Verdrängen will gelernt sein. Eine grausige Vergangenheit ist da oft hilfreich. Wir hatten das Dritte Reich, die Stasi, Helmut Kohl und einen Song-Contest-Flop nach dem anderen. Wir sind Krise gewöhnt. Krise ist Teil unseres Nationalcharakters und unseres kollektiven Unterbewusstseins. Wir sind geübte Hysteriker, Deutschländer Würstchen im Daueralarm, immer dieses leichte Zittern im Augenwinkel und dieses freudig erregte Sausen um die Muffe.
Die Krise ist das Grundrauschen unserer Identität. Sie macht uns zu dem, was wir sind: fleißige Perfektionisten, Bierzelteinnässer, Kinderhasser, Nachbarbeobachter, Ballermänner, Autobauer, Opernbesucher und Freizeitkleidungsträger. Ohne Krise wären wir nichts, bloß langweilige Weltbürger.
Mit Krise laufen wir auf Hochtouren, da rocken wir das Hamsterrad. Wir verdrängen die Krise in den Untergrund, bauen sie dann da im Bergwerk unseres Egos unterirdisch ab und verwandeln sie in pure Energie, unseren größten Treibstoff. Sag einem Deutschen, dass die Krise kommt und er hat nur eine Frage : super oder normal?




Hier wird nix verdrängt, die hiesigen Fatalisten ergötzen sich an der Krise. Man hat nun endlich den idealen Schuldzuweiser für miese Arbeit, geplatzte Schecks,unterbezahlte Angestellte, fiestaberauschte Tintoschlucker und entschuldigt damit alle Ablehnungen, Ausladungen und Abmahnungen.
*La crisis* eben, nicht zu verwechseln mit Mißwirtschaft, denn dafür müsste ja eventuell jemand selbst die Schuld sich aufladen.
Fatalismus plus Lebensfreude plus gutes Wetter. Beneidenswert!
In Frankreich haben wie nur eine crise de foie, eine Leberkrise. Soll ich die Anleitung über den Rhein schicken?
Santé!
Frankreich hat Carla Bruni, fertig.