Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht drauf
Februar 8, 2008 von hormuthsfrederic
In München treffen sich jetzt hochrangige Sicherheitspolitiker aus aller Welt zur „Sicherheitskonferenz“, unter anderem auch unser Verteidigungsministerdarteller Franz Josef Jung und der US-Verteidigungsminister Robert Gates, der dieser Tage schriftlich reklamiert hatte, dass wir zu wenig deutsche Soldaten zum Kämpfen, Töten und Sterben nach Afghanistan schicken. Bisher, so hatte man uns erzählt, sind unsere Jungs da nur zum Schulen bauen, Brunnen bohren und Winken. So eine Art Technisches Hilfswerk mit einem Schuss Karl-Heinz Böhm und einer minimalen Prise Rambo. Die Rede war vom Konzept des „lächelnden Soldaten”. Und jetzt soll es wohl immer mehr in Richtung röchelnde Soldaten gehen.
Grade hat Jung eine schnelle Einsatztruppe in den vermeintlich ungefährlichen Norden des Landes geschickt, die im Notfall Kameraden aus brenzligen Situationen heraushauen soll, also nicht durch Winken. Das ist eigentlich eine echte Kampftruppe. Aber den Begriff vermeidet Jung, er spricht lieber von einer „Stabilisierungstruppe”. Es ist eine Frage der Zeit, bis die ersten Soldaten als Opfer der Stabilisierung in einem, sagen wir mal, finalen Friedensbehälter nach Hause kommen.
Besonders irritierend ist es, wenn man sich dazu das offizielle Motto der 44. Münchner Sicherheitskonferenz mal genüsslich auf der Hirnrinde zergehen lässt: “Eine Welt in Unordnung - veränderte Machtverhältnisse - fehlende Strategien”. Liest sich wie „Choas - Schurken - auf sie mit Gebrüll!”. Wenn das der aktuelle Erkenntnisstand der führenden Sicherheitspolitiker ist, dann frage ich mich: Wer schützt uns eigentlich vor denen?
P.S.: Einen sehr guten Artikel zum Thema gibt es beim immer lesenswerten Spiegelfechter.




Hallo frederic,
der von mir geschätzte Herman van Veen sang einmal (nicht original Text):
“Stell dir vor es soll Krieg sein und alle Frauen sperren ihre Männer und Söhne ein. Erst wenn alles vorbei ist, lassen sie diese wieder raus..”
..grüßt die syntaxia
“finaler Friedensbehälter”… sorry.. aber das möchte ich direkt als Unwort des Jahres vorschlagen.. (graus)
Als Hinweis zu syntaxia: bereits in der griechischen Mytologie gibt es einen solchen Fall. Nur haben da die Frauen ihre Männer nicht eingesperrt sondern ihnen etwas bestimmtes verweigert. Das hat letztlich genauso geholfen.
Chaos, Schurken.. finde ich klasse. Das entspricht dem Geist, mit dem vor allem die USA in die Kriege gegangen sind “let´s bomb this fucking Afghanistan back in the stonetime and give our fellows the job to repair it later!”
@2olf: Als Untwort war es ja auch gedacht, ich nehm das mal als Kompliment.
@ Gerhard und syntaxia: Unsere Kanzlerin ist eine Frau! Die sperrt keinen ein und droht auch nicht (mehr als sonst) mit Sexentzug! Die entsendet Soldaten, auch Condi hatte damit keine Probleme. Ich glaub, ich verlier das Vertrauen in die Damenwelt.
Wurde auch höchste Zeit, dass bald die ersten Zinksärge mit den Kollateralschäden der deutschen Außenpolitik aus Afghanistan zurückkommen . Vielleicht kriegen die gefallenen Jungs dann posthum je einen Bambi für Courage
und Einsatz für? Ja, wofür eigentlich? Für einen Krieg der sinnlos ist und mit einer an hanebüchenen Verschwurbelungen reichen Verdrehung der Tatsachen begründet ist. Ich zitiere Artikel 87a(1) Grundgesetz: Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf
Art87(2) sagt aber auch: Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zuläßt.
Art.91sieht den Einsatz im Inneren vor, ist also nicht einschlägig.
Das Bundesverfassungsgericht hat den von der Bundesregierung beschlossenen ISAF-Einsatz aber für verfassungskonform erklärt; er verletzt nicht die Mitwirkungsrechte des Bundestages aus Art 59(2)S1 i.V. m.
Art.24(2) GG und dient laut Wortlaut des Entscheids der Sicherheit des euroatlantischen Raumes(Urteil vom 3.Juli 2007(2BvE 2/07).
Ich glaube ich habe dieses Thema jetzt erschöpfend rechtlich gewürdigt; eine Anmerkung von mir: Die Produktion der Zinksärge dient der Metallindustrie.
Genau, Frank. Und nun wissen wir endlich, warum Deutschlands Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt werden muss. - Damit’s verfassungskonform is nämlich. Wenn diese eigenwillige Logik der Kausalitäten nur nicht umgehend den Afghanen (Afghani?) zu denken gibt, die was gegen deutsche Soldaten am Hindukusch haben. Man stelle sich vor, die kämen auf die Idee, dass afghanische Freiheit an der Elbe oder am Rhein verteidigt werden muss…
Och Frederic, tu das der Damenwelt nicht an.
Bei einer Kanzlerin resp. einer Condi muss man -jedenfalls im politischen Kontext gesehen – vielleicht irgendwie vom Geschlecht abstrahieren. Sie bekleiden ein Amt, und DAS Amt ist wohl aus gutem Grund als Neutrum bezeichnet. Somit sind das Angie als Kanzler-Amt und das Condi gewissermaßen gegenwärtig keine Damen. 