden unterm Strich sogar teurer. Dann kann er ja kommen, der Boom.

Wirklich pfiffig ist die Hotelbranche in Großbritannien. Da bietet eine Kette jetzt über die Weihnachtsfeiertage günstige Zimmer zum Schwiegermuttertarif an. Großartige Idee! Mutti wird nach der Bescherung zeitnah rüber in ihre Suite gefahren und schon kann der Rest der heiligen Familie noch gemütlich einen kippen, ohne dass es zum üblichen Hauen und Stechen kommt.

Familienstreit ist out, lang lebe Holiday Inn! Jetzt bin ich mir nur noch unsicher, ob die Briten den besseren Geschäftssinn, oder einfach nur die schlimmeren Schwiegermütter haben.

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Hard Rock Erika

Immer hat sie Steine im Weg, die Kanzlerin. Steinmeier und Steinbrück ist sie gut losgeworden, den einen hat sie in die Opposition katapultiert und den anderen in die freie Wirtschaft vertrieben. Der aktuelle Stein ist ein zäher Brocken, eine Frau.

Erika Steinbach ist Vertriebenenpräsidentin und in Warschau noch unbeliebter als ein Polenwitz. Weil sie nervt und es mit Grenzen nicht so genau nimmt, wie ein Dieter Bohlen der Vertreibung. Aber sie will unbedingt in den Rat der “Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung”. Angie könnte auf sie verzichten. Bloß die CDU-Hardliner nicht, die sagen: “Das kann sich der Pole nicht aussuchen, wie wir uns mit ihm versöhnen!”

70 Jahre nach dem eben diese Polen (konservativ gefühlt) in Deutschland einmarschiert sind, liegt die Steinbach wie ein Findling im Weg und ist der europäischen Völkerverständigung blöd auf die Füße gerollt. Westerwelle könnte auch auf sie verzichten. Doch die Vertriebenen sind halt ein Teil des christdemokratischen Brauchtums und gehören zu der Ecke der Union, die sich hartnäckig nicht aussitzen lassen will.

Und die Steinbach lässt sich nicht mal mit lukrativen Posten oder finanziellen Zusagen bestechen. Da ist sie flexibel wie Granit. Steinbach und Merkel: Granit trifft auf Wackelpudding, das ist ein echter Kulturschock. Im Grunde unversöhnlich.

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Die Sonntagsfrage

Der Wortwitz an und für sich ist ja eine Art Billigdroge, quasi das Klebstoffschnüffeln der Kleinkunst. Einmal angefangen, kann man damit nicht mehr aufhören. Irgendwann liegt man nur noch grinsend im Eck, übt sich in Schnappatmung und vernachlässigt sein soziales Umfeld.

Manche Wortwitze sind so gefährlich blöd, dass man sie nie auf einer Bühne verwenden sollte. Aber sonntags bloggen kann man sie immer. Am besten als Bilderrätsel. Die Quizfrage des Tages lautet also: Welche Hauptfigur einer TV-Serie ist hier dargestellt? Wer innerhalb der nächsten 24 Stunden als Erster auf die Lösung kommt, gewinnt einen Ehrentitel und einen Reisetipp. Also bitte:

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Der Fortschritt zeigt die Krallen

Mit Ach und Krach und dem elftschnellsten Supercomputer der Welt hat IBM jetzt erstmals die Rechenleistung eines Hirns simuliert. Allerdings keines Menschenhirns. Auch nicht dessen von Heidi Klum.

Man bewegt sich da derzeit auf dem Niveau eines Katzenhirns, immerhin. Das heißt: Computer sind heute schon so komplex, dass sie vielleicht sogar Menschen dazu bringen können, ihnen eine Dose aufzumachen. Außerdem kann der Katzencomputer wahrscheinlich wahnsinnig gut ignorant an dir vorbei schauen. Und wenn du bloggen willst, legt er sich einmal quer über die Tastatur.

Wenn du ihn fragst, was 2 plus 3 ergibt, leckt er sich die Pfote. Oder dreht sich um und würgt dir einen Haarballen vor die Füße. Das ist ein Computer, der mit seiner eigenen Maus spielt und dann plötzlich das Interesse dran verliert. Beim Hochfahren schnurrt er. Sobald du ihn an Linux gewöhnt hast, will er nur noch Windows. Und sobald du ein Fenster geschlossen hast, kratzt er dran, bis du es wieder aufmachst.

Wenn der technische Fortschritt so weiter geht, werden bald die ersten Computer wie Hunde funktionieren. Und in der Nachweihnachtszeit an der Autobahn ausgesetzt.

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