Also der Reihe nach: Erst sagt Roman Herzog sinngemäß „Die Politiker sind Rentner-Schleimer“, dann weisen die Sozialverbände darauf hin, dass Altersarmut ein wachsendes Problem sei und jetzt melden sich die Wirtschaftsexperten und stellen fest, die Altersarmut sei ein „überschätztes Problem“, es gäbe fünf mal mehr arme Kinder als Senioren. Das haben sie ja gelernt, die Wirtschaftswissenschaftler, Menschen gegeneinander aufzurechnen.
Schon ertappt man sich dabei, zu überlegen: Was ist schlimmer, ein armer Rentner, oder fünf arme Kinder? Werden aus denen dann in 60 Jahren fünf arme Rentner, was aber keine Rolle spielt, weil dann eh 25 neue arme Kinder darauf warten, spätestens als Rentner zu verhungern, was dann aber keinen interessiert, weil mittlerweile 125 neue… ? Und so weiter. Oder anders gefragt: Wie viel Kinderarmut brauchen wir, um Guterverdienern ihren Lebensstandard zu garantieren? Brauchen wir mehr Krippenplätze oder Altersheimplätze? Mehr Bobbycars oder Rollstühle? Zahnspangen oder Dritte Zähne? Eine Frage, bei der nur Kukident gewinnt, weil die Pflegemittel für beides herstellen.
Oder müsste man nicht ganz anders denken? In dem Sinne, dass arme Kinder eine Oma brauchen, die nicht am Existenzminimum lebt und für ihren Enkel immer mal Zeit, Muße und ein Überraschungsei übrig hat. Und Rentner brauchen Enkel, die nicht vor lauter Armut sozial ausgegrenzt verblöden, um dann irgendwann aus lauter Frust in der U-Bahn die Alterspyramide mit den Fäusten auseinander zu nehmen. Wenn ihr euch wirklich nützlich machen wollt, Wirtschafswissenschaftler, dann rechnet das mal so rum durch.




Wenn Wirtschaftswissenschaftler rechnen könnten, könnten sie auch einen anständigen Beruf ausüben und müssten nicht die Leute anlügen.
Wenn Wirtschaftswissenschaftler etwas nützliches tun wollten, würden sie ihren neoliberalen und wirtschaftsfaschistischen Auftraggebern, die Brocken für die Füße schmeißen.
Wenn Wirtschaftswissenschaftler Verantwortung hätten würden sie ihre bezahlten Lügen offentbaren und sich selbst bei den Staatsanwaltschaften wegen Betruges anzeigen.
Aber Wirtschaftswissenschaftler wollen nur möglichst viel Geld für ihre eigenen Wirtschaft und kümmern, sich weder um Wissenschaft, kaufm Rechnen, Ehre, Moral und Verantwortung.
Wenn Roman Herzog den Menschen in Deutschland einen Gefallen tun will, dann stirbt er einfach. Das spart Pension.
Es ist schändlich, dass in Deutschland so viele Menschen am Rande der Armut herumkrebsen; wir haben über 20 Prozent Arbeitnehmer, die Geringverdiener sind und werden in dieser Hinsicht nur noch von den US-Amerikanern übertroffen.2,5 Millionen Kinder sind arm und haben nichts zu beissen. Wenn dann überforderte Eltern ihre Kinder misshandeln oder schlimmeres mit ihnen anstellen, werden diese Eltern und nicht die Missstände angeprangert. In diesen Zusammenhang passt auch, dass die Ämter den Hartz 4- Empfängern Verhütungsmittel nicht bezahlen.Auch die Zuzahlung für Arzneimittel in Höhe von ca. 40 Euro jährlich ist nach einem heute bekannt gegebenen Urteil des Bundessozialgerichts zu zahlen.Aber auch die Wohlfahrtsverbände bekleckern sich nicht mit Ruhm:Die Kirchen setzten sich für das ungeborene Leben ein, weniger für das geborene. In diesen Zusammenhang passt auch, dass die Wohlfahrtsverbände der Kirchen (Caritas etc.) dem bei ihnen beschäftigten Reinigungs-und Pflegepersonal einen gesetzlichen Mindestlohn vorenthalten werden,obwohl die Kirchen sich vehement öffentlich für gesetzliche Mindestlöhne aussprechen. „Merkscht was“, würde der Schwabe sagen.
Apropos Schwabe: Günther Öttinger ist gegen einen Zuschlag auf Renten von Arbeitnehmern, die 35 Jahre gebuckelt haben und bei einem Bruttolohn von durchschnittlich 1500 Euro 465 Euro Rente zu erwarten haben. Diesen Zuschlag befürworte ich und trete dem Rüttgers Club bei. Nochmal zu den sogenannten Wirtschaftsexperten wie Rürup, Sinn(los) und Konsorten: Die haben gut reden, bei ihrer eigenen guten sozialen Absicherung mit üppigen Pensionen, privater Krankenversicherung. Weltfremde Wirtschaftstheorien entwerfen ist leicht, aber sich mal mit dem realen Leben auseinanderzusetzen fällt den Herrschaften nicht ein, ist vielleicht auch nicht Thema bei den Stehempfängen, bei denen die Schnittchen von Servicemitarbeiterinnen gereicht werden, die den von Rürup vorgeschlagenen Mindestlohn von 4-5 Euro pro Stunde verdienen.
Was ist schlimmer? Ein Rentner oder fünf arme Kinder – ich votiere eindeutig für die fünf armen Kinder!!! Aber nicht weil es Kinder sind, sondern weil es fünf sind. In Bezug auf soziale Absicherung und Schutz vor Armut in jedem Lebensabschnitt hat aus meiner Sicht jeder den gleichen Anspruch.
Das jetzt diverse Politiker plötzlich zu „Rentner-Schleimern“ werden, hat doch nur den Grund, das Kinder noch nicht als Zielgruppe für leere Versprechungen empfänglich sind. Daran liegts!!!
@Jochen Hoff: Deine Bemerkung zu Roman Herzog am Schluß deines Kommentares entbehrt jeglichen Niveaus.
@Frank S.: Grundsätzlich ist es bei Kindesmißhandlungen richtig, nach den Ursachen zu fragen. Aber natürlich sind die Eltern auch als Täter nicht völlig frei von Schuld.
Das feut mich immer wieder, wie man mit kabarettistischem Blöd-um-ein-paar-Ecken-Rumdenken ernsthafte Diskussionen auslösen kann, prima Kommentare, das.
@roman: Ich hoffe mal, dass Jochen die Anregung für Herrn Herzog weniger als privates Rechegelüst, sondern mehr als Parodie auf rein wirtschaftliches Zahlendenken formuliert hat.
@Frederic: Dem Stammleser deines Blogs ist ja bekannt, das du mit deinen satirischen Betrachtungen häufig auf sehr amüsante Weise auf traurige Wahrheiten aufmerksam machst – so sollte gute Satire sein.
Was Jochen’s Bemerkung betrifft, so hoffe ich das dann auch einfach mal!