Frau Honigbrot fährt ein kleines, lustiges Auto von Peugeot. Zweimal waren wir damit jetzt in einem großen, unlustigen Autohaus von Peugeot. Wo man einen Termin ausmacht und trotzdem lange wartet, vor sich lauter fluchende Kunden, die mit Markenwechsel, Sitzstreik oder Amoklauf drohen.
Das hören sich die netten, noch nicht eingearbeiteten, aber schon nach wenigen Wochen erkennbar verschlissenen, knapp besetzten Mitarbeiter der Serviceannahme gezwungen freundlich an. Währenddessen sieht man durch eine Affenhaus-artige Glasscheibe in die Werkstatt, in der genervte Mechaniker blöd rumstehen und Autos beobachten, die gemächlich auf Hebebühnen auf und ab bewegt werden.
Wäre es eine Tanztheaterperformance, würde man sagen: “Ah, sieh, wie bleiern die Zeit vergeht!”. So aber sagt man: “Ich will den Geschäftsführer sprechen!”. Das Autohaus selbst ist so modern und groß, dass man sich in einem futuristischen Museum wähnt, glänzend stehen da die neusten Limousinen und Cabrios und scheinen einem zuzurufen: “Kauf mich, aber lass mich ja nicht reparieren!”.
Diese Filiale ist ein monumentales Denkmal zur Illustration des Sprichworts: “Außen hui, innen pfui.”. Ich dachte immer, mit dem Verkaufen von Autos verdient man kaum Geld. Das Reparieren scheint sich aber auch nicht zu lohnen. Wahrscheinlich leben sie von Kulturfördermitteln des Fonds darstellender Künste, weil es Peugeot gelungen ist, durch irgend eine EU-Gesetzeslücke für seine Filialen den Tanztheaterstatus zu erwirken.
Und jetzt kommt die Krönung: Zweimal waren wir da, zweimal rief genau eine Woche nach dem Werkstattbesuch ein netter Callcentermitarbeiter an, um unsere Kundenzufriedenheit abzufragen. Er hilft einem sogar noch, die treffendste Formulierung zu finden, statt “Scheißladen” tippt er lieber sowas wie “überfordertes Personal, chaotische Abwicklung”. Wir wissen beide, was gemeint ist, nämlich “Scheißladen”. Das muss man Peugeot lassen: Die holen sich ihre Körbe beharrlich ab, da sind sie Profis.
Das nächste Mal gehen wir zu einer weniger repräsentativen Peugeot-Klitsche. Vielleicht passt die dann besser zum Auto: Klein und lustig. Und dem Geschäftsführer der potemkinschen Glasfassaden-Filiale wünsche ich ein baldiges Ende in den Geschmacksrichtungen Groß und Bitter. Ende der Durchsage.




Man müsste die Choreografie der Hebebühnen nur etwas überarbeiten. Zu einem auf und ab im Walzertakt vielleicht noch blechausbeulende Arbeiter, die ihr Material im Takt von Beethovens 5. bearbeiten. Tatatataa. Dann macht sogar das warten Freude. Oder?
Tippt der Call-Center-Boy denn die Beschwerden auch taktvoll in die Tasten?
Tamm ta ta ta ta ta ta tamm ta ta taaaa ta ta ta ta ta ta taaa …
Ganz ohne feuilletonistischen Blick, eher hemdsärmlig: Hebebühnen braucht’s doch inner Autowerkstatt nicht mehr. Da wird man per Computerdiagnose zum automobilen Deppen deklariert. Quasi so: “Aus meiner Lenksäule raucht’s. Da is was kaputt” – “Kann nicht sein, der Computer findet nix.”
Ich glaub auch, die haben diese Hebebühnen nur zum Spaß/aus Langeweile benutzt. Aber ich schwöre: Als ich da reingeguckt hab, war das das Einzige, was sich bewegt hat!