Heute war es mal wieder so weit. Wir haben vorweihnachtliche Lichterketten an die Fenster gehängt. Nicht an alle, nicht viele, ich will ja nicht, dass aus Versehen eine Boing hier landet. Aber die Dame des Hauses besteht mit gewissem Recht auf saisonal-dekorative Mindeststandards.
Und gegen ein wenig Blingbling ist nix zu sagen, vor allem, weil wir es ja mit dem guten, schweinekorrekten Ökostrom befeuern und gleichzeitig ein leuchtendes Fanal gegen die Rezession setzen. „Jawohl, hier wird lustvoll konsumiert! Und wahrscheinlich werden sogar Geschenke verschenkt! Zittere, du Krise!“, das ist die frohe, leichtherzige Botschaft.
Von wegen leichtherzig. Ich sage nur: der Sternenvorhang! Das ist ein neuzeitliches Folterinstrument, das eigentlich gegen die Genfer Konventionen verstößt. Weil a) die Leuchtsterne scharfe Spitzen haben, und b) das Ganze praktisch unentwirrbar ist. Man sitzt damit wie der letzte Vorweihnachtsdepp fluchend eine Stunde auf dem Fußboden, sucht Anfang und Ende, piekst sich in die Fingerspitzen, bekommt abwechselnd Schreikrämpfe, Marienerscheinungen und Depressionen, bis dann in der neunundfünfzigsten Minute die Partnerin erscheint und den Knoten mit einem Handgriff und den Worten „Kann doch nicht so schwer sein!“ auflöst. Das ist wie bei dem Marmeladenglas, wo immer ein Opfer benötigt wird, das die schweißtreibende und handgelenkverschleißende Vorarbeit leistet, damit dann irgendein Held mit leichter Hand den Deckel quasi reibungslos vom Glas springen lässt.
Ja, der “Sternenvorhang“ lehrt Demut, er ist ein alljährliches Ein-Personen-Passionsfestspiel mit mir als Hauptdarsteller, der dann zur Illustration der Ungerechtigkeiten der Welt von der Nebendarstellerin in einer kleinen, bitteren Schlusspointe an die Wand gespielt wird.
Aber am Ende, oder wie es Westernhagen sagen würde, „wenn du das Licht siehst“, wird alles gut. Milde leuchten die Sterne, gerührt wischst du dir das Blut von den Fingerspitzen und gehst Duschen. Jetzt kann sie kommen, die Boing, äh, die Vorweihnachtszeit.




Soso, jetzt weiß ich auch, wer hier ein paar Kilometer die Bergstraße runter für kurzzeitige aber überaus heftige Stromschwankungen gesorgt hat… Schönen Nikolaustag noch!