Über das bedenkenswerte Wörtchen „klimaneutral“ bin ich in einem Artikel zu Sigmar Gabriel gestolpert. Der hatte ja seinen Urlaub auf Mallorca ganz nach dem Motto „Ich bin ein Minister, holt mich hier raus“ durch die Flugbereitschaft der Bundeswehr unterbrechen lassen, die ihn mal kurz nach Berlin ausgeflogen und dann wieder zurückgebracht hat. Wie allein er dabei im Flugzeug saß und wie rechtens das alles war, das ist noch zu prüfen. Aber die Bundesregierung hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, ihre Mitglieder flögen immer „klimaneutral“. Man überweist also für jede Flugreise als Ausgleich Geld an Klimaschutzprojekte.
Ist das ein Kuhhandel, Ablasshandel, oder einfach doof? Wird denn ein Kinderschänder zum besseren Menschen, wenn er an Unicef spendet? Ist er dann pädoneutral? Wird ein chronischer Junkie drogenneutral, wenn er zum Ausgleich Amy Winehouse eine CD abkauft, um ihr die Reha zu finanzieren? Immer dieser Gegenfinanzierungswahn! Der hat erst dazu geführt, dass Raucher rauchen, weil sie glauben, über die Tabaksteuer die Rente zu sichern. Und jetzt will man uns beides abgewöhnen, das Rauchen UND die Rente. „Gegenfinanzierung“, das ist, wie wenn dir beim Raubüberfall nur die halbe Geldbörse abgenommen wird, du dafür aber dem Räuber ein Zeitschriftenabo abkaufen musst.
Trotzdem gebe ich zu: Wenn man sich damit beschäftigt, hat die Vorstellung durchaus einen Reiz, beispielsweise für jeden mit dem Auto gefahrenen Kilometer etwas Wald aufforsten zu lassen. Das ist gewissermaßen das Krombacher-Prinzip, aufs Auto übertragen, also nüchtern. Mach ich mich zum Vollhorst, wenn ich mir eine „Ich-fahr-klimaneutral“-Plakette aufs Heck klebe? Kann ich dann wieder besser durchschlafen? Ja. Also: Ich hol mir einen Porsche, kleb den Aufkleber ins Handschuhfach und trete das Gaspedal durch. Ich darf das. Weil ich zu Hause ja auch schon Ökostrom hab.




Das hab ich heute auch in der Zeitung gelesen und mich herzlich amüsiert. Angela Merkel hat übrings bis zur Hessenwahl richtungsneutrale Politik betrieben …
Wie wär’s damit: Dafür, dass die Merkel zwei Stunden redet, ist der Koch mal drei Stunden still. Und dafür das Glos was sagt, darf der Pofalla dann einen Tag den Schweigenden geben. Und wenn Der Becke Kurt das Wort ergreift und 10 Minuten spricht, dann sind das Yps und ihre Schlachterin aus Darmstadt gemeinsam fünf Stunden ruhig.
Das wäre doch eine interessante Variante von Emmisionsneutralität. Ich freu’ mich d’rauf!
@roman: Die hat bestimmt einen Aufkleber hinten am Blazer!
@odw: Ich finde ja, für jede Redeminute von Beck, Merkel, Koch und Pofalla sollte ein Hektar Regenwald wiederaufgeforstet werden, gegen den rhetorischen Treibhauseffekt.
@Frederic: Bestimmt hat sie das? Wie hoch ist eigentlich der CO2-Ausstoß pro Worthülse?