Weil wir alle den letzten amerikanischen Wahlkampf so toll fanden, macht RTL dieses Jahr „Townhall Meetings“ mit den Spitzenkandidaten. Da sollen Bürger auf Politiker treffen. Damit das formal und inhaltlich auf Studiogröße eingeschrumpfte Stadthallentreffen auch garantiert langweilig wird, moderiert Peter Kloeppel, die Ikone des betroffenheitsseeligen Informationsverdrusses.
Neulich war Merkel da, durfte, weil sie ja bekanntermaßen Sitzkandidatin ist, locker im Sessel ihre Mischung aus Inge Meysel und Madeleine Albright performen, ihre sattsam bekannte Mutti-mit-Verantwortungs-Nummer. Gestern kam Stehkandidat Steinmeier und hat wie der berühmte Brandlöschexperte „Red Baron“ in mir sämtliches mutwillig ausbrechen wollende Feuer der Begeisterung ausgelöscht.
Steinemeier ist der Sandsack der Sozialdemokratie, mit dem man sich nicht mal schlagen möchte. Schlaff baumelt er im Wahlkampf rum, verwandelt jeden Hieb in dumpfe Sandsackgeräusche und lässt Merkel wenn auch nicht als das kleinere Übel, dann doch zumindest als das schon vertrautere dastehen. Selbst wenn sie sitzt. Sie ist ein Sitzübel, das ist das Angenehme: Wenn sie sich erhebt, wird es auch nicht schlimmer.
Bisher dachte ich, der Frank-Walter, das ist einer, mit dem kann man auch mal ein Bier trinken. Jetzt weiß ich, das Bier wäre im Handumdrehen abgestanden aus purer Verzweiflung über die kaltschweißige Jovialität, polithandwerkliche Selbstverliebtheit und pappmarchéartige Menschlichkeit des Kandidaten, dem quasi auf der Stirn steht „Ich bin die Sackgasse der SPD“.
Tiefpunkt war sein freudscher Versprecher in der paarunddreißigsten Minute, als er von den 146 Jahren Geschichte sprach, „die die SPD mittlerweile aus dem Buckel hat“. Also aus dem Kreuz gewissermaßen. Diagnose: Hohlkreuz. Ich werd mir was Neues ausdenken müssen, wie ich an der Urne Schwarzgelb verhindern kann.



