In Schleswig-Holstein hatten die ersten Raucher die Idee, dem Gesetzgeber zu entgehen, indem sie einfach eine Religion gründen. Bestandteil ihres Ritus ist das Inhalieren der Verbrennungsprodukte von (in dünnen Papierhüllen eingewickeltem) Tabak. Sie treffen sich dazu in schwer holzgetäfelten Räumlichkeiten mit massiven Tischen und ebensolchem Ausschank. Noch mal: Hier ist natürlich nicht die Rede von Zigaretten und Gaststätten, eher von kultischen Kleingegenständen und Stammtischen mit Kirchenstatus.
Weitergedacht: Die Glaubensgemeinschaft nennt sich „The Church of Nicotology”. Der geistige Führer und Ehren-Prophet der Bewegung, Helmut Schmidt, soll neulich schon bei Sandra Maischberger erkennbar beseelt und verjüngt mit einer gerade zu Cruise-haften Begeisterung über Sofas gehüpft sein.
Der im vierundzwanzigsten Grade erleuchtete Nicotology-Sprecher Peter Struck äußerte sich empört über die in einer dänischen Tageszeitung abgedruckten Schmidt-Karikaturen. Er drohte damit, dass dem Kult angehörende Selbstmordattentäter künftig gezielt in dänischen Bettenhäusern rauchend einschlafen könnten. Darüber hinaus bereite man derzeit unter der Leitung des Bischofs von Marlboro einen Kreuzzug durch die erschreckend rauchfreie US-Unterhaltungsindustrie vor.
Die Raucherlunge gilt bei den Anhängern der CoN als höchste erreichbare Stufe irdischer Reinheit, im Himmel ist nach ihrer Vorstellung Rauchen erwünscht. In der Hölle muss man dazu auf den Balkon.




Das erinnert mich an diesen einen Kneiper (hab ich im TV gesehen) der seine Kneipe in einen Raucherclub umgewandelt - so mit Checkkarten-Eingangstür (!) … find ich schon wieder fair. Die paffen sich gegenseitig zu (stören keine Nichtraucher wie mich) und der Staat bekommt seine Tabaksteuer. Damit kann ich leben.
Im erlauchten Kreis der Nikotinjünger(Helmut Schmidt ist da schon ein älterer Jünger) sind aber nicht alle gleich vor dem Herrn. Während dem Otto Normalraucher mit apodiktischen Gesten klargemacht wird, in öffentlichen Gebäuden oder Theatern nicht zu rauchen, bekommt der ständig seinen Dunstausweis vor sich herpustende Altkanzler mit seiner Begleitlokomotive Emma(Loki) in seinem Hamburger Stammtheater gar noch mit unterwürfiger Geste einen Aschenbecher kredenzt frei nach dem lateinischen Spruch Quod licet Jovi, non licet bovi (was dem Jupiter erlaubt ist(darum noch lange) nicht dem Ochsen erlaubt).
Wie wäre es, in Theatern oder anderen Etablissements Raucherlogen einzurichten mit Flat rauchen ab 5000 Euro den Abend? Rauchen bis zum Eintritt ins Nirwana! Apropos Rauchen und Religion: Künftig heißt es nicht Raucherentwöhnung sondern Exorzismus.
Das mit der Religionsgründung ist doch sehr kreativ und konsequent gedacht.
Man ist sich nur noch nicht sicher, was das ideale Alter der Raucher-Konfirmation angeht.