Das ist mein Lieblingssatz der Woche: „Hessen ist ein knappes Land“. Eine Handvoll Frankfurter Skyline, ein paar verwirrende Dokumenta-Kunstwerke, jede Menge kleine Fachwerkhäuser und Streuobstwiesen – und dazwischen stehen sich die Sozis und die Christdemokraten Stirn an Stirn gegenüber wie einst Camillo und Don Peppone.
„Hessen ist ein knappes Land“, werde ich zu meinem Mantra machen. Mit dem Spruch kann man prima bei Dunkelgelb über die Ampel fahren (mal ausnahmsweise nicht politisch gemeint, oder doch?), penetranten Spendensammlern die Haustür vorm Gesicht zuschlagen oder auf Fragen antworten wie: „Schatz, findest du, dass mir diese Hose passt?“.
Im Landtag spielen sie jetzt Koalitions-Mikado, wer zuerst wackelt, hat verloren und muss mit in die Regierung. Eigentlich will keiner mit keinem, die Sympathien bewegen sich im kaum messbaren Bereich, Hessen ist ein knappes Land. Das Land ist demokratisch zugeparkt, alle stehen sich im Weg rum. Bis sich der Landtag Anfang April neu konstituiert, will die SPD anscheinend mit offenen Armen auf die FDP warten und ihr verführerisch zuflüstern: „Selbstaufgabe ist sexy. Und deine staatsbürgerliche Pflicht!“. Das klingt weniger nach einem Angebot zum Mitregieren als nach einer Art politischem Warnschussarrest.
Mit Koch will Frau Yps-Xilon erst sprechen, wenn die CDU „anerkennt, dass sie die Wahl verloren hat“. Das ist nicht sehr sportlich gedacht. Erklär das mal einem 100-Meter-Läufer, der ein Hundertstel vor dir ins Ziel gekommen ist: „Ätschbätsch, du hast aber trotzdem verloren, weil dich keiner mag!“. Auch argumentativ wird in den nächsten Wochen immer öfter gelten: Hessen ist ein knappes Land.




Hessen ist ein knappes Land, weil die es dort die Knappschaft gibt und die Knappschaftsversicherung, die Linke hat jetzt auch eine Knappschafft im Landtag.
Koch’s Partei ist rein numerisch die stärkste, aber darf jemand weiterregieren, wennn das Betriebsklima zwischen Obrigkeit und Wahlvolk so vergiftet ist? Wenn Koch weiterhin den Posten des Ministerpräsidenten behalten will braucht er jemanden, der mit dem Schmuddelkind spielt. Ja, so ändern sich die Zeiten; waren bis vor wenigen Tagen seine Wahlkampfgegner noch unerwünschte Personen, so hat sich Koch selbst zu einer Persona non grata entwickelt und er scheint das Gespür für die Stimmung im Volk verloren zu haben. Wieso haben ihn seine Berater nicht von der Schlammschlacht, die er veranstaltet hat, abgebracht; oder steckt da das Kalkül dahinter, ihn ins offene Messer laufen zu lassen. Angela Merkel hat Koch ja die kalte Schulter gezeigt nach der Wahl; kein Wunder hat doch Koch im Vorfeld der Inthronisation von Angela der Ersten doch kräftig gegen sie antichambriert. Jetzt dürfte Koch in der CDU als Kanzlerkandidat erledigt sein. Vielleicht wird er ja Minister für innerdeutsche Angelegenheiten.