__________
Der gläserne Bürger hält sich selbst streifenfrei blitzblank. Grade hat mal wieder eine Studie ergeben, dass der Anwender an und für sich zum hackerfreundlichen Passwort tendiert. Neben den immer wieder gerne genommenen Klassikern „1234“ und „Passwort“ sind ansonsten der Name des Haustiers und der Mädchenname der Mutter (pfui, wer da einen Zusammenhang sieht!) weit verbreitet. Und auch wer immer „Schäuble“ eingibt, ist damit nicht automatisch auf der sicheren Seite. Sag ich, nicht die Studie.
Neu ist der Trend, einerseits auf den Überwachungsstaat zu schimpfen, dabei aber andererseits die persönlichsten Daten auf Seiten wie MySpace oder StudiViz zu veröffentlichen. Merke: Wer im Netz seine Schuhgröße, politische Ansichten und sexuelle Vorlieben hinterlegt, darf sich nicht wundern, wenn Behörden oder Arbeitgeber ihn mal testweise googeln. Und dann sagen: „Sorry marxistische Fußfetischisten stellen wir nur bis Größe 43 ein!“.
Das führt mich direkt zur abschließenden, fast schon philosophischen Frage: Kann man es überhaupt einen Überwachungsstaat nennen, wenn das Volk aus Exhibitionisten besteht? Oder nochmal einfacher für den Innenminister: Diejenigen, welche ihr Blinddarmpiercing nicht zum Download anbieten, das sind dann wohl die Terroristen. Freut mich, das hiermit geklärt zu haben, es ist schön, wenn man helfen kann!




Ein Blinddarmpiercing finde ich schonmal cool. Allerdings befürchte ich, dass wir zukünftig mindestens das Ergebnis unserer Darmspiegelung ins Netz stellen müssen um nicht mit al Quaida in Verbindung gebracht zu werden. Ich fvrage mich nur, wer sich den ganzen Sch.. anschaut. Mir würde davon schlecht werden.
@Gerhard: Ich finde ein Blinddarmpiercing weniger cool. Aber das ist Geschmackssache.
@Frederic: Ironisch betrachtet hast du natürlich recht. Nur das Schäuble nicht meine Blinddarmspiegelung interessiert. Er will die Terror-Absichten der Gefährder haben – und die werden sicher keine Anschlagstermine auf ihrer MySpace-Seite bekannt geben.
Also will der Schäuble doch eigentlich das Zwangsmyspace für alle. Wer sich weigert, ist Terrorist.
Blinddarmpiercings find ich theoretisch auch bedenklich, nicht, dass sich da was entzündet!
„Entzündet“ ist das richtige Wort – und damit schliesst sich dann doch wieder der Kreis zu Schäuble …
„Sorry marxistische Fußfetischisten stellen wir nur bis Größe 43 ein!“ *kicher* Du hast so recht. Muss jetzt die Ergebnisse meiner letzten Blutuntersuchung bloggen gehen … So long.
Da ist das Leben der Armeisen in ihrem Haufen sicher einfacher. Die haben ihre Wächter und die wissen, was gehauen und gestochen ist. Aber die haben ja auch kein Internet
.
So langsam pervertiert unsere Gesellschaft und ist vom technischen Fortschrittt, mit der die Ganoven immer einen Schritt voraus sind, überfordert.
Heißt das vielleicht im Umkehrschluss, das die Ganoven, wenn die Internet vom Staat durchschaubar gemacht wurde, wieder einen neue Möglichkeit der unbemerkten Verständigung finden werden?
Zur Frage „Kann man es überhaupt einen Überwachungsstaat nennen, wenn das Volk aus Exhibitionisten besteht“?
Also, ich denke Schäubles Vorstöße wurden völlig falsch verstanden. Er will ja gar nicht „überwachen“, er will nur mitspielen beim Striptease persönlicher Daten und seinen Informationssammelfetisch ausleben. Eins muss man ihm lassen, er hat die Zeichen der Zeit verstanden. Informeller Exhibitionismus wird verstaatlicht und der Darstellungsdrang des Volkes auf eine verlässliche Basis gestellt. Danke!
Privatsphäre is just so 20th century!
)