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Archive for Juni 2007

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Schüler sollen künftig die Bibel mit in den Biounterricht nehmen. Nicht um Schmetterlinge damit zu pressen, sondern um über die Schöpfungsgeschichte zu sprechen. Hessens Kultusministerin Karin Wulff hätte nämlich gerne, dass diese 7-Tage-Matsch-Licht-Rippchen-Arche-und-Co-Story dort behandelt wird. Die Kreationisten sind in Deutschland gelandet. Das sind Leute, die sich denken: „Mensch, der Islam, der ist so erfrischend unaufgeklärt, das hätten wir auch gerne wieder!“. Wenn es nach denen geht, soll in der Wissenschaft wieder mehr geglaubt als bewiesen werden. Zum Beispiel, dass die Erde erst 6000 Jahre alt ist, dass der Grand Canyon ein Ergebnis der Sintflut ist und dass Darwin eigentlich auf den Scheiterhaufen gehört hätte.

Nur weil ihnen die Erderwärmung, das Internet, die Kernfusion, die Finanzmärkte, ihr Handy und der örtliche Fahrkartenautomat zu komplex sind, wollen sie lieber etwas glauben, was sich wie ein erfolgreicher Hollywood-Film in einem Satz zusammenfassen lässt: „Ein Typ klotz sieben Tage mal richtig ran, fertig ist die Welt und happy end.“ Da kann ich nur sagen: Für Deppen wie Euch hat der liebe Gott die Evolution gar nicht erfunden.

Ja, ich bin sauer. Auf Leute, deren Glaube so zeitgemäß ist wie Höhlenmalerei. Die mal locker ein paar hundert Jahre Geisteswissenschaften in die Tonne treten wollen. Die dafür sorgen, dass Intelligenz und Glaube ein Gegensatzpaar werden. Die täglich flehen: „Vater unser im Himmel, vereinfacht werde dein Name. Unsere tägliche Einfalt gib uns heute. Und vergib uns unseren Kinderglauben, wie auch wir vergeben dem Biolehrer. Und führe uns nicht in Analysen, sondern erlöse uns von den komplexen Zusammenhängen!“. So. Das musste mal raus, jetzt geht´s mir wieder besser. Und Friede sei mit Euch!

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Sprachlos im Tubbieland

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Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden… Wenn´s so anfängt, wird’s meistens lustig. Jetzt haben sie herausgefunden, dass die Teletubbies nicht ideal sind für den kleinkindlichen Spracherwerb. Die Kids lernen dabei kaum Worte, heißt es. Hallo? Es kommen ja auch kaum welche drin vor! Lalablubb! Die Psychologin Marina Krcmar sagt: „Natürlich erliegen viele Eltern der Hoffnung, dass Kinder mit diesen Fernsehprogrammen ihre Sprachkompetenzen erweitern. Aber das ist nicht richtig“. Eine bittere Enttäuschung.

Bisher waren wohl viele davon ausgegangen, dass allein das dreifache Anschauen beispielsweise der dvd „Teletubbies – Oh-oh! Schönes Durcheinander!“ gleichzusetzen sei mit einem amerikanischen Hochschulabschluss, so eine Art BT, „Bachelor of Tubbies“. Entsetzen macht sich breit, viele sagen: „Jetzt haben wir extra noch ´Winterfreuden mit den Teletubbies´ für unseren kleinen Keanu-Kevin nachgelegt, aber die Leute vom Pen-Club haben sich immer noch nicht gemeldet!“. Oh-oh!

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Fahnder, Fäuste und Finanzen

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Die Zeiten werden härter. Und die Steuerfahnder auch. Die können sich künftig wehren, zumindest in Schleswig-Holstein, da kriegen sie nämlich einwöchige Lehrgänge in Sachen „Selbstverteidigung, Durchsuchungstechniken und dem Umgang mit gefährlichen Hunden“. Dazu noch „Waffenkunde und Psychologie“. Ein Beamter sagt: „Wir wussten ja bisher gar nicht, was wir tun sollen, wenn uns einer an die Gurgel geht. Wir sind ja nur in Finanzrecht ausgebildet.“ Klar, im Nahkampf haben Paragrafen nur eine bedingt abschreckende Wirkung.

