__________
Bleischwere Synthesizer-Klänge, düstere Bilder einer Straße, eines Autos, eines Motorrads – war das John Carpenters „Nebel des Grauens“, gestern um 21:45 in der ARD? Nein, es war Vergangenheitsbewältigung nach den Gesetzen des Fernsehens. Mit dem ausgesprochen subtil dahingetupften Titel: „Das Opfer und der Terrorist“. Buback vs. Boock, man möchte sich gar nicht ausmalen, wie RTL so was angekündigt hätte („und jeeetzt, in der linken Ecke…“).
Dass der Sohn eines RAF-Opfers mit einem Ex-Terroristen das Gespräch sucht, weil ihn die Unkenntnis der genauen Tatumstände noch heute nicht zur Ruhe kommen lässt, ist natürlich spektakulär, wichtig, interessant und von historischer Bedeutung. Aber es ist nix für eine halbe Stunde TV. Der erste Knackpunkt war doch der: Das Gespräch hatte schon längst in Form mehrerer Telefonate stattgefunden. Warum sie jetzt noch mal vor Kameras setzen? Nur um zu zeigen: Diese beiden älteren Herren mit den feuchten Augen sind a) Menschen und haben b) miteinander geredet? Moderator Volker Herres war auf der Suche nach den großen Gefühlen. Man hätte sich nicht gewundert, wenn er zwischendurch aufgestanden wäre und persönlich in die Synthesizer-Tasten gegriffen hätte, wie einst Vincent Price auf der Horror-Kirchenorgel.
Als Boock auf Befragen die damaligen Abläufe schildert und dabei die Begriffe verwendet, die nun mal das Denken und Handeln der RAF mitbestimmt haben („Kommando“, „Plan“, „Aktion gelaufen“), fragt Herres, wie es Buback angesichts dieser technischen Sprache gehe. Als wäre ihm mit Kuscheltalk geholfen, als hätte man lieber von dieser „Du-weißt-schon-was-Sache“ sprechen sollen. So haben die damals eben geredet und gedacht. Das erklärt vieles, das darf nicht ausgeblendet werden, das weiß ein Buback seit 30 Jahren. Volker Herres ist es gelungen, das Gespräch übers Gespräch auf das Niveau eines Sportlerinterviews am Spielfeldrand zu ziehen, indem er den Ex-Terroristen doch tatsächlich gefragt hat, wie er sich denn jetzt emotional fühle. Also doch: Nebel des Grauens.




Herr Buback geht bei seinem Versuch, die Hintergründe der Ermordung seines Vaters zu klären wesentlich differenzierter mit den Sachverhalten um wie die gesamte deutsche Juristerei. Klar, er kann als Chemiker besser denken.Vieles an der Sendung fand ich aber auch schräg. Vor allem, dass die Schlüsselszenen gleich danach in den tagesthemen wiederholt wurden. Da wurden wir auch auf den Boden der juristiischen tatsachen zurückgeholt. WIr wussten alles und haben ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wir werden von der Verwaltung regiert. Ein neuer Veraltungs/Ermittlungvorgang bringt vielleicht Licht ins Dunkel der Aktenlage.
“Der Nebel des Grauens” ist schon eine treffende Formulierung für die Diskussion, die im Jahr 2007 über den Terrorimus des Jahres 1997 stattfindet. Eine unaufgeklärte, hoch emotinale Diskussion, die alles in allem unreif wirkt.
Den RAF-Veteranen wird (zurecht) vorgehalten, sie trügen nicht zur Aufklärung bei – nun kommt aber heraus, daß die Behörden ebenfalls kein Stück zur Aufklärung beitragen/beigetragen haben.
Den RAF-Veteranen wird (ebenfalls zurecht) von den Hinterbliebenen der Opfer vorgeworfen, sie zeigten zu weing Reue. Zeigt ein Herr Boock Reue, so wird ihm von BILD und Co daraus ein Strick gedreht – ja soll er sich den erhängen?
Und hinter allem steht ein virtueller “Terror”, vor dem uns Schäuble und Konsorten mit einem Entzug der Bürgerrechte retten wollen …