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Archive for 20. Mai 2008

Jeder achte Deutsche ist arm. Jeder zwölfte reich. Mal grob überschlagen. Die Lösung der SPD: Reiche sollen mehr Steuern zahlen. Die Lösung der CDU: Arme sollen weniger Steuern zahlen. Als hätten die groß was zu versteuern. Das ist, wie wenn ich im Nichtschwimmerbecken als Hilfestellung Taucherbrillen verteile.

Wir reden hier von Armut im Sinn der „sozio-ökonomischen EU-Definition”, nach der arm ist, wer weniger als 60% des Durchschnittseinkommen zur Verfügung hat. Reich ist, wer mehr als das Doppelte hat. Der Durchschnitt liegt momentan bei 1600.- Euro im Monat. Kleine Kunstpause, in der jeder für sich nachrechnen darf… Na? Schon Angstschweiß auf der Stirn?

Klar: Wer bei uns arm ist, muss deswegen noch nicht verhungern. Dabei wäre das wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, beim echten Spitzenverdiener Anerkennung zu finden: „Mann, war der arm! Der ist glatt verhungert! Der hat es echt durchgezogen, Respekt! Allen anderen sag ich: Seid froh, dass ihr hier bei uns arm seid und nicht in Burma!”. Manchmal kann Verachtung ähnlich weh tun wie ein leerer Magen.

Die beste Idee, die man in der Politik bisher zur Bekämpfung der Armut hatte, war das Senken des Durchschnittseinkommens. Mist, das kommt dabei raus, wenn die falschen Leute einen Statistikschein machen.

Selbst der Mittelschichtler dreht heute den Euro dreimal um, bevor er ihn ausgibt. Und täuscht seinen Bekannten lieber eine sparsame Migräne vor, als mit ihnen auszugehen. Deutsche Sonntagabende im Jahre 2008: Die Kneipen und Theater sind leer und die Rollläden an den Wohnzimmern sind verdächtig früh runtergelassen. Ab und zu nimmt man noch mal pro forma einen Kleinkredit für ein Event auf, setzt sich dann mit einem VIP-Ticket zu Bario Barth ins Olympiastadion und lacht darüber, wie doof Frauen sind. Das kannst du natürlich auch über eine Reichensteuer nicht verhindern.

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