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Archive for 23. März 2007

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Eine schöne Parallel-Meldung zu meinem gestrigen Eintrag ist ja die Geschichte von dieser Frankfurter Richterin. Die hatte einer Frau die Schnellscheidung verweigert, mit der Begründung, im Koran sei es ja erlaubt, dass der Mann seine Frau züchtigt. Damit hätte sie rechnen müssen, als sie die Ehe eingegangen sei. Die Faust deines Gatten im Gesicht zu spüren ist also Glaubenssache. Und dann zitiert sie sogar noch den entsprechenden Koran-Vers, ohne zu merken, dass sie im falschen Buch unterwegs ist. Für Juristen gilt weder der Koran, noch Harry Potter. Die haben extra eine eigene Bibel namens Gesetzbuch. Irgendwer hat gestern gesagt: „Nach ihrer Rechtsauffassung hätte diese Richterin für das Urteil eigentlich 80 Peitschenhiebe verdient.“.

Aber das kommt halt dabei raus, wenn Politiker (zum Beispiel von Parteien, die ihren Glauben schon im Namen tragen) die Trennung von Staat und Religion für verwerflichen 68er-Schnickschnack halten. Selbst Angela Merkel kämpft dafür, dass die neue EU-Verfassung einen Gottesbezug enthält, so eine staatstragende Version von „Einer für alle, alle für einen“. Ich finde: Gott darf gerne mitregieren, aber bitte nur im Vatikanstaat. Oder im Gewissen der Politiker, Platz ist in der kleinsten Hütte. Aber in einer Verfassung hat er so wenig verloren, wie ich bei der Elternbetreuung von Tokio Hotel.

Sehr mutig finde ich die Initiative des „Zentralrats der Ex-Muslime“, die sich dafür einsetzen, dass Glaube Privatsache sein muss. Und Nicht-Glaube auch. Nur den Namen der Initiative finde ich etwas unglücklich provokativ, eigentlich müsste der Glaube da auch noch raus. Sehr intelligent sind auch die Leute vom „Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V.“. Die zweifeln das Moral-Monopol der Religionen an, welche ja bei jeder ethischen Entscheidung immer wie das Ricola-Männchen angesprungen kommen um mit der Frage zu nerven: „WER hat´s erfunden?“. Und wer der Meinung ist, dass ohne Religionsunterricht an den Schulen das Abendland untergeht, weil dann gar keiner mehr Werte vermittelt, der findet beim Konfessionslosen-Bund DAS Gegenargument: „Die NSDAP ist damals von lauter Menschen gewählt worden, die in der Schule Religionsunterricht bekommen haben“. Wow. Das sitzt.

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