Hilfe, die Rassisten sind los. Inländer verprügeln Ausländer, Ausländer verprügeln Inländer, alle prügeln alle, Pack verträgt sich nicht, Pack schlägt sich. „Deutschenfeindlichen Rassismus“ hat Kristina Köhler, die „CDU-Fachpolitikerin für Extremismus im Bundestag“ (da auch schon?), diagnostiziert. Das ist ja fast noch schlimmer als ausländerfeindlicher Rassismus, denn: Jeder ist irgendwo auf der Welt ein Ausländer. Aber noch lange nicht jeder ist irgendwo auch ein Deutscher, das ist ein Sonderschicksal, da haut man nicht drauf, der Deutsche ist quasi der Brillenträger unter den Nationen.
Ich würde ja das Wort „Ausländer“ als Unwort des Jahres 2008 vorschlagen. Also natürlich nicht schlagen, lieber nominieren. Ich kann es nicht mehr hören, diese ganze Die-da-und-wir-hier-Kacke. Die U-Bahn-Faustkämpfer und die Mügelner Pizzabäcker-Jäger haben eines gemeinsam: Es sind die aus der Gesellschaft Herausgefallenen oder nie richtig Hereingeholten, die alles hassen, was ihnen vor die Füße kommt und anders aussieht als das böse Gesicht, dass sie morgens im Spiegel anstarrt. Die, die wir integrieren müssen, ob sie Marvin heißen oder Mustafa. Die keine Aus- oder Inländer sind, sondern Menschen. Menschen, die um uns herum wohnen, also das, was man früher Mitmenschen genannt hätte.
Schön an der jüngsten Pressemitteilung von Frau Köhler (die aus Wiesbaden kommt, weshalb man ihr zumindest geographisch eine auffällige Kochnähe unterstellen muss) ist folgender Satz: „Wir müssen der Macho-Kultur den Zahn ziehen und diese Möchtegern-Kultur der Ehre zurechtstutzen.“. Das hätte ich gerne als Schild in jedem türkischen Kulturclub, in jeder deutschen Hooligan-Fankurve, auf jeder Provinz-Schlammcatch-Party, auf Schützenfesten, Beschneidungsfeiern sowie in allen Muckibuden und bei Mario Barth überm Bett. Wir haben nicht generell zuviel Ausländer, wie haben zuviel Testosteron. Wer rausfindet, wie man das zu Benzin verarbeitet, wird der reichste Mann de Welt!




Amen!
Voll ins Schwarze – dat triffts, aber sowas von!
Yeah, Frederic, zu viel Testosteron im Allgemeinen und zu wenig Zukunft für viele. Sacht eine, die vor Ort mit langem Atem (und auf verlorenem Posten?) für eine solche von sozial benachteiligten (auch so ein Unwort, aber so heißt es nun mal, sogar im Text des Kinder- und Jugendhilfegesetzes) Jugendlichen kämpft. Hat eigentlich in dieser ganzen Debatte in letzter Zeit mal einer k o n s t r u k t i v wenigstens genauso viele Worte an die Wurzeln des Übels verschwendet? Es geht hier um Integrationspolitik, um Bildung und Chancengleichheit – und zwar für junge Menschen überhaupt, darunter junge Ausländer, großenteils IN unserem Land aufgewachsen. Denn Integration (deshalb heißt es auch nicht Assimilation!) ist immer ein Prozess, zu dem – mindestens – zwei Seiten gehören. Und der Begriff ist durchaus auf alle aus unserer „Gesellschaft Herausgefallenen oder nie richtig Hereingeholten… ob sie Marvin heißen oder Mustafa. Die keine Aus- oder Inländer sind, sondern Menschen…“, anzuwenden.
Da muss nur so ein wahlkampfgeschädigter Populist weit genug sein Maul aufreißen, und schon häufen sich – in den Medien! – die gewaltsamen Übergriffe in U-Bahnen und wo sonst noch in der Öffentlichkeit. Als gäbe es die nicht schon viel zu lange – überall bei uns und jeden Tag. Macht euch mal mehr Gedanken, ihr Wahlkämpfer, woran das liegt – außer am Testosteron. Und was man (rechtzeitig!!) dagegen tun kann – außer einsperren und ausweisen. Liegt es nicht vielleicht ganz erheblich an dieser unserer Gesellschaft, an uns allen? Sind nicht irgendwie wir alle DIE_DA, nicht alle WIR_HIER? Das Einsteigen auf solche den alltäglichen Rassismus schürenden Äußerungen wie die von Herrn Fastfood-Koch ist dabei eher kontraproduktiv und vergiftet menschliches Zusammenleben noch mehr. Und schürt Angst. Meine Meinung. Tschulljung, dass ich mich hier so auslasse, Frederic. Aber ich weiß, wovon ich rede, erfahre es jeden Tag, in meiner Arbeit mit jungen Leuten (Pauls und Marvins, Saschas und Mustafas), die von Gessellschaft und Politik fallen gelassen wurden, lange bevor diese ihre Reaktionen oft hilfloser Wut und Aggression verteufelt haben. Und es macht mich zornig, wenn Leute wie Herr Koch, die dafür Verantwortung tragen – und btw. keine Ahnung haben, was INTEGRATION eigentlich bedeutet – dem Alltagsrassismus von Otto Normalverbraucher Nahrung geben.
Ufff! Sorry, das musste mal sein.
) – Eigentlich wollt ich ja nur sagen: Klasse Beitrag. Daumen hoch. Und Recht hast: Wir alle sind Ausländer – irgendwo.
P.S. Ausdruck der Sorge und konstruktive Gedanken, wies gehen kann, zet Be hier. Gefunden über den Sprechblasenblog.
… und erhält den Friedensnobelpreis.
Aber vorher wird er aus einigen Parteien der diversen Mitten und Rändern in unserem Land ausgeschlossen, weil die Idee nicht gut rein passt im Moment.
Hallo Hochaushex!
Ich kann Deinen Frust voll und ganz verstehen! Mir fallen da auch noch ein paar Dinge dazu ein:
Das Problem ist das „Nichts“! Es gibt (zu)viele, die Nichts haben. Und sie tragen häufig Nichts zu unserem Wohlstand bei. Nichts, was sie lieber täten. Viele aber dürfen Nicht(s), einige können Nicht(s). Und man behandelt sie wie ein Nichts. Wen wunderts, dass sie sich irgendwann fühlen wie ein Nichts. Aber den ganzen Tag Nichts tun ist auch Nichts. Und etwas mehr als garNichts wollen sie auch beitragen. Und dann kommt leider immer öfters Nichts Gescheites heraus.
Und dann kommen einige mit Nichts unter dem Hut und regen sich über die Nichtse auf. Aber sie tun Nichts wirklich gutes. Sie wollen sie vertreiben und einsperren und erziehen, weil die Nichtse Nichts Richtiges tun.
Aber wie soll das gehen? Wie vertreibt man denn Nichts? Wie kann man denn Nichts fangen und einsperren? Wie kann man denn Nichts erziehen? Andererseits: Wie könnten denn die Unter-dem-Hut-Nichts-Haber was erkennen? Wo doch nur Nichts Erkennendes da ist? (Den Satz finde ich übrigens ganz neckig, weil man den so unterschiedlich betonen kann.)
Und deswegen werden sich die Hut-Nichtse und die anderen Nichtse bis an ihr Lebensende bekämpfen. Und sie werden weiterhin Nichts produzieren und Nichts tun. Und sie werden Unschuldige mit einbeziehen. Wegen Nichts und wieder Nichts, solange, bis auch das letzte Nichts verschwunden ist … Alle Macht dem Nichts!
Danke für Eure engagierten Kommentare! Schade nur, dass Deine Links irgendwie nicht funktionieren, Hochhaushex. Ich hätte grade jetzt eine verstärkte Sehnsucht nach konstruktiven Gedanken…
Huch! Siehste, Frederic, das kömmt davon wenn man ausm nicht HTML-fähigen Medium kopiert.
Hier also nochmal die zwei letzten Linxe – gegen das Nichts:
http://www.tgd.de/modules.php?name=News&file=article&sid=749
Offener Brief der Türkischen Gemeinde an den Bundespräsidenten
http://sprechblase.wordpress.com/2008/01/11/offener-brief-an-bundesprasident-kohler/
Hm, ist es bei soviel Nichts in einem Kommentar eigentlich verwunderlich, wenn er selbst ausm Nichts kommt? – ich mein ja nur… Und kann dich sooo gut verstehn, Frederic.
Ich finde es ja gut, dass sich Politiker über die Zustände in U-Bahnen aufregen, die noch nie im Leben eine U-Bahn-Station von innen gesehen haben. Diese Spezies fährt in vom Steuerzahler bezahlten und abgedunkelten Limousinen durch die Gegend und lässt Kommentare ab, die von jeder Lebensnähe unbeleckt sind. Ansonsten fällt mir nicht mehr viel ein zu diesem hochgekochten Thema.
Problem nicht verstanden. Problem verniedlicht, verdrängt.
Armut führt angeblich zu Gewalttätigkeit? Völliger Quatsch.
Beschwichtigungslügen, macht mich echt sauer.