Künftig können sie den Willis rauslassen: „Zahl langsam“. Wenn demnächst mal wieder so ein Zuhälter oder Nadelstreifen-Trickser zuschlägt, wird nicht geflüchtet, dann gibt’s voll auf die Zwölf. Nie war Finanzrecht so körperlich und sinnlich wie heute. Bin mal gespannt, was schneller ansteigt: Die Aufklärungsquote, die gefühlte Sicherheit oder die Sterblichkeitsrate unter Steuerfahndern. Ich seh schon die kommenden Rekrutierungsvideos der Finanzbehörden vor mir: Fliegende Fäuste, dicke Wummen, spritzendes Blut, dazu als Soundtrack „The final countdown“ und die Bruce-Stimme, die sagt: „Come to tax-investigation-country!“. Aber eigentlich: Hätte man solche Kurse nicht erst mal für Lehrer anbieten sollen?

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Möpse und Kartoffeln

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Über Satire und Karikaturen sollte man mit jedem herzhaft streiten, ob mit Mullahs, Polen oder der Bildzeitung – alle in einen Sack und immer feste drauf. Eigentlich sind ja diese regierenden Zwillingsbrüder schon Satire genug, das doppelte demokratische Lottchen, das sich nicht mal im Scherz von der TAZ „Kartoffel“ nennen lassen will. Ihre Forderung „Ohne Weltkrieg wären wir eigentlich 66 Millionen, das muss angerechnet werden“ schreit nach weltweiter Begeisterung in Form einer johlenden La-Ola-Welle und Antworten wie „Ja, und wir Deutschen wären 100 Millionen!“ oder „Ja, und Bruno Ganz hätte nie den Führer spielen müssen!“.

Dass das polnische Wochenmagazin „Wprost“ jetzt eine Fotomontage mit der barbusigen, Kasczinski-säugenden Merkel auf dem Tit(t)el hatte, finden viele geschmacklos. Eigentlich aber ist es lustig. Geschmacklos wäre es vielleicht, wenn die Kasczinksikinskis es sich auf die Stirn tätowieren lassen würden. Machen sie aber nicht, weil: So wirklich gut kommen sie auf dem Bild ja auch nicht weg, sie wirken so selbstständig wie zwei vergreiste Frühchen.

Also: Das ist Satire! Trotzdem simuliert die Bildzeitung Empörung über die „böse Nacktattacke“. Schön auch, dass sie an der selben Stelle einen Artikel verlinkt mit der Überschrift „Angela Merkel: Bild enthüllt ihre Gipfelstrategie“. So könnte „Wprost“ ihr Cover auch beschreiben. Halten wir mal fest: Das Foto schmeichelt der Kanzlerin! Sie lächelt, die Frisur sitzt und man hat ihr Brüste gegeben die sehr ansehnlich sind. Die zu stillenden (quasi still zu machenden) Brüder haben Doppelkinne und sehen aus, als hätten sie mühevoll die Möpse durchgezählt um endlich auf die Summe „2“ zu kommen, sie sie stolz als Antwort präsentieren. Wer kommt also besser weg?

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War da was?

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Das Zentrale Amt für Nachrichten-Unwesen der Bundeswehr hatte einen Totalabsturz. Diese „zentrale Dienststelle zur Deckung des spezifischen Informationsbedarfs von politischer Führung und militärischer Leitung“ ist so eine Art Konkurrenzveranstaltung zum Bundesnachrichtendienst, zwischen den beiden läuft wohl eine Art fröhliches Wettmauscheln. Beim ZNBw scheint man sich den aktuellen Informationsbedarf der Führer und Leiter irgendwie in Richtung Null zu wünschen, nach dem Motto: „Das wollt ihr gar nicht wissen!“.

In seinen modrigen EDV-Systemen lagerte dieser amtgewordene Schreddeer geheime Informationen über die Auslandeinsätze der Bundeswehr, über Besuche in amerikanischen Geheimgefängnissen und auch über eventuelle Begegnungen deutscher KSK-Soldaten mit einem gewissen Herrn Kurnaz. Alles, was da über die Jahre 1999-2003 gespeichert war, ist jetzt angeblich weg. Sie haben eine Sicherheitskopie gemacht, die war dann unleserlich. Und statt diese von Experten retten zu lassen, hat man sie lieber vernichtet. Und die Originale? Ähm, wahrscheinlich auch kaputt, darum wollte man sie ja sichern.

