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Archive for Mai 2008

Wir hatten ein großes, herrlich erfrischendes Gewitter. Und seitdem kein Internet mehr. Und kein Telefon. Seit über 12 Stunden. Ich habe übers Handy die T-Com-Hotline angerufen und der computergenerierten Frau das Codewort „Störung” ins Auswahlmenü gesprochen. Daraufhin sagt sie glatt ohne hörbar rot zu werden: „Ein kleiner Tipp: Sie können Störungen auch einfach übers Internet melden!”.

Ich muss laut lachen. Sie: „Ich habe ihre Eingabe leider nicht verstanden, bitte wiederholen sie ihre Rufnummer!”. Kurz darauf verspricht sie mir, dass der nächste verfügbare Techniker für mich reserviert sei. Offensichtlich ist er aber grade unterwegs zu Reperaturarbeiten auf dieser ISS-Raumstation. Nach 12 Minuten Dideldideldim-Wartemusik nimmt plötzlich jemand ab, grummelt schlecht gelaunt etwas wie „falsche Nummer!” in den Hörer und legt auf. Es macht kurz „tuuut” und dann kommt eine Bandansage: „Die gewählte Nummer ist nicht vergeben.”. Nach 13 Minuten auf der T-Com-Hotline, sehr witzig.

Von der Außenwelt abgeschnitten sitzen wir am Frühstückstisch und regen uns auf: „Da klappt ja gar nix! Zum Mond fliegen, das können sie! Aber mal eine Störung beheben…”. Mein Bruder schickt eine SMS, auch bei ihm, ein paar Kilometer weiter, ist kommunikationstechnisch tote Hose. Ein großer Tag für die Telekom, die sind wahrscheinlich alle grade damit beschäftigt, sich gegenseitig abzuhören. Oder die Wanzen verschwinden zu lassen. Was weiß ich.

An der Tankstelle die nächste Überraschung: Keine Kartenzahlung möglich, weil Leitung tot. Der Kassierer ist völlig entnervt und sagt: „Aber auf den Mond fliegen, das können sie!”. Aha, das ist also der offizielle Satz des Tages. Fragt mich nicht, warum jeder reflexartig auf die Mond-Idee kommt, als hätten wir unseren Anschluss direkt bei der NASA gebucht.

Egal. Aber ich werde bloggen! Das wär ja noch schöner! Ich lad diesen Text übers Handy ins Netz, Bluetooth, UMTS, was weiß ich. Kann sein, dass ich dafür eine Hypothek aufnehmen muss. Wenn es geklappt haben sollte, dann könnt Ihr diesen Text jetzt lesen. Grüße!

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Ampel für alle!

Politikergehälter wären ja eigentlich fast ein Fall für den Verbraucherschutz. Man will als Volk doch wissen, was man da genau für sein Geld bekommt. Ich wäre für die Einführung einer Ampel-Kennzeichnung, wie man sie ja auch bei Lebensmitteln diskutiert. An jeden Abgeordneten kommt ein Schild, auf dem in den Farben Rot, Gelb und Grün die entscheidenden Zusatzinformationen klar aufschlüsselt werden. Ich schlage hierfür die Kategorien „Nebentätigkeiten”, „Betriebsblindheit”, „Phrasengebrauch”, „Informiertheit” und „Kamerazeit” vor.

Ab einem monatlichen Zusatzeinkommen das die eigentliche Diätenzahlung übersteigt, wird das Feld für „Nebentätigkeiten” rot gefärbt. „Betriebsblindheit” wird nur grün markiert, wenn der Abgeordnete vor seiner Politkarriere mindestens 10 Jahre in einem bürgerlichen Beruf tätig war. Wer die Phrasen „Die Menschen im Lande”, „mehr Netto vom Brutto” oder „der Aufschwung kommt an” in der Summe mehr als 10 mal täglich verwendet, bekommt im Bereich “Phrasentätigkeit” das Gelb, bei mehr als 40 mal sogar ein Rot.

Wer den aktuellen Butter- , Benzin- und Kaffee-Preis kennt und darüber hinaus weniger als einmal in der Woche Statements abgibt, die nachweisbar der Aktenlage widersprechen, hat sich bei „Informiertheit” eine gelbe Markierung verdient. Wer darüber hinaus noch erklären kann, warum Leo Kirch bei Helmuth Kohl Trauzeuge war und wo damals der „Bimbes” herkam, bekommt sogar eine grüne.

