Bundestagswahlkampf in meinem Briefkasten. Heute war da ein „persönlicher“ Brief von Frank-Walter Steinmeier, mit der „handschriftlichen“ Anrede „Liebe Leserin, lieber Leser“. Es geht also gar nicht um Wähler, hm? Geschickter Schachzug, so ein netter Brief unter Lesern, der Frank-Walter liest bestimmt auch gern.
„Danke, dass Sie sich Zeit nehmen für meinen Brief“, sagt er. Und dass die Wirtschaft für die Menschen da sein muss, dass wir Bildung und Mindestlöhne brauchen, sichere Renten und bezahlbare Gesundheit. Und schon bereut man, sich die Zeit genommen zu haben. Bis auf die Mindestlöhne würde das wohl jede Merkel mitunterschreiben.
Und wilder wird’s nicht in dem Bittbrief. Keine Zuspitzung, keine Pointe, kein starker Satz. „Ich verspreche Ihnen, dass ich hart für sie und unser Land arbeiten werde“. So weit sind wir schon, dass Spitzenpolitiker versprechen müssen, ihren Job ernst zu nehmen.
Wieder „handschriftlich“ schließt er: „Es grüßt sie herzlich ihr Frank-Walter Steinmeier“. Ich grüße herzlich zurück. Wir können uns ja mal auf ein Bier treffen, wenn die Wahl rum ist. Und Buchtipps austauschen, von Leser zu Leser. Bin gespannt, wann die WIR-Angie schreibt.
Welche Wähler will man mit so einem Schreiben gewinnen? Die ohne Fernseher, aber mit Briefkasten? Die die immer sagen: „Och, immer Rechnungen, mir schreibt nie einer!“? Oder die, die sich von herzlichen Grüßen derartig in die Pflicht genommen fühlen, dass sie aus alter Verbundenheit überall ein Kreuz machen werden, wo Frank-Walter danebensteht? Und dann schreiben sie noch „Grüße daheim!“ auf den Wahlzettel und machen ihn damit ungültig…




Mir hat er leider nicht geschrieben, der Herr Steinmeier.
Und Frau Merkel übrigens auch nicht, und auch sonst keiner…
Ich bin sooo enttäuscht! Dachte ich doch, der Frank Walter Steinmeier ist meiner und schreibt nur mir.
Ein bisschen doof fand ich ja, dass er sich schon am Anfang bedankt, dass ich mir die Zeit für seinen Brief nehme. Da wusste ich nämlich noch gar nicht, ob ich das wirklich will. Und dann habe ich mich geärgert. Der Brief hat nämlich eine ganz unangenehme Eigenschaft: Außer dem allgemeinen Wischiwaschi ist nämlich in jedem Absatz ein Wischiwaschi zu besonderem Wischiwaschi gemacht worden, indem es fett gedruckt wurde. Das kann ich ja nun gar nicht ab. So schreibt man an Doofe, aber nicht an Leute, deren Unterstützung man sucht.
Gut, dass Papier recycelbar ist.
Merkel schreibt bestimmt nicht. Bittbriefe sind unter Kanzlerinnenwürde.
Während Obama twittert und bloggt, schreibt Franz-Walter Briefe.
Merkel schickt wahrscheinlich Ihre Wahlwerbung per Brieftaube, hab extra zu Hause mal das Fenster offen gelassen.
Die Ami’s sind uns wie immer meilenweit voraus. Obama hat vorgemacht, wie ein „moderner“ Wahlkampf auszusehen hat! Der Brief von Hr. Steinmeier machte auf mich eher den Eindruck von lästiger Werbung!
das kannste sogar fettdrucken !
schöner Artikel, der mich persönlich zu einem eigenen Brief an Frank-Walter Steinmeier angeregt hat:
http://predatoryfish.wordpress.com/2009/09/21/lieber-frank-walter/
Mich hat geärgert, dass ich den Brief bekommen habe, obwohl auf meinem Briefkasten „Keine Werbung“ vermerkt ist. Das Schreiben an sich war Geldverschwendung.
So ist das manchmal: Mit Geld bleibt die Kreativität auf de Strecke. Aber das war der gefühlte tausendste Fehler der SPD im Wahlkampf.