Wollen wir mal großzügig sein
Mai 11, 2008 von hormuthsfrederic
Habe heute im Spiegel gelesen, wie „erst jüngst wieder erschreckende Zahlen des Allensbach Instituts für Demoskopie belegen”, dass nur 17% der Deutschen ihre Politiker für fähig und kompetent hielten und ganze 28% für verantwortungsbewusst. Mal abgesehen davon, dass „erst jüngst wieder” als temporäre Angabe ähnlich konkret ist wie die qualitative Einstufung „fähig und kompetent” und erst Recht mal davon abgesehen, dass derartige Umfragen von mir persönlich zu ebenfalls maximal 17% als fähig, kompetent und verantwortungsbewusst empfunden werden - 17% ist, verdammt noch mal, zu wenig.
Wenn nur 17% unserer Politiker ihren Job könnten, wären sie ihres Lebens nicht mehr sicher, dann wäre hier Bürgerkrieg. Das Militär, das Privatfernsehen, die Atomlobby, die Pharmakonzerne und der rechte Mob hätten schon lägst geputscht. Und Eva Herman wäre als Strohfrau die Präsidialkommandantöse. Jetzt sag nicht, dass es doch eigentlich genau so ist. Zu 17% fähig sind vielleicht die Kandidaten bei DSDS oder die von der Stiftung Warentest geprüften Hometrainer unter 50 Euro.
Komm: Grade wir Kabarettisten meckern gerne über Politiker, die zu blöd sind, sich ihre Diäten mal ausnahmsweise so diskret und juristisch sauber zu erhöhen, dass es keinen Aufschrei gibt. Ich würde mal großzügig schätzen:80% unseres politischen Personals sind fit für den Job, den sie da machen. Trotzdem machen sie Fehler und wissen es oft einfach nicht besser. Geschenkt. Unfehlbare Führer sind im Nachhinein auch selten kompetent-fähig-verantwortungsbewusst. Das Problem ist bloß, dass die restlichen 20% Prozent zu viel Einfluss haben.




Kann schon sein. Jeder darf sich mal einen Fehler erlauben, aber dann nicht den Fehler machen, sich diesen nicht einzugestehen. Und bei diesem Symptom liegt die Quote deutlich über 17% - kein Wunder, das ist ja auch ein Problem der ganzen Gesellschaft und nicht nur der Politik.
Politiker machen keine Fehler, sie erweitern nur ihren Erfahrungshorizont ;.-)
Weiß einer von Euch zufällig, ob die Pläne, das Wort “Politiker” in den Bußgeldkatalog für Beleidigungen aufzunehmen, sich ihrer Realisierung nähern? Weiß man schon genaueres?
@Frederic: “Oh, ich habe die bayerische Landesbank gegen den Baum gefahren - ach was solls? War ne interessante Erfahrung!”
@buchstaeblich: Lange kann es ja nicht mehr dauern!
Zu der Umfrage kann ich nur sagen : Wichtig ist, was hinten raus kommt, und das ist bei den Politikern zu 95 Prozent eben Kokolores. Liegt wahrscheinlich daran, dass viele Bundespolitiker auf dem Marsch durch die Parteiinstanzen und/ oder während ihres obligatorischen Jurastudiums ihre Ideale verloren haben. Was von den Idealen dann noch übrig bleibt geht in spätestens zwei Jahren Parlamentsarbeit den Bach runter.Außerdem wird kein Politiker, der Karriere machen will aufmucken, wenn er weiß, dass er dann bei der nächsten Wahl nicht aufgestellt wird oder einen aussichtslosen Listenplatz erhält.Außerdem ist dann vielleicht später die dicke Pension dahin.Die Fraktionsdisziplin geht eben über alles; von wegen freies Mandat. Darüber hinaus wird der gemeine Politiker noch von den Wühlarbeitern der Industrielobby beackert, um im Sinne der von diesen vertretenen Firmen zu entscheiden.
Man braucht sich nur das Gezerre um die CO2-Abgasgrenzwerte von PKW’s anzuschauen, dann weiß man Bescheid und schüttelt nur den Kopf.
Auf der anderen Seite; ich möchte kein Politiker sein, da muß man nämlich viel einstecken können.