Heute ist wieder ein Festtag, denn in meinem Briefkasten war die neuste Ausgabe eines von mir hoch geschätzten Periodikums, des „Rundenhefts“ des örtlichen Sportvereins, in dem existenzielle Fragen und Probleme in einer lyrischen, scheinbar naiven, aber dabei hochexperimentell grenzgängerischen Sprache verhandelt werden.
Dramatisches Hauptthema ist das Scheitern des Menschen, sein Hineingeworfensein ins Schicksal, konkret die phänomenologische Auseinandersetzung mit den Motivkomplexen „Mitgliederschwund“ und „Spielniederlage“.
Ich zitiere: „Im Training sind immer über zwölf Mann, nur samstags beim Spiel sieht es manchmal dünn aus. Mittwochs dagegen sind immer über 17-18 Spieler da“. Geht es uns nicht allen so? Mittwochs würde man gewinnen, wenn man spielen könnte.
Oder: „Mit einem Aderlass von gleich 5 Spielern ist die Erneuerung mit Gewalt vorangetrieben worden. Anfragen anderer Vereine machten sie weich. Wenn man bedenkt, dass wegen ein paar Euro Zeit und Geld auf der Straße liegen bleiben und die Kameradschaft verkauft wird…“. Jetzt weiß ich auch, warum es immer heißt, das Geld liege auf der Straße!
Besonders gefällt mir diesmal folgende Bildunterschrift: „Unten sind die weiblichen Fans der Ersten Mannschaft zu sehen. Trotz großer Hitze wird das Sonnenbad im Schatten gesucht“. Ich denke, hier ist das Kern-Dilemma formuliert. Der aussichtslose Kampf derer, die das Sonnenbad im Schatten suchen. Tragisch.




Was für ein philosophischer Tiefgang: Das Sonnenbad im Schatten. Das ist genauso, wie wenn die Bundesregierung ein Geldbad im Schuldenloch nimmt. Ergreifend!
Ich find’s toll, dass Du den Tiefgang dieses Werks herausstellst. Jegliche Ironie wäre hier schlicht fehl am Platze…
Schön, dass auch Ihr nicht in billigen Spott verfallt