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Sahra Wagenknecht ist inzwischen Europa-Abgeordnete der Linken. Ich fand sie ja immer schon sehr gestelzt und irgendwie ansteinflößend, eine kommunistische Von-der-Leyen-Variante wie aus dem Hitchcock-Psychothriller. Neulich hat sie in Straßburg mit anderen Abgeordneten opulent Hummer geschlemmt und ist dabei fotografiert worden. Ihre Assistentin hat dann später die Digitalkamera der fotografierenden Kollegin ausgeliehen und die Hummer-Wagenknecht-Fotos gelöscht, weil sie ihr nicht gefallen haben.
Jetzt wird spekuliert. Ob allein der Hummerverzehr schon so un-links ist, dass er aus einer kommunistischen Biographie gelöscht werden muss. Oder war auf dem Foto noch mehr zu sehen? Wurde der Hummer von ausgezehrten Billiglohnsklaven angereicht? Gab es dazu Clintonsche Zigarrenspiele? Hing im Hintergrund ein verkehrt herum aufgehängtes Marx-Bild? Hat sie dem Hummer auf dem Foto direkt den Kopf abgebissen? Oder hatte sie erkennbar keinen Schimmer, wie man so ein Teil verzehrt und hat es mit Stäbchen versucht? Oder war der Hummer nicht mehr rot?
Das ist ja eh eine brisante Mischung, das gourmet-dialektische Spannungsfeld zwischen Klassenkampf und Delikatessen. Ich stell mir auch immer den Lafontaine vor, wie er ganz vorne auf den Barrikaden in der ersten Reihe steht – im Supermarkt an der Fleischtheke, mit dem Satz: „Lassen sie mich durch, ich bin die Arbeiterbewegung und hätte gerne ein Viertelpfund von diesem Büffel-Carpaccio!”. Mit dem Unterschied, dass Oskar die dabei entstandenen Fotos natürlich nicht löschen würde, sondern signieren.





[...] lustige Geschichte habe ich gerade im Honigbrot-Blog gelesen. Sahra Wagenknecht, Europaabgeordnete von “DIE LINKE”, soll beim Hummeressen [...]
Nach dieser sensationellen Enthüllung erwarte ich eine Entdeckung der anderen Art, so auf die Tour “Guido Westerwelle heimlich bei der Darmstädter Tafel für Bedürftige fotografiert.”Das wäre genauso widersprüchlich. Aber man darf anscheinend nicht die Massstäbe der öffentlichen Person und der von ihr vertretenen gesellschaftlichen Positionen an das Privatleben anlegen.Sonst müsste der erwähnte Lafontaine aufgrund seiner Einkünfte einen Zwangseintritt bei der FDP vollziehen. Ich möchte in diesem Zusammenhang den Kabarettisten Andreas Rebers zitieren: “Reich und links ist gut, arm und links ist schlecht, aber arm und rechts ist Scheisse, da kommt noch die Blödheit dazu.”
Eine abschliessende Überlegung von mir ist, ob ich wirklich einen Politikertypus wünsche wie seinerzeit Petra Kelly, die immer so ausgezehrt und angegriffen aussah und sich anscheinend nichts gegönnt hat. Politiker sind auch nur Menschen.
Dialektisch lässt sich feststellen, dass Hummeressen für Vertreter der Arbeiterklasse nicht oportun ist.
These: Vertreter der Arbeiterklasse essen keinen Hummer.
Antithese: Wer Hummer ißt, kann kein Vertreter der Arbeiterklasse sein.
Synthese: Liebe Arbeiterklasse, suche dir andere VertreterInnen.
Man kann aber einfach auch feststellen, dass einmal SED immer Stasi bleibt und das, was es nicht geben darf nicht geben wird. Und eine Hummerzensur findet (nicht) statt.