Politiker, die ihr Gesicht täglich mehr als eine Stunde in Fernsehkameras halten, statt Entscheidungen zu treffen oder vorzubereiten, erhalten ein Gelb in „Kamerazeit”. Wer in mehr als 2 Talkshows pro Woche auftaucht, um dort mit willkürlich dazugesetzten Schauspielern zu diskutieren, wird dafür mit einem Rot gekennzeichnet.

Für diese Schilder gilt natürlich Tragepflicht im Fernsehen, im Bundestag, im Bürgergespräch und vor allem auch im Straßenwahlkampf. Wahrscheinlich wäre der für Verbraucheschutz zuständige Minister Seehofer gegen eine solche Kennzeichnung. Vermutlich mit der Begründung, das sei eine Bevormundung des Wählers.

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Wenn es so schwül ist, funktioniert mein Hirn nicht mehr richtig. Ich schlage die Zeitung auf, lese die Überschrift „Angst vor dem Dammbruch” und denke: Oh nein, nicht schon wieder Charlotte Roche. Oder geht es um die Zwillingsgeburt von Sarah Connors Mutter? Ah, ich hab mich vertan, es geht nur um die Folgen des Erdbebens in China.

Gysi gestern im Bundestag: „Sie haben keine Ahnung vom Leben eines Anwalts in der DDR – ich war immer souverän.”. Nein, da hab ich mich nicht verlesen. Erstaunlich, wie unsouverän so ein Satz in der BRD des Jahres 2008 wirken kann. Bestenfalls war es doch wahrscheinlich so: Die Stasi hat gedacht, Gysi gehöre zu ihnen und Gysi hat gedacht, er habe mit der Stasi nix zu tun. Und geirrt haben sich beide. Warum macht er nicht radikal reinen Tisch? So wie er sich für prinzipell unantastbar hält, kommt er ja fast rüber wie Helmut Kohl, der seine Spendenvergangenheit auch lieber im Dunkeln lässt. Da ist er schon die letzte rhetorische Großbegabung des Bundestags, und jetzt fehlen ihm die Worte…

„Der Aufschwung hält an, aber die Zahl der Arbeitslosen sinkt weniger stark als erwartet.”. Das ist auch kompliziert. Wie wenn die Schwester den Patienten „wie geht es uns denn heute?” fragt und er antwortet: „Es geht mir ein bischen weniger besser.”. Wenn ich mir das mal kurz tropenhirntauglich übersetzen darf: Saisonbereinigt ist die Zahl der Arbeitslosen um 4000 gestiegen. Aber heute gilt es schon als bessser, wenn es nur ein wenig schlechter ist, das heißt, der Arbeitsmarkt verschlimmbessert sich. Das konjunkturelle Klima kühlt sich ab. Klingt erfrischend. Grade an so einem Tag wie heute.

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Was sagt Münte? „Ich muss wieder ran. Ich bin die letzte Hoffnung.”. Ach so, das war gar nicht Münte, das war der Schlagermessias, auch bekannt unter dem bürgerlichen Namen Ralph Siegel (62). Das, was er dem Kölner Express mitgeteilt hat, würde sich nach einigen subtilen Textänderungen auch aus dem Munde des Ex-Generalsekretärs (68) sehr authentisch anhören: „Im nächsten Jahr muss da wieder ein Vollprofi ran, der was vom bundesweiten Politgeschäft vesteht. Ich! Man braucht mindestens ein Dreivierteljahr Vorbereitung, ganz egal, wie berühmt man zu sein glaubt und wie viele Landtagswahlen man schon gewonnen hat.”.

Zum „abgestürzten Engel” Beck wird der Freund klarer Wort deutlich: „Der Typ ist eine durchschnittliche Provinz-Nummer, vielleicht in Mainz ganz gut, wo man mit volkstümlichem Auftreten viel nachbearbeiten kann. Richtig führen kann der aber nicht.”.

Das sieht selbst der NDR-Unterhaltungschef Ralf Quibeldey (44) so: „Der ist gut fürs Radio, ihm fehlt aber die Bühneneignung.”. Als hätte man das nicht vorher wissen können. Selbst die Kanzlerin spottet inzwischen offen über die schwache Performance voller schriller Töne.

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Wirtschaftsforscher müsste man sein, dann könnte man sich sogar über drastisch steigende Ölpreise freuen. Weil dadurch Regionen wie Lateinamerika viel mehr Geld mit ihren Rohstoffen verdienen. Und dafür dann Maschinen aus Deutschland kaufen. Cleverer Plan, erst der Welt soviel Autos verkaufen, dass das Öl knapp wird, und dann mit Maschinen nachlegen. Klingt für mich auf Anhieb so genial wie die Idee, den Klimawandel voranzutreiben, um sich dann mit Klimaanlagen und Schlauchbooten ne goldene Nase zu verdienen.

Der hohe Ölpreis nützt also der deutschen Wirtschaft. Uns braucht sie als Kunden eigentlich gar nicht mehr, wir sitzen ja eh auf unserem Geld, weil Tanken, Heizen und Kranksein immer mehr kostet. Uns hat sie als Kunden abgeschrieben, wir kaufen ja auch keine Maschinen. Wir meckern nur rum und haben kein Gefühl für die Schönheit des gesamtwirtschaftlichen Ganzen.

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In Deutschland gibt es keine Suppenküchen und Armenspeisungen, nein, das macht bei uns Ikea. Was da alles morgens um 9 zum Frühstücken kommt! Soziale Revolten wird es in diesem Land keine geben, solange man weiß, wo es den Kaffee mit Nachfüll-Garantie gibt. Und eine Kinderbetreuung! Bald wahrscheinlich auch noch zahnmedizinische Behandlungen und einen netten, unglaublich günstigen, Friedhof direkt hinterm Parkdeck. Aber was mich heute beim Ikea-Rundgang am meisten beeindruckt hat (mal abgesehen von der Plüsch-Bulldogge für 12 Euro) war dieses Schild:

pleased to meet you...

Erstmal natürlich wegen der Rechtschreibung. „Alleine” hätte ich klein geschrieben und das „Beladen” groß. Also auf die Ikea-Grundschule würde ich meinen Nachwuchs wahrscheinlich nicht schicken. In wie vielen Filialen mag dieses Schild so wohl rumhängen? Meinen die, wer bis dahin kommt ist vor lauter Refill-Kaffee und Blaubeertörtchen schon so lull und lall, dass ihm die Rechtschreibprüfung längst abgestürzt ist? Und bitte: „Bist du alleine und brauchst du Hilfe, wähle einfach 666!”, ist das nicht der reinste Satanismus? Oder heißt das: Willkommen in der Service Hölle? Oder ist diese Ikea-Filiale in Mannheim ein direktes Portal in die Unterwelt, trägt mir Luzifer die Möbelkartons direkt in die Hölle, nach dem Motto: Lebst du noch, oder büßt du schon? Wer aus der geschätzten Leserschaft demnächst mal zu Ikea muss, achte doch mal drauf, ob er da auch so ein Schild findet. Über Beweisfotos freue ich mich teuflisch.

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Danke, Ihr seid Engel! Nur Euch ist es zu verdanken, dass die ARD 2009 nicht einen millionenschweren European-Song-Contest in Berlin ausrichten muss. Was das an Fernsehgebühren spart! Dafür habt Ihr mühevoll ein nahezu Refrain-loses Liedchen auswendig gelernt, Euch knappe lila Tücher auf den Leib tackern lassen, habt konsequent an nichts gedacht, nur um Euch auch so bewegen zu können und dann noch so schief durchgeplärrt, dass es spätestens dabei dem letzten, auf dem Fernseher vergessenen, Uri-Geller-Löffel den Todesstoß versetzt hat.

Ohne rot zu werden habt Ihr danach im Interview von Eurer perfekten Performance geschwärmt und wahrscheinlich noch im Backstage-Bereich diskret das Bargeldköfferchen mit den Grüßen der ARD-Intendanten und den 4 Unter-der-Hand-Bundesverdienstkreuzen in Empfang genommen. Anne Will wird hörbar aufgeatmet haben, bei ihr hätten sie nächstes Jahr als erstes gespart.

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Die SPD ist mittlerweile so muffig und uncharismatisch, dass sie gar nicht anders kann, als Gesine Schwan gegen Hotte Köhler antreten zu lassen. Die Frau ist intelligent, herzlich, positiv, unverbraucht und hochmotiviert, ein Frischluft-Tornado. Gesine, das politische Hochdruckgebiet. Der finale Rettungsschwan.

Sonst hat die Partei ja derzeit niemanden, der Wähler begeistern kann. Nie-man-den. In Zahlen: 0. Beck? Ein angeschossener Provinztanzbär. Steinmeier? Ein silbergrauer Strippenzieher und Hinter-den-Kulissen-Mauschler. Steinbrück? Ein Dickschädel, Rechthaber und grober Klotz. Ulla Schmidt? Eine im Gesundheits-Gestrüpp verhedderte, chronische Frohsinns-Nebenhöhle. Münte? Im häuslichen Off. Hubertus Heil? Der ewige Klassensprecher. Sigmar Gabriel? Der Bärenflüsterer.

Nicht, dass es bei der Konkurrenz wesentlich besser liefe. Wenn Merkel als die menschelnde Lichtgestalt gilt, ist damit eigentlich schon alles gesagt. Ich wünsche mir, dass Gesine Schwan Deutschland mal wieder zeigt, wie Politiker eigentlich sein können: Gebildet und volkstümlich, energievoll und souverän, rhetorisch fit, begeisterungsfähig und zupackend. So, dass der Bürger sagt: Die ist ihre Diäten wert. Ich will einen Gesine-Starschnitt in der Bravo (wo sie schon den Papst hatten…)! Ich will ein Schwan-Mania! Gesine for president!

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Unerwünschte Werbeanrufe sind zwar verboten, trotzdem gibt es bundesweit jährlich mehr als 300 Millionen davon. Dass dabei anscheinend auch gültige Verträge zustande kommen, ist mir ein Rätsel.

Sie: „Guten Tag, sind sie damit einverstanden, dass wir dieses Gespräch aus juristischen Gründen mitschneiden?”.

Ich: „Nein, wer weiß, nachher landet es noch bei Youtube!”.

Sie: „Sie möchten also einmal die Nichtteilnahme am Mitschnittsverfahren, darf ich das so für sie buchen?”.

Ich: „Nix buchen, einfach auflegen!”.

Sie: „Gut, ich habe ihren Auftrag entgegengenommen: Sie hätten gerne die Beendung eines Verkaufsgespräches. Mit höflicher Verabschiedungsformel, oder ohne?”.

Ich: „Egal, Hauptsache es macht ´tuuuut!´”.

Sie: „Dann nehme ich ihnen hier noch das abrupte Quick-Ending als casual Interview-Exit mit ins Paket mit rein, das können sie jederzeit innerhalb von 14 Tagen wieder rückgängig machen. Darf ich fürs Lastschriftverfahren ihre Kontonummer notieren, oder soll ich ihnen gleich unser Inkasso-Personal für eine unkomplizierte Barzahlung vorbeischicken?”.

Ich: „Sie wollen doch nicht behaupten, dass ich jetzt irgendwas gekauft haben soll?”.

„Tuuuuut…..”.

Mist!

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Autokauf ist zur Zeit eine ziemliche Nervensache. Noch vor wenigen Wochen war mir klar: Es soll ein Diesel werden. Jetzt kostet Dieseltreibstoff an der Tanke das selbe wie Benzin. Damit sich das Dieselauto rechnet, müsste ich ihm Jahr wahrscheinlich soviel Auto fahren, dass ich zu nix anderem mehr käme.

Gut, ich kann mir einreden, dass das ein prima Motor ist und ich wenig CO2 in die Luft puste, der Gutmenschfaktor ist immer noch vorhanden und jetzt noch einen prickelnden Touch irrealer. Aber wie war das mit den Rußpartikeln? Rette ich das Klima, aber verpasse Kleinkindern Krebs?

Öl wird jetzt ganz schnell immer teurer, so dass selbst die Grünen sich nicht mehr richtig drüber freuen können, dass sie immer schon Recht gehabt haben. Wir brauchen zuviel davon und es gibt zu wenig. China dreht voll auf und will den Iran als drittgrößtes Ölförderland einholen. Dann müssen die Tibefans hierzulande nicht nur Olympia und den China-Imbiss boykottieren, sondern auch noch die Tanke.

VW protzt, dass sie im Herbst ein erstes Modell mit Hbyridantrieb auf den Markt bringen, den Q7, ein SUV-Monster, das dann bloß noch sparsame 12 Liter braucht, das nenn ich Fortschritt, da lacht sich der Chinese ins Fäustchen.

Und ich? Werde ich Diesel fahren? Oder bin ich dann schon ein Snob? Und wenn ich das Auto künfitg öfter stehen lasse, könnte es dann nicht auch ein Q7 sein? Autokauf ist zur Zeit nicht nur Nervensache, sondern gelebte Absurdität.

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