Wenn jetzt irgendein politisch-militärischer Leitungsführer wissen will, was damals los war, bekommt er als Antwort nicht mehr als: „Die haben nix gemacht, die wollten nur spielen!“. Das wäre vielleicht mal eine neue Idee für den Hof des Verteidigungsministers: ein Denkmal der unaufklärbaren Vorgänge.

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Der finale Rettungswitz

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„Wir brauchen etwas, um die Spannung zu lösen“, sagt der 39-jährige Todeskandidat, der direkt bei seiner morgigen Hinrichtung in Texas einen Witz erzählen will. Und wenn keiner lacht? Super-Pointe, aber dann betretenes Schweigen? Er wird das Gefühl haben, sterben zu wollen. Auf keinen Fall den Witz erklären, das wäre tödlich! Ruhig bleiben, das Tempo rausnehmen, vorsichtig einen kleinen Gag nachlegen: „Und mein Anwalt hatte gemeint, der wäre gut!“ könnte funktionieren.

Der Witz soll nicht vulgär oder gotteslästerlich sein, hat er angekündigt. Hm. Klingt nach Spaß. Wird bestimmt ein Mörder-Gag. Es gibt leider sehr wenig Erfahrungen mit dem Publikum von Hinrichtungen, aber es wird wohl nicht im klassischen Sinne dankbar sein. Vielleicht empfiehlt sich ein typisches Stand-Up-Intro wie „Ihr glaubt nicht, was mir auf dem Weg hierher passiert ist!“. Fassen wir zusammen: Die Todesstrafe ist nicht nur unmenschlich, sie macht sogar noch irgendwie den schönsten Galgenhumor kaputt.

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Gnädigen Dank

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Horst Köhler wird sie begnadigen. Heute Abend, wenn er der einzige Gast ist in der letzten Ausgabe von „Sabine Christiansen“. Er hat mit allen gesprochen, Angehörigen, Zuschauern und Politikern und dann sein Urteil fein abgewogen. Er wird Milde walten lassen ob der 10 Jahre lächelnden Talk-Stillstands, in dem sie konsequent im entscheidenden Moment die wichtigste Frage einfach mal NICHT gestellt, sondern lieber die übereinander geschlagenen Beine quasi-rhetorisch umgeschichtet hat. Eleganz statt Journalismus, das war ihre Devise.

Bei ihr durften sie alle sitzen, die millionenschweren Vorstandsvorsitzenden, die verkündeten, wer jetzt mal die Gürtel enger zu schnallen habe. Generalsekretäre durften ihre Slogans durchreichen, die Meinungs-Makler der Parteien durften sich am Plaudermarkt positionieren und gelegentlich wurden herrlich deplatziert der „einfache Mensch von der Strasse“ oder irgend ein durchgeknallter Promi Marke Matthieu Carriere locker untergehoben. Es war ein Fest nach dem Motto: „Lassen sie uns doch bitte wie erwachsene Menschen ausreden, es geht hier um Deutschland und wie ich sehe, ist unsere Sendezeit jetzt zu Ende.“

Sie hat sich schwesterlich mit der Kanzlerin den Frisör geteilt und irgendwie hatte man auch den Eindruck, dass sie sich deutlich als mitgewählt empfand. Jetzt wird sie nach Paris ziehen und dort angeblich im selben Haus wohnen wie Peter Scholl-Latour. Da kann sie ja dann die die Eigentümerversammlung moderieren, vielleicht schaut auch Matthieu Carriere auf einen fremdpeinlichen Sprung vorbei. Bonne Chance!

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Morgengrauen

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Die Drohungen werden konkret: Morgen schon könnte Beck Kanzler sein! Sagt Lafontaine. Unter einer klitzekleinen Bedingung: Mindestlohn her, Truppen raus aus Afghanistan, Hartz IV rückgängig machen und die Rentenformel wieder herstellen. Im Prinzip soll die SPD einfach die Linke überflüssig machen, um dann mit ihr koalieren zu dürfen. Laut „Sonntagsfrage“ wären sie dann zusammen bei 31% + 10% = 41%. Fehlen zur Mehrheit noch 10%, die haben weder Grüne noch FDP.  

Also müssten sie putschen. Aber wie, wenn der Verteidigungsminister zu diesem Zweck die Tornados ausnahmsweise mal nicht rausrücken will? Mal beim „schwarzen Block“ anrufen, ob er hilft, sich notfalls gegen Wasserwerfer ins Kanzleramt reinzuprügeln? Und dann Lafontaine als Vizekanzler und Arbeitsminister? Gysi macht die Justiz und Sahra Wagenknecht das Ministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend? So viele Weinfeste gibt es in Berlin gar nicht, dass der Beck sich das schönsaufen könnte.

Und eine SPD, die sich einfach wieder auf Links dreht, nur damit sie sich von dem Typen eine Mehrheit besorgen lassen kann, der sich selbst als das eigenhändig herausgerissene Herz der Sozialdemokratie empfindet? Die bräuchte wohl kein neues Zukunftsprogramm, sondern eher eine Therapie. Genau. Das ist der Plan: Lafontaine will die SPD in den Wahnsinn treiben. Lieber morgen als übermorgen.

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Ja, Tom Cruise ist ein Depp. Ein dauergrinsender, sofahüpfender Scientologe. Der den ersten Stuhlgang seiner Tochter in Bronze hat gießen lassen, um ihn als Kunstwerk für einen guten Zweck versteigern zu lassen. Das ist es ja genau, was man bei Scientology unter Nächstenliebe versteht: Scheiße zu Geld machen.

Zur Zeit weilt er in Berlin, weil er in einem Kinofilm den Hitler-Attentäter Staufenberg spielen soll. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter ist entsetzt: „Er schlüpft in eine Sinnbildrolle, die ihm im normalen Leben nicht zusteht.“ Na und? Das hat der Wussow auch gemacht. Und Benneter selbst eigentlich auch, seine anderthalb Jahre als SPD-Generalsekretär kamen vielen wie ein fataler Besetzungsfehler vor. Weiter kündigt er an: „Ich werde versuchen, meine Möglichkeiten zu nutzen, und dem Studio klar zu machen, dass er kein geeigneter Darsteller für diese Rolle ist. Heino Ferch könnte die Rolle sicher gut spielen“. Na das wird ein Blockbuster! Nach Heino Ferch lecken sie sich an den Kinokassen in Übersee ja chronisch die Finger…

Wenn wir eines nicht brauchen, dann Politiker, die bestimmen, wer in welchem Film wen spielen darf und wen nicht. Entweder kann man den Film boykottieren, indem man einfach nicht reingeht. Oder man sagt: „Den Staufenberg hat er ganz gut gespielt, der Depp“. Das langt auch. Übrigens: Wenn mal wieder die letzten Tage von Marylin Monroe verfilmt werden sollen, kann Hollywood ja bei der Besetzung gerne an Klaus Uwe Benneter denken. Der passt vom Typ her genau. Als Schlaftablette.

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Kunst gegen Sport: Eins zu Null!

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Es geht immer ums Loslassen-Können. Bei einem 89-Kilometer-Marathon in Durban fing ein Läufer auf dem letzten Kilometer an zu taumeln. Kurz davor hatte er seine Mitstreiter noch zum Endspurt angefeuert, dafür haben sie ihn dann sterbend ins Ziel getragen, mit der Begründung: „Damit er unter 11 Stunden bleibt“. Man sollte allein für diesen Satz eine Sammlung aufmachen mit den schönsten „letzten Worten aus dem Umfeld“. Hätte man noch auf Kilometer 88 einen Arzt geholt, wäre er zwar nicht unter „Elf“ geblieben, aber vielleicht unter den Lebenden.

Wesentlich entspannter ist da Ai Weiwei, der ein schickes Kunstwerk aus Fenstern und Türen alter Häuser gebaut hatte, die dem chinesischen Bauboom zum Opfer gefallen waren. Das hat jetzt ein Unwetter zerlegt, quasi als Natur-Performance auf der „Documenta“ in Kassel. Und was sagt der Künstler? „Das ist besser als vorher. Der Preis hat sich soeben verdoppelt.“ Coole Sau, das. Sollte Marathon laufen. Wo immer er zusammenbräche, er würde sich am Ziel fühlen.

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