Müntefering wird sein eigener Nach-Nachfolger, das ist ein Comeback, wie man es sonst nur von Tina Turner kennt. Ein Comeback und ein Go-Beck in einem.
Ich hab mir heute die komplette Rede angeschaut, mit der sich der Müntefranz vor 5 Tagen im Münchener Wahlkampf fulminant in die Politik zurückkatapultiert haben soll. Und ich muss sagen: Wenn man davon nicht nur die besten Sätze handverlesen präsentiert bekommt, ist die Rede an sich nicht wirklich der Rede wert. Einiges klingt auch ziemlich hohl und gaga, sowas wie “Sozialdemokraten wissen: Der Fortschritt ist eine Schnecke, aber möglich” oder “Keiner Herr und keiner Knecht, das ist die Wahrheit unserer eigenen Geschichte”. Schnecken und Leibeigene, aha. Da obamat nix, gar nix.
Bei der Berliner Pressekonferenz hat er vorhin ganz witzig auf des Exkanzlers Elefantenrunden-Rüpelei angespielt: “Wenn wir diesmal noch zwei Tage länger wahlkämpfen, dann gibt es am Wahlabend auch eine Einschätzung, die dem Ergebnis besser entspricht”. Und da ist es passiert, der leibhftige Schröder ist in Steinmeier gefahren! Der Kanzlerkandidat stand neben Münte und hat ganz hannöversch-ackermäßig dieses trockene “Haha” gelacht. Das war gruselig. Das sollte er sich schleunigst abgewöhnen, da kostet ihn jedes einzelne “ha” direkt Sympathiepunkte.
Münte fühlt sich fit für seine Partei: “Ich bin heute früh auf dem Band 3000 Meter in 18 Minuten gelaufen, das ist ganz gut für jemandem in meinem Alter”. Ja. Aber wir reden hier von Bundespolitik, nicht von Bundesjugendspielen.
Selbst die unter einem akuten politischen Schleudertrauma leidende Andrea Nahles versucht, sich die aktuelle Situation als kraftvollen Aufbruch schönzudenken. Aber bis Müntemeier und Steinfering tatsächlich zu zaubern beginnen, bis da irgend welche Funken sprühen, wird noch einiges knirschen im Gebälk. Im Moment wirken sie auch einfach etwas erschrocken. Über sich selbst.





Als Andrea Nahles damals den Münte seinen Generalsekretär nicht mittragen wollte, gab in der SPD ein Erdbeben. Der Münteputsch dagegen geht ziemlich glatt über die Bühne. Aber die SPD hat eine Tradition zu verlieren, wenn sie nicht bald auch gegen diesen Vorsitzenden revoltiert.