Heute kam mir in der Stadt ein Auto entgegen, das hatte hinten einen kleinen Anhänger mit Heu und vorne ein Schild mit der Aufschrift „Jürgens mobiler Streichelzoo“. Aha, dachte ich, dass ist wohl eine Art Heimservice für Leute, die gerne Tiere anfassen. Stell dir vor, du bist Bond-Bösewicht und würdest gerne, während du vor deinen Überwachungsmonitoren die Weltherrschaft planst, mal was anderes kraulen als immer nur die obligatorische Katze, dann rufst du einfach Jürgen an – tolle Geschäftsidee!
Ich hab dann die dazugehörige Homepage herausgegoogelt und erfahren, dass es natürlich hauptsächlich Kinder sind, die da was zum Streicheln kriegen sollen. Kinder, die Kühe nur lila kennen, oder als Lieblingstier „Sponge-Bob“ angeben, können auf diese Weise erfahren, wie sich ein Hase anfasst und nebenbei lernen, „wieviele Eier ein Huhn am Tag legt“ (wie, ich dachte, das wäre eines alle neun Monate?) oder „warum Ziegen oben keine Zähne haben“ (Daumen-, äh, Huflutscher?).
Toll finde ich die Angebots-Pakete wie den Standard-Streichelzoo (2 Schafe, 2 Ziegen, 20 Kaninchen, 5 Hühner, 5 Meerschweinchen, vier Stunden lang für 300 Euro), den XL-Streichelzoo (bei dem noch ein Hängebauchschwein, Gänse, Ponys, Tauben und ein Bernhardiner draufkommen, die dann alle für schlappe 680 Euro ganze 7 Stunden bleiben – da kannste dich totstreicheln!) und vor allem auch die lebendige Weihnachtskrippe mit Schaf, Ziege und Pony für 75 Euro pro Stunde. Ich kenn das zwar eher ohne Pony, aber dafür mit Ochs und Esel, aber was solls, es ist ja ein Streichelzoo und keine Streichelbibel. Gibts bestimmt auch bald.
Bei allem Jux find ich es schön, auf diese Weise Berührungsängste abzubauen. Das sollte man auch auf andere Bereiche übertragen, zum Beispiel gegen Politikverdrossenheit. Besonders reizvoll wäre es, wenn die Bundeszentrale für politische Bildung kleine Streichelregierungen stundenweise durchs Land schicken würde, sagen wir mal mit 2 Bundestagsabgeordneten, 2 Ministern, 2 Generalsekretären, 20 Referatsleitern, einer Kanlzerin und einem Beck. Würd ich glatt mal für einen Nachmittag mieten und vor den Kindergarten stellen. Oder wäre das dann Tierqälerei?




Dass du ein dermaßener Kinderfeind bist, hätte ich jetzt aber nicht von dir gedacht. Bevor Du Kinder der Folter durch Politikernähe aussetzst, solltest Du wenigstens so lange abwarten, bis sie dir etwas echt Schlimmes angetan haben, findest Du nicht?
Etwa bis sie gewählt haben?
Ja, das wäre es!
Aber ich würde mitstreicheln: MIT DER EISENWURZ !!!
Also ich find die Idee gut, so lange die Horde nicht zu teuer kommt. So richtig mit nem netten Zaun drumrum, damit alle schön begafft und bei Bedarf ausgelacht werden können. Also die Streichelregierung, nicht die Kinder im Garten. Das Schild „Nur streicheln, nicht füttern!“ nicht zu vergessen. Also am Zaun der Streichelregierung, nicht am Kindergarten…
Lieber Frédéric,
ich sach’ einfach mal : danke für diesen Beitrag !
Wie Recht Du mal wieder hast.
Spontan fällt mir dazu der Anfang eines Gedichtes
von Kenneth Patchen ein (der allerdings keine Streichelzoos
behandelt)
“ Let us have madness openly.
O men Of my generation…..“
@cara: herzlichen dank für deinen großzügigen gebrauch von accents, ich fühle mich frankophil reich beschenkt und ess gleich mal ein stück camenbert
(sehr kleinlaut) : ach miste. das habe ich jetzt aus gewohnheit so gemacht, weil der andere F. sich mit den accents schreibt.
valin, der name. auch so ein künstler *g.
(sehr vorlaut) : Übrigens schreibt man CameMbert mit zwo M.
(belustigt) siehste mal, wie frankophil ich bin. ess ich halt nen rockfort
Ach, Bert ist gar nicht aus Camen?
Wo cam Bert denn überhaupt her?
Bert cam von da, wo Rock fort ging. Glaub ich jedenfalls…
Wenn die da beide weg sind, dann muss es da wirklich ungemütlich sein. Aber nicht sonderlich